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Schwimmen lernen : So klappt das mit dem Seepferdchen

  • -Aktualisiert am

Viele Eltern trauen sich nicht zu, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. Bild: dpa

Wenn das Kind Schwimmen lernen soll, übergeben es viele Eltern an Schwimmkurse. Die Scheu, selbst mit dem Nachwuchs ins Wasser zu hopsen, ist weit verbreitet. Abhilfe schafft in Corona-Zeiten ein Online-Kurs für verunsicherte Eltern.

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          Schwimmen lernen, das Seepferdchenabzeichen erhalten und unbeschwert am Pool oder Meer toben, das ist in Zeiten, in denen immer mehr Schwimmbäder schließen, Anfahrtswege zum nächsten Bad lang und Schwimmkurse heillos überfüllt sind, nicht einfach. Selbst wenn Eltern einen Platz für ihr Kind in einem der oft nicht günstigen Schwimmkurse ergattert haben, heißt das nicht, dass das Kind nach zehn Terminen auch sicher schwimmen kann: Es fallen Kurse aus, das Kind ist krank, oder ein wichtiger persönlicher Termin kommt dazwischen. Doch woran liegt es eigentlich, dass Eltern ihren Kindern im Sommerurlaub das Schwimmen nicht einfach selbst beibringen, wie Laufen oder Fahrradfahren, sondern sich in überhitzten Schwimmhallen an den Beckenrand setzen und den Kindern beim Schwimmenlernen zu schauen?

          „Einige Eltern denken überhaupt nicht daran, ihren Kindern das Schwimmen selbst beizubringen, weil einfach alle Kinder im Freundeskreis einen Kurs besuchen. Einige Mütter trauen sich auch nicht, da sie Angst haben, etwas falsch zu machen“, berichtet Mynia Deeg, die selbst drei Kinder hat und gerade mit ihrem Start-up „Swimstart“, einer digitalen Schwimmschule, online gegangen ist; sie hatte im Vorfeld der Gründung Eltern befragt, warum sie ihren Kindern denn das Schwimmen nicht selbst beibrächten. Für viele Eltern scheint Schwimmen zudem eine Sportart zu sein, die man erst selbst gut beherrschen muss, um sie seinem Kind beibringen zu können.

          Mit ihrem digitalen Schwimmkurs will Deeg Eltern klarmachen: „Ihr könnt das!“ Den Anstoß dazu hat ein persönliches Erlebnis gegeben, als ihr damals dreieinhalbjähriger Sohn fast ertrunken wäre. Aus diesem Grund will sie nicht nur das Schwimmen vermitteln, sondern auch die „Wasserkompetenz“ der Eltern und Kinder stärken, denn das Fehlen dieser Kompetenz sei oft der Grund, warum es zu Badeunfällen komme.

          Zum Ertrinken kann eine Pfütze reichen

          Im Jahr 2019 sind hierzulande 17 Kinder im Vorschul- und acht im Grundschulalter im Wasser ums Leben gekommen, berichtet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die 1913 als Konsequenz aus einem schweren Unglück auf Rügen gegründet wurde, bei dem ein Steg einstürzte und 16 Menschen ertranken, darunter zwei Kinder. Die Zahl der Unfälle nehme wieder zu, so die DLRG. „Für Kinder ist dabei jede Form von Wasser gefährlich. Es ist egal, ob Meer, See, Fluss oder Pool; wenn ein Kind spielt, vergisst es seine Umwelt, und da reicht auch eine Pfütze zum Ertrinken“, sagt Achim Wiese, Pressesprecher der DLRG. „Kinder im Vorschulalter dürfen niemals am Wasser allein sein, Eltern müssen in Greifnähe bleiben“, betont Wiese deshalb.

          Ein Seepferdchen allein macht noch keinen guten Schwimmer.
          Ein Seepferdchen allein macht noch keinen guten Schwimmer. : Bild: Rüchel, Dieter

          Und nur weil ein Kind ein Seepferdchen habe, sei es nicht automatisch ein sicherer Schwimmer, so die DLRG. Von einem sicheren Schwimmer spricht die DLRG erst ab dem Freischwimmerabzeichen, das mittlerweile „Bronze“ heißt; dann könne man mit unterschiedlichen Situationen im Wasser umgehen. „Ein Seepferdchen ist nur ein Motivationsabzeichen, das muss Eltern bewusst sein“, sagt Wiese.

          Gründe dafür, dass Kinder seltener schwimmen können und es zu Badeunfällen kommt, sieht die DLRG darin, dass es weniger Schwimmbäder und damit auch weniger Kurse gibt und endlose Wartelisten. „Ein weiteres Problem ist, dass es selbst für Grundschulen, bei denen in der 3. und 4. Klasse Schwimmen auf dem Lehrplan steht, oft überhaupt keine Möglichkeit gibt, freie Bahnen in einer Schwimmhalle zu bekommen“, sagt Wiese.

          Der Kopf muss unter Wasser

          Gestartet ist Gründerin Deeg mit einem Online-Schwimmkurs für zu Hause, „Swim at Home“, da ja während der Corona-Krise keine Schwimmbäder offen hatten. Ihr geht es darum, dass Familien sofort loslegen können, ohne Warteliste. „Eine der größten Hürden beim Schwimmenlernen ist, dass Kinder den Kopf unter Wasser halten“, erklärt Deeg. Da könnten in einem Schwimmkurs mit 10 Stunden schon mal 8 Stunden nur allein dafür draufgehen. Doch den Kopf unter Wasser zu bekommen ist nicht nur wichtig, um effizient schwimmen zu lernen, sondern auch, um nicht in Panik zu geraten, wenn man mal plötzlich ins Wasser fällt. Das lasse sich einfach und mit ein paar Tricks in der Badewanne oder im Planschbecken im Garten üben, so Deeg.

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