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Oscar-Panne : Der Mann hinter „Envelopegate“

  • -Aktualisiert am

Secret Service: Martha Ruiz und Brian Cullinan auf dem roten Teppich Bild: dpa

Noch immer beschäftigt das Desaster um den falschen Oscar-Umschlag Amerika. Nun gibt es Rufe nach Konsequenzen aus „Envelopegate“.

          2 Min.

          Die Fernsehmoderatorin Sharon Osbourne, nach 35 Ehejahren mit Heavy-Metal-Rocker Ozzy Osbourne Schlimmeres gewohnt, fasste es am Morgen danach unaufgeregt zusammen. „Es ist ja niemand gestorben“, beruhigte die Britin die Zuschauer ihrer Sendung „The Talk“, die wissen wollten, wie Faye Dunaway und Warren Beatty in der Oscar-Nacht den falschen Gewinner in der Kategorie „Best Picture“ ausrufen konnten. Über die Verwechslung der Umschläge, inzwischen bekannt als Envelopegate, wird weiter spekuliert.

          Nach Beattys zögerndem Blick auf die Karte hatte Dunaway spontan „La La Land“ zum Sieger erklärt. Wie sich erst nach zwei peinlichen Minuten herausstellte, hatte Beatty aber den falschen Umschlag geöffnet. Anstelle des Kuverts „Bester Film“ hatte man dem 79 Jahre alten Schauspieler den Umschlag mit der Aufschrift „Beste Hauptdarstellerin“ in die Hand gedrückt. Dass über dem Film „La La Land“ auch Emma Stones Name stand, ließ Beatty zögern. Es dauerte dennoch zwei Dankesreden, bevor der echte Sieger der Goldtrophäe verkündet wurde. „Es gab einen Fehler. ,Moonlight‘ hat gewonnen. Das ist kein Witz“, sagte Jordan Horowitz, der Produzent des Musicalfilms „La La Land“. Zum Beweis hielt er Kuvert und Karte in die Kamera. Brian Cullinan, der für die Umschläge verantwortliche Buchhalter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC), starrte derweil auf einen zinnoberroten Umschlag in seinen Händen.

          Pricewaterhouse Coopers bemühte sich am Montag um Schadensbegrenzung. „Der Mitarbeiter Brian Cullinan, der auf der linken Seite der Bühne stand, gab Warren Beatty den falschen Umschlag“, teilte das Unternehmen mit und bat um Entschuldigung für eine der größten Blamagen in der Geschichte der Oscars. Wie in jedem Jahr hatten Cullinan und seine Kollegin Martha Ruiz die Stimmen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für alle 24 Oscar-Kategorien gezählt und die Umschläge der Gewinner in zwei schwarze Taschen gesteckt. Mit den vertraulichen Kuverts liefen Cullinan und Ruiz über den roten Teppich, bevor sie sich an beiden Seiten der Bühne postierten. Da oft auch kurz vor dem Auftritt nicht bekannt ist, an welcher Seite die Presenter die Bühne betreten, tragen beide jeweils einen vollständigen Satz der Umschläge bei sich.

          Die Schuldigen am Drama

          Als Faye Dunaway und Warren Beatty in der Nacht zu Montag als letzte Presenter auftraten, soll Cullinan durch Emma Stone abgelenkt gewesen sein. In sozialen Medien erschienen kurz nach ihrem Oscar-Gewinn Fotos von Stone mit ihrer goldenen Trophäe, die der PWC-Partner Cullinan aufgenommen hatte. „Die Umschläge auszugeben ist nicht sonderlich kompliziert. Da hinter der Bühne ziemlicher Trubel herrscht, muss man aber aufpassen“, hatte Cullinan zuvor gewarnt. Wie amerikanische Medien meldeten, wurden erste Rufe laut, den Wirtschaftsprüfer zu entlassen oder nach 83 Jahren die Zusammenarbeit der Academy mit Pricewaterhouse Coopers zu beenden.

          Die Schuld scheint nicht allein bei Cullinan zu liegen. Auch das neue Design der Umschläge soll zum Fiasko beigetragen haben. Nach Jahren mit goldenen Umschlägen, auf denen ein heller Aufkleber mit dem Hinweis auf die jeweilige Oscar-Kategorie prangte, wählte die Academy in diesem Jahr dunkelrote Kuverts mit goldener Schrift. „Ich weiß nicht, ob unsere goldenen Umschläge den Albtraum verhindert hätten. Aber ich weiß, dass wir uns einiges einfallen lassen haben, um sie so narrensicher wie möglich zu machen. Zum Beispiel haben wir einen leicht lesbaren Schrifttyp gewählt und sehr große Buchstaben“, sagte der Designer Marc Friedland der „Los Angeles Times“. Der Inhaber des Unternehmens Couture Communications hatte bis 2016 sechs Jahre lang die „Envelopes“ gefertigt. Ein bisschen Schadenfreude schwingt bei Friedland daher mit: „Das Ganze ist natürlich fürchterlich. Es ist aber auch eine Erleichterung, dass nicht wir für das Drama verantwortlich sind.“

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