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Opulente Eheschließung : Bollywood in Barcelona

  • -Aktualisiert am

Kommt ein Bräutigam geritten: Gulraj Behl hält standesgemäß auf einem Schimmel Einzug. Bild: dpa

Drei Tage lang feiert die Nichte des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal in Barcelona eine Hochzeit wie aus dem Bilderbuch. Die Katalanen feiern mit und hoffen, dass bald noch mehr reiche Inder die klamme Stadtkasse füllen.

          Die Braut trug traditionelles indisches Hochzeitsrot. Der Bräutigam ritt in Weißgold auf einem Schimmel ein. Es war ohne Zweifel die opulenteste – und teuerste – Eheschließung, die Barcelona jemals gesehen hat. Aber wenn die Mittals feiern, ist nun einmal das Beste gerade gut genug.

          Drei Tage dauerten die Festivitäten, in deren Mittelpunkt ein sichtlich glückliches Paar stand, das freilich meist nur schüchtern lächelte. Die 26 Jahre alte Shristi Mittal, Nichte des Stahlmagnaten Lakshmi Mittal, Tochter von dessen jüngerem Bruder Pramod, gab dem 36 Jahre alten Banker Gulraj Behl das Jawort. Weil Hindus zu diesem Zweck nicht unbedingt einen Tempel brauchen, eignete sich dafür auch das Kunstmuseum von Barcelona.

          Eine Samstagnacht wie aus dem Bilderbuch

          Es wurde eine Samstagnacht wie aus dem Bilderbuch. Die mehr als 500 geladenen Gäste kamen überwiegend aus Bombay, Kalkutta und London. Die Riten und Roben, die Luftballons und das Feuerwerk brachten einen Hauch von Bollywood in die katalanische Hauptstadt. Starkoch Sergi Arola zelebrierte in der Küche. Der Champagner floss bis in die Morgenstunden zu Rock aus den achtziger Jahren. Die Torte hatte sechs Stockwerke. Zwei Luxushotels beherbergten die Besucher, die von kleinen Heerscharen einheimischer Frisöre und Schminkmeister partyfest gemacht worden waren. Das Preisschild für das Ganze wurde auf königliche 60 Millionen Euro geschätzt.

          Die Stadtväter sind entzückt

          Die Mittals können es sich leisten. Als Lakshmi, der mutmaßlich achtreichste Mann des Planeten, im Jahr 2004 seiner Tochter Vanisha eine Hochzeit in Versailles ausrichtete, war es gewiss nicht preisgünstiger. In Barcelona wurden nun gleich zwei Museen für die verschiedenen Etappen der Feierlichkeiten gemietet. Die Stadtväter und die Staatsgewalt waren mehr als entzückt.

          Noch in den Schulden und Tiefen der spanischen Krise gefangen, brachte die große indische Hochzeit nicht nur einen warmen Pfund-, Dollar- und Euro-Regen. Vielmehr erhoffen sich die Katalanen (vorneweg Bürgermeister Xavier Trias und der ebenfalls werbewirksam präsente Ministerpräsident Artur Mas), dass „Bollylona“ sich auch künftig als neues Fiesta- und Shopping-Vorzugsziel für andere indische Millionäre profilieren werde.

          Dieser Wunsch mag sich erfüllen, weil die Mittals ein schönes Beispiel gaben. Sie kamen, wie sie sagten, aus dem einfachen Grund, weil ihnen die quirlige attraktive Olympiastadt gefällt. Und Barcelona zeigte, dass es sich in Sachen Küche, Keller und Stil hinter keiner anderen Metropole zu verstecken braucht. So hatte die Feier, die im Übrigen ohne Bollywood-Stars auskam, zwischen Saris und Girlanden auch ein paar passende spanische Akzente: Flamenco, Bänkelsänger von der Universität und Kunstreiter aus Andalusien. Das Ambiente war reichhaltig indisch-iberisch. An die Unabhängigkeit Kataloniens verschwendete wohl kein Hochzeitsgast auch nur einen Gedanken.

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