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Panne bei der Lotto-Ziehung : 6 aus 47

  • -Aktualisiert am

Jetzt also noch mal alles von vorn? Lottofee Heike Maurer und Ziehungsleiter Dirk Martin von Rheinland-Pfalz Lotto Bild: ZDF

Die Suche nach den Ursachen für die Panne bei der Lotto-Ziehung am Mittwochabend geht weiter. Die vermeintlichen Gewinner der ungültigen Ziehung gehen leer aus.

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          Am Donnerstag war noch nicht klar, wie viele neue Lotto-Millionäre Deutschland nicht hat, weil am Mittwochabend das Ziehungsgerät den Dienst versagte. Tausende waren es aber nicht, auch nicht Hunderte, nicht einmal Dutzende. Aber schon einem einzigen wäre es zu gönnen gewesen, neuer Lotto-Millionär zu sein, mehreren umso mehr. Aber es hat nicht sollen sein, und nicht einmal und erst recht nicht die Lotto-Fee konnte es richten.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Wie gewonnen, so zerronnen, heißt das Sprichwort, das am Mittwochabend auf all jene zutraf, die richtige Zahlen getippt hatten, aber dennoch nichts gewannen, weil die Ziehung wegen der technischen Panne wiederholt werden musste. Wie zerrissen, so zerronnen, heißt die Sprichwortabwandlung für all jene, die ihren Tippschein nach der Panne zerrissen hatten und bei der zweiten Ziehung dann feststellten, dass sie vier Richtige hatten.

          Mehr als 20 solcher Sondersupermegaverlierer meldeten sich allein bei Lotto Niedersachsen, wie dessen Sprecher am Donnerstag mitteilte. Die mit den Richtigen aus der zweiten Ziehung auf ihren zerrissenen Scheinen bekommen nämlich auch nichts: Nur mit vollständigem Spielschein besteht Anspruch auf den Gewinn.

          Historisch: Das gab es noch nie

          Die gezogenen Zahlen 3, 8, 11, 26, 32, 40 und die Zusatzzahl 9 waren ungültig, weil nicht alle Kugeln in die Trommel rollten. Zwei hingen auf dem sogenannten Schlitten fest. Da der Fehler erst nach der Liveübertragung im ZDF bemerkt worden war, musste die Ziehung wiederholt worden. Die Suche nach der genauen Ursache für die Panne gehen nach Angaben des Fernsehsenders weiter. Es ist noch immer unklar, warum die beiden Kugeln steckengeblieben sind, wie das ZDF am Donnerstag in Mainz mitteilte. Bei den üblichen Tests vor der Sendung und bei der Generalprobe habe das Ziehungsgerät einwandfrei funktioniert. Auch die wiederholte Ziehung der Zahlen mit dem gleichen Gerät sei pannenfrei verlaufen.

          Ziehungsleiter Dirk Martin von Lotto Rheinland-Pfalz sprach von einem technischen Defekt, der noch nie vorgekommen sei. Martin hatte die zunächst ausgespielten Zahlen nachträglich für ungültig erklärt. Dass die Panne nicht schon während der Sendung von Mitarbeitern der Lottogesellschaft bemerkt wurde, begründet der Sender mit Lichtreflexen auf dem Ziehungsgerät. Lottofee Heike Maurer zeigte sich erschüttert: „Ich dachte, es wäre ein Aprilscherz, als meine Redakteurin anrief und sagte, ich muss zurückkommen“, sagte sie am Donnerstag. „Dass eine ganze Ziehung 6 aus 49 ungültig war, das ist noch nie passiert.“ Künftig will sie schauen, ob die Lottokugeln auch richtig rollen und sich nicht verhaken.

          Rechtlich: Schlicht nicht justiziabel

          Nur wenig im Leben macht so glücklich wie ein Sechser im Lotto. Und nur wenig dürfte so niederschmetternd sein, wie diesen Hauptgewinn gleich wieder zu verlieren. Der Unglücksrabe, den dieses Schicksal am Mittwoch ereilte, wurde noch nicht ausfindig gemacht. Doch die Empathie, die ihm entgegenschlägt, dürfte grenzenlos sein. Schnell wird der Ruf nach juristischen Konsequenzen dieses Frevels laut, schließlich könnte es irgendwie jeden treffen. Und etwas, das so offensichtlich himmelschreiend ungerecht ist, muss sich schließlich auch vor Gericht durchsetzen lassen.

          Doch die Antwort, zu der Juristen selbst nach eingehender und durchaus wohlwollender Prüfung kommen, ist ernüchternd. Schändlich mag der Vorgang sein, und sicherlich in vielerlei Hinsicht einmalig. Aber justiziabel? Wohl nicht. Dafür haben die Lottogesellschaften schon gesorgt, als sie ihre Teilnahmebedingungen wohlweislich formulierten. Sie wussten sehr wohl zu verhindern, dass jeder dahergelaufene Gewinner seine sicher geglaubte Beute vor Gericht einklagen kann, nur weil zwei Kugeln nicht den richtigen Weg in die Trommel fanden.

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