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„Opportunity“-Mission : Mars-Rover am Rande des „Grand Canyon“

  • Aktualisiert am

Gestochen scharfe Fotos vom Mars: der Victoria-Krater Bild: REUTERS

Immer wieder senden die Mars-Rover der Nasa spektakuläre Ansichten einer fernen Welt zur Erde. Der Forschungsroboter „Opportunity“ befindet sich zur Zeit am Rande des riesigen Victoria-Kraters.

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          Seine geschätzte Lebensdauer hat „Opportunity“ schon um das Zehnfache übertroffen - Zwillingsrover „Spirit“ steht ihm da in nichts nach. Die Nasa-Spezialisten sind allerdings nicht nur vom Durchhaltevermörgen ihrer Mars-Rover begeistert, sondern auch von den wissenschaftlichen Daten, die sie weiterhin zuverlässig vom Roten Planeten zur Erde senden. Jüngstes Beispiel: „Opportunitys“ spektakuläre Aufnahmen von einem großen Mars-Krater (siehe auch eine Nasa-Animation des Victoria-Kraters).

          „Es ist, als stehe man am Grand Canyon und habe die Gelegenheit, von verschiedenen Seiten hinunterzublicken, bevor man hinabsteigt“, schwärmt Nasa-Forscher James Bell. Und er glaubt, daß dies erst der Anfang ist. Die Nasa erwartet, daß der fahrbare Roboter den Schlund weiter erkundet und damit der Wissenschaft aufregende neue Einblicke in die Millionen Jahre lange Geschichte des Roten Planeten beschert. Bell verglich die Aufregung und Spannung unter den Wissenschaftlern mit der Lektüre eines Krimis. „Du liest die ersten Seiten und du wirst süchtig.“

          Am Ende einer „Weltreise“

          Die Fotos, die die Nasa-Spezialisten in Aufregung versetzen, wurden vom Rande des Victoria-Kraters aufgenommen, den „Opportunity“ nach einer 9,6 Kilometer langen Fahrt über den Marsboden am 28. September erreichte - eine Weltreise für den Roboter, der gerade mal so groß wie ein Golfcart ist und sich seinen Weg über ein unwegsames Gelände bahnen mußte. Mit einer Breite von etwa 800 Metern und einer Tiefe von 60 Metern ist Victoria bei weitem der größte Krater, den der Roboter und sein Zwilling „Spirit“ seit seiner Ankunft auf dem Roten Planeten im Januar 2004 besucht haben. „Die beiden haben uns bisher etwa 160.000 Fotos geliefert“, so Bell. „Aber was wir vergangene Woche erhalten haben, ist sofort in meine Top-Ten-Liste gerückt.“

          „Cap Verde” - gesehen von den Kameras des Rovers „Opportunity”

          Die Nasa hatte sich den Victoria-Krater als Forschungsobjekt anhand von Fotos ausgesucht, den der Satellit Mars Global Surveyor zur Erde geschickt hat. Sie umkreist den Mars seit 1997. Es ist vor allem die Tiefe des Kraters, die die Wissenschaftler fasziniert. Nachdem die beiden Rover schon in der Vergangenheit Beweise für die frühere Existenz von Wasser auf dem Mars gefunden haben, versprechen sich die Experten von der Untersuchung der Krater-Gesteinsschichten detaillierte Erkenntnisse.

          Zeitweise Wasser auf dem Mars

          Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob es ständig Wasser auf dem Planeten gab oder nur ab und zu, und wenn Letzteres zutrifft, ob das in erkennbaren Zyklen erfolgte. „Opportunitys“ Bilder zeigen den Wissenschaftlern zufolge bisher noch nie gesehene „Muster“ in den Gesteinsschichten. Sie wichen deutlich voneinander ab - ein Zeichen dafür, daß die Umweltbedingungen nicht konstant waren, wie Steven Squyres von der Cornell University glaubt.

          Die Freude der Wissenschaftler noch gesteigert haben Aufnahmen, die der Mars Reconnaissance Orbiter gemacht hat, eine Sonde, die ebenfalls den Mars umkreist und über die modernste teleskopische Kamera verfügt, die jemals zu einem Planeten geschickt wurde. Die gestochen scharfen Fotos aus einer Höhe von knapp 300 Kilometern zeigen den Krater - und „Opportunity“ am Rande des Abgrunds. Die Räder des Rovers sind zu erkennen und sogar die Spuren im Sand, die „Opportunity“ beim Heranrollen zurückließ.

          Kein Rover-„Selbstmord“

          Demnächst soll sich der Roboter auf einen in den Schlund reichenden Gesteinsvorsprung vorwagen, den die Wissenschaftler „Cap Verde“ getauft haben. Danach geht es am Kraterrand entlang, um den ungefährlichsten Weg zu einer Abfahrt in die Tiefe zu finden und den sichersten Weg wieder hinauf. „Wir wollen keine Selbstmordaktion“, sagt Squyres, der das Orbiter-Foto von dem Rover am Rande des Krater-Kliffs liebevoll „als eines der bewegendsten Bilder“ bezeichnete, die er im Zuge der planetarischen Forschung gesehen habe.

          Ursprünglich hatte die Nasa den Mars-Rovern nur eine Lebensdauer von je etwa drei Monaten eingeräumt, „Opportunity“ ist nun schon länger als 960 Tage unterwegs, und es gibt immer noch keine Anzeichen dafür, daß ihm die Puste ausgeht. „Er zeigt Alterserscheinungen, ist aber in guter Form, um den Victoria-Krater zu erforschen“, sagte Rover-Projektmanager John Callas. Auch „Spirit“ hält sich wacker. Der „Zwilling“ hält sich am Gusev-Krater auf - auf der anderen Seite des Planeten Mars.

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