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Orkan über Deutschland : „Niklas“ zieht ab und hinterlässt viele Schäden

  • Aktualisiert am

Auf dem Campingplatz in Bad Karlshafen hat „Niklas“ unter anderem ein Wohnmobil umgeworfen. Bild: dpa

Am Dienstag wütete der Orkan „Niklas“ über Deutschland. Wie ist die Lage am Tag darauf? Unsere Korrespondenten berichten aus ihren jeweiligen Bundesländern.

          Im Orkan „Niklas“ sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Der Bahnverkehr, der am Dienstag weitgehend stillstand, normalisierte sich am Mittwoch zügig. Von diesem Donnerstag an soll der Osterreiseverkehr wieder normal laufen. Hier eine Übersicht aus den Bundesländern.

          Berlin

          In Berlin lief der Verkehr bis auf einige Störungen bei der S-Bahn am Mittwoch wieder normal. Am Dienstag hatte „Niklas“ bei der Feuerwehr zu zehn Stunden Ausnahmezustand geführt. Im Fernsehturm am Alexanderplatz gab es technische Probleme, die Fahrstühle wurden am Abend gesperrt. Besucher der Aussichtsplattform und des Restaurants wurden über 986 Stufen nach draußen geführt. In Brandenburg kam es allein zu 56 Unfällen, die vom Sturm verursacht wurden. Hart traf „Niklas“ in Berlin und Brandenburg auch die Reisenden. Am Flughafen Tegel wurden Flüge gestrichen, andere hatten Verspätungen. Der Regionalverkehr der Bahn wurde am Dienstag um 19.30 Uhr vorsorglich eingestellt, der Fernverkehr um 20 Uhr. Der „Übernachtungszug“ am Berliner Hauptbahnhof sei gut genutzt worden, teilte die Bahn mit. Nach Mitternacht rollten die Züge wieder. (mk.)

          Entlang der S-Bahn-Strecke zwischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Aying bei München hielt nicht jeder Baum dem Orkan stand. Bilderstrecke

          Über Hessen wurde der Orkan in der Nacht zum Mittwoch schwächer. Noch am Dienstagabend hatte „Niklas“ auf einem Campingplatz in Bad Karlshafen bei Kassel mehrere Campingwagen umgeworfen. Dabei wurde eine 34 Jahre alte Frau schwer verletzt. Am Frankfurter Flughafen war der Betrieb beeinträchtigt. 180 Flüge wurden storniert, weil eine Startbahn wegen starken Seitenwindes über Stunden geschlossen werden musste. Wegen der Engpässe genehmigte die Luftaufsicht des hessischen Verkehrsministeriums ausnahmsweise 30 Starts nach 23 Uhr. Schon am Dienstag hatte die rheinland-pfälzische CDU aufgrund des Orkans das Forstforum „Zukunft der Forstverwaltung in Rheinland-Pfalz“ absagen müssen. Die Referenten konnten weder mit der Bahn noch mit dem Flugzeug anreisen. In den Wäldern entstanden keine gravierenden Schäden. Von Osterspaziergängen im Wald wurde dennoch abgeraten. (tifr.)

          Bayern

          In Bayern entspannte sich die Lage nur langsam. Schneefall, der in der Nacht zum Mittwoch einsetzte, führte zu Behinderungen im Straßenverkehr. Auch Bahnfahrer mussten sich auf Verspätungen und Umwege einstellen; die Verbindungen von München nach Rosenheim und Garmisch-Partenkirchen blieben wegen Sturmschäden unterbrochen. Die S-Bahnen in der Region München fuhren nur eingeschränkt. Der Münchner Hauptbahnhof, der am Dienstag wegen Sturmschäden geräumt werden musste, war wieder zugänglich. Mit einem großen Aufgebot an Kräften wurde in oberbayerischen Landkreisen daran gearbeitet, die Stromversorgung wiederherzustellen; der Sturm hatte 5000 Haushalte von der Versorgung abgeschnitten. (ff.)

          In Nordrhein-Westfalen lief der Bahnverkehr am Mittwoch wieder weitgehend gemäß Plan. Es kam aber nach wie vor zu Verspätungen und Zugausfällen. Am Dienstagvormittag war der Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen bis zum frühen Abend ganz eingestellt worden, auch der Fernverkehr wurde vom Sturm stark beeinträchtigt. Herabfallende Äste beschädigten Oberleitungen, umgeknickte Bäume lagen auf den Gleisen. Zehntausende Reisende saßen an den Bahnhöfen fest. Auf der Autobahn 45 bei Hagen riss der Sturm ein Baugerüst von der Lennetalbrücke, zwei Arbeiter wurden schwer verletzt. Die Feuerwehren in Köln und Düsseldorf rückten zu jeweils mehr als 100 Einsätzen aus. Am Düsseldorfer Flughafen kam es dagegen kaum zu Beeinträchtigungen. (csc.)

          Baden-Württemberg

          Mit Lothar, dem Orkan, der am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 über den Südwesten fegte, will die baden-württembergische Forstkammer das Sturmtief „Niklas“ nicht vergleichen. Damals stellte man Windbruch auf 40000 Hektar fest, jetzt seien nur „Einzelwürfe“ gemeldet worden. Im Landkreis Ravensburg wurde ein sechs Jahre altes Kind von Gebäudeteilen getroffen und schwer verletzt. In Ludwigsburg stürzte ein Ast auf einen 23 Jahre alten Fußgänger, der lebensgefährlich verletzt wurde. In Karlsruhe blieben Zoo und Frühlingsmesse geschlossen. Die Bodenseefähre zwischen Friedrichshafen und Konstanz verkehrte nicht. (rso.)

          Hamburg und Schleswig-Holstein

          In Hamburg war die Feuerwehr noch am Mittwoch zu etwa 50 Einsätzen unterwegs, um vor allem umgestürzte Bäume wegzuräumen. Am Dienstag hatte die Feuerwehrleute allein in Hamburg rund 800 Mal wegen Sturmschäden ausrücken müssen. So wurde eine U-Bahn mit 200 Fahrgästen evakuiert. An der Elbphilharmonie stürzte ein Baugerüst aus 30 Meter Höhe auf den Kai und zum Teil in die Elbe. Der Bahnverkehr kam zu großen Teilen zum Erliegen, ein ICE wurde kurz vor Hamburg durch umgestürzte Bäume gestoppt. In Schleswig-Holstein brachte der Sturm vor allem die Fahrpläne der Fähren an der Nordseeküste durcheinander. In Mecklenburg-Vorpommern tobte „Niklas“ bis weit nach Mitternacht. Die Bahn stellte den Nahverkehr ein. (F.P.)

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