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Urteil in Südafrika : Oscar Pistorius zu fünf Jahren Haft verurteilt

Oscar Pistorius vor der Urteilsverkündung Bild: dpa

20 Monate nach der Tat folgt nun das Strafmaß für Oscar Pistorius: Der wohl bekannteste Prothesen-Sprinter der Welt muss fünf Jahre ins Gefängnis. Er hatte seine Freundin Reeva Steenkamp getötet.

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          Das Hohe Gericht in Pretoria hat Oscar Pistorius am Dienstag zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Strafe sei sowohl für die Gesellschaft wie für den Angeklagten angemessen, sagte Richterin Thokozile Masipa im voll besetzten Gerichtssaal. Eine mildere Strafe wie Hausarrest mit Sozialarbeit wie von der Verteidigung gefordert, sende die falsche Botschaft an die Gesellschaft. Bei einer längeren Inhaftierung wiederum fehle das Element der Gnade.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Pistorius verfolgte die mehr als eine Stunde langen Ausführungen der Richterin mit unbeweglicher Miene. Lediglich seine Wimpern zuckten. Auch das Urteil, das er stehend entgegennahm, löste keine Reaktionen aus. Er wurde von Polizisten abgeführt. Auch die Familie von Reeva Steenkamp wie die Vertreter seiner eigenen Familie ließen sich nichts anmerken. Verteidigung und Anklage gaben keinen Hinweis, dass sie die Entscheidung anfechten werden.

          Mindestens acht Monate Gefängnis

          Wie Rechtsexperten in Südafrika erklärten, muss Pistorius in jedem Fall acht Monate der Strafe im Gefängnis verbringen. Danach wird geprüft, ob gutes Verhalten oder andere Umstände eine frühere Freilassung rechtfertigen. Es gibt in Südafrika viele prominente Fälle, in denen Verurteilte nur einen kleinen Teil der Strafe hinter Gittern verbüßten.

          Die Richterin hatte Pistorius vor einem Monat wegen der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva für schuldig befunden. Der 27 Jahre alte Sportler hatte am Valentinstag vor einem Jahr viermal durch eine Toilettentür geschossen, um sich nach seiner Aussage gegen einen vermeintlichen Einbrecher zu wehren. Die 29 Jahre alte Steenkamp, ein Fotomodell und eine Jurastudentin, wurde von drei Kugeln getroffen.

          In Südafrika wird über das Strafmaß gesondert von der Urteilsverkündung entschieden. Die Anklage hatte in der vergangenen Woche zehn Jahre Haft gefordert. Mit einer milderen Strafe werde sich die Gesellschaft nicht zufrieden geben, sagte Staatsanwalt Gerrie Nel. Die Verteidigung hatte mehrere Zeugen aufgeboten, die für Hausarrest und Sozialarbeit plädierten. Pistorius’ Anwalt Barry Roux hatte seinen Klienten als „weiteres Opfer“ dargestellt. Er habe durch die Tat alles verloren, sei während des Prozesses gedemütigt worden.

          Nicht Prinzip „Auge um Auge“

          Die Richterin legte sehr detailliert dar, wie sie zu ihrer Entscheidung gelangt war. Bis zum Schluss fiel es Beobachtern schwer, über das Ergebnis zu spekulieren. „Eine angemessene Strafe zu finden, ist eine Herausforderung. Es handelt sich nicht um exakte Wissenschaft“, erklärte die Richterin gleich zu Beginn. Es müsse sorgfältig auf eine Balance geachtet werden zwischen den Interessen der Gesellschaft, der Tat und den Umständen des Angeklagten. Eine zu milde Strafe könne dazu führen, dass die Bürger „solche Angelegenheiten in die eigene Hand nehmen“. Eine zu harsche Strafe wiederum könne den Verurteilten zerstören.

          Sie hob hervor, dass Gerichte nicht existierten, um Popularitätswettbewerbe zu gewinnen. Strafentscheidungen dürften nicht von Rachegelüsten beeinflusst werden. „Dieses Land hat die dunkle Ära lang hinter sich gelassen, in der das Prinzip Auge um Auge galt“. Besonders harsche Worte fand sie für eine Zeugin der Verteidigung, die ein erschreckendes Bild der Zustände in südafrikanischen Gefängnissen gezeichnet hatten. Die Gefängnisse seien in der Lage, sich auch um die Belange von Behinderten zu kümmern, sagte Masipa. Wenn dies nicht der Fall sei, könnten Inhaftierte vor Gericht ziehen und fänden dort auch Gehör.

          Die Richterin verurteilte Pistorius außerdem zu drei Jahren Haft wegen des nachlässigen Umgangs mit einer Waffe in einem Cafe. Die Strafe werde jedoch für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Sportler muss außerdem sämtliche Waffenscheine abgeben.

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