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Pakistan : Dorfrat soll Vergewaltigung angeordnet haben

In diesem Raum wurde mutmaßlich ein 16 Jahre altes Mädchen auf Geheiß eines Stammesgerichts vergewaltigt. Bild: Reuters

Die Eltern des Mädchens mussten bei der angeordneten Vergewaltigung zusehen. Jetzt greift der Regierungschef der Provinz gegenüber der tatenlos gebliebenen Polizei durch.

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          Die pakistanische Polizei hat nach eigenen Angaben 25 Mitglieder eines Dorfrates festgenommen, weil sie die Vergewaltigung eines 16 Jahre alten Mädchens angeordnet haben sollen. Damit habe der Bruder des Opfers bestraft werden sollen, der seinerseits im Verdacht steht, seine zwölf Jahre alte Cousine vergewaltigt zu haben. Das berichtete die pakistanische Zeitung „Dawn“ am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei in der Provinz Punjab. Das 16 Jahre alte Mädchen wurde demnach in einem Dorf nahe der Stadt Multan vor den Augen des Dorfrates und ihrer eigenen Eltern vergewaltigt.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Der Regierungschef der Provinz, Shahbaz Sharif, übte am Donnerstag scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei, die erst „mit krimineller Verspätung“ Ermittlungen aufgenommen habe. Es gebe kaum „ein schlimmeres Beispiel für die Nachlässigkeit der Polizei“, sagte Shahbaz. Nach seinen Worten wurden die Ermittlungen im Fall des 16 Jahre alten Mädchens erst zwei Tage nach der Tat aufgenommen, im Fall des zwölf Jahre alten Opfers sogar erst acht Tage später. Shahbaz sagte, er habe die Suspendierung aller Polizisten der zuständigen Polizeistation veranlasst und eine dreiköpfige Kommission eingesetzt, die innerhalb von drei Tagen einen Bericht vorlegen solle. Auch der Vorsitzende des obersten Gerichtshofs, Mian Saqib Nisar, schaltete sich am Donnerstag ein und wies die Polizeiführung in Punjab an, über den Fall Bericht zu erstatten.

          Vergewaltigung als Bestrafung selten

          Nach Angaben des staatliche Zentrums zum Schutz von Frauen vor Gewalt hatte die Mutter des auf Anweisung des Stammesgerichts vergewaltigten Mädchens zuvor darauf hinzuwirken versucht, dass als „Ausgleich“ für die Schuld ihres Sohnes eine ihrer beiden verheirateten Töchter bestraft würden. Der Rat verlangte jedoch, dass ihre unverheiratete Tochter vergewaltigt werde, und zwar von dem Bruder des zuvor vergewaltigten zwölf Jahre alten Mädchens. In den ländlichen Gebieten Pakistans und Afghanistans gibt es die (verbotene) Praxis, zur Sühne eines Verbrechens eine Frau aus der Familie des Täters in die Familie des Opfers zu verheiraten. Solche Frauen sind dann häufig Opfer von häuslicher Gewalt.

          Fälle von angeordneter Vergewaltigung sind bislang nur selten bekannt geworden. Am Donnerstag meldete sich die prominente Frauenrechtsaktivistin Mukhtar Mai zu Wort, die 2002 selbst Opfer einer von einem Dorfrat angeordneten Massenvergewaltigung geworden war. „Wieder ein Stammesgericht im Süden Punjabs und wieder ein Mädchen vergewaltigt. Wir befinden uns noch immer im Jahr 2002“, schrieb sie auf Twitter. In Mais Fall war die Vergewaltigung als Bestrafung für die angebliche außereheliche Beziehung ihres Bruders gedacht gewesen. Sie erlangte seinerzeit internationale Aufmerksamkeit; ihre Biographie wurde in viele Sprachen übersetzt. Die Regierung verweigerte ihr daraufhin zeitweise die Ausreise – aus Sorge um den Ruf Pakistans, wie der frühere Präsident Pervez Musharraf später zugab. Ihr Fall ging bis zum pakistanischen Supreme Court. Einer der Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Vier weitere wurden freigesprochen.

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