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Oscar-Nominierung : 24 Minuten Weltruhm

Der Gewinner: Bei der Verleihung der „Studenten-Oscars“ in Beverly Hills im Juni 2011 gewann Zähle die Auszeichnung in Bronze. Bild: dpa

Max Zähle hat einen bewegenden Film über illegalen Kinderhandel in Indien gedreht. Die Abschlussarbeit des Studenten ist sogar für einen Oscar nominiert.

          Irgendwann könnte es heißen, seine Karriere habe mit einem Pudding angefangen. Das ist eine ihm nicht ganz angenehme Vorstellung. Die Packung "Milch Pudding Schoko" steht trotzdem noch als Andenken im Regal von Max Zähles Arbeitszimmer. Der Dummy, gefüllt mit dunkler Gummimasse, wurde vor knapp 15 Jahren für einen Werbefilm in Szene gesetzt. Es war Zähles erster Dreh. Während seiner Zeit als Zivildienstleistender bekam der damals Zwanzigjährige die Gelegenheit, an dem Filmset dabei zu sein. "Das hat mich total fasziniert", sagt Zähle. "Diese Dynamik, die vielen interessanten Jobs, die für so einen Film nötig sind." Der zufällige Kontakt an jenem Tag wies ihm den Weg - nicht nur ins Filmfach, sondern auch von Celle über Hamburg bis nach Hollywood.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Max Zähle ist für einen Oscar nominiert. Am kommenden Sonntag wird er in Los Angeles über den roten Teppich gehen und im Kodak Theatre vielleicht eine der begehrten Statuen für seinen schon mit Preisen überhäuften Kurzspielfilm "Raju" bekommen. Wie viele Preise das Werk in nur einem Jahr bekommen hat, kann Max Zähle nicht einmal genau sagen. "33 oder 34 müssten es sein." Schon jetzt ist kaum noch Platz auf dem Schränkchen neben seinem Schreibtisch, auf dem Trophäe neben Trophäe steht.

          Das Werk: Filmplakat zu „Raju“

          Darüber hängen zwei Filmplakate: vom Erstlingswerk "Wattwanderer" und natürlich von "Raju". Zähle, der in Celle aufgewachsen ist, hatte über seine Eltern - der Vater ist Architekt, die Mutter Lehrerin - keinen direkten Bezug zu Medien. Allerdings begann er schon mit 13, 14 Jahren, kleine Filme zu drehen. Die Handlungen seien alle "trash" gewesen, sagt er und lacht. Allerdings entstanden auch Hörspiele und vor allem Musikvideos. Zähle, der selbst Gitarre spielt, schrieb eigene Lieder und gab mit verschiedenen Bands Konzerte mit "ehrlichem Punk-Rock".

          „Herausragende Darstellung der Farben und des Chaos in Indien“

          Nach seinen ersten Erfahrungen am Pudding-Filmset zog es ihn in die Medienstadt Hamburg, wo er mehrere Jahre hauptberuflich als Cutter arbeitete - vor allem von Werbefilmen. "Ich hatte aber schon immer den Drang in mir, Geschichten zu erzählen." Und so bewarb sich Zähle mit 31 Jahren bei der Hamburg Media School, um Regie zu studieren. "Alle zwei Jahre werden nur jeweils sechs Studenten in den vier Fachbereichen Drehbuch, Regie, Produktion und Kamera aufgenommen", erzählt Zähle. Im Studium tat sich der angehende Regisseur mit zwei Kommilitonen zusammen, dem Kameramann Sin Huh und dem Produzenten Stefan Gieren, und gemeinsam erarbeiteten sie ihre Abschlussarbeit.

          Der Geschichtenerzähler: Max Zähle in seiner Küche

          Premiere feierte ihr Film im Januar 2011 beim Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis. International war "Raju" dann erstmals im April auf dem Aspen Shortsfest zu sehen, wo er den Zuschauerpreis und einen Spezialpreis der Jury bekam. Die Juroren sprachen dem Film ihre besondere Anerkennung aus, "für die grandiose Darbietung, die gewaltige Handlung und die herausragende Darstellung der Farben und des Chaos in Indien". Bisheriger Höhepunkt: die Verleihung des sogenannten Studenten-Oscars in Beverly Hills im Juni 2011. "Raju" bekam zwar nicht den Nachwuchs-Academy-Award in Gold. Doch auch Bronze sei schon ein Hammer gewesen, sagt Zähle. "Viel mehr geht nicht, dachten wir."

          Von der Nominierung erfuhr Zähle übers Internet

          "Raju" aber schaffte es sogar noch auf die Shortlist für die Oscars. Von der Nominierung am 24. Januar durch die Academy erfuhr Zähle natürlich bei einem Filmfestival, beim Sundance Film Festival in Park City im amerikanischen Bundesstaat Utah. Während die glanzvollen Kategorien live um 5.30 Uhr in Hollywood vor der Kamera verkündet wurden, saß der Vierunddreißigjährige mit zehn, elf Filmemachern bei einem besonders frühen Frühstück zusammen und wartete darauf, dass die Anwärter auf den Kurzfilm-Oscar im Internet bekanntgegeben wurden. Einen der vier Aspiranten kennt Zähle gut: den norwegischen Film "Tuba Atlantic" von Hallvar Witzø, der den goldenen Studenten-Oscar gewonnen hatte. Favorit bei den Academy Awards ist der Film trotzdem nicht: "Das kann niemand vorhersagen."

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