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One-Hit-Wonder : Mensch, dieses Lied!

Berühmt durch den Chart-Erfolg „Lemon Tree“: Peter Freudenthaler (zweiter von links) und die aktuelle Besetzung von Fools Garden. Bild: Fricke, Helmut

Vor nichts fürchten sich Musiker mehr, als zum One-Hit-Wonder zu werden. Doch manche arrangieren sich damit – so wie Fools Garden, die vor zwanzig Jahren mit „Lemon Tree“ ihren Moment in der Sonne erlebten.

          7 Min.

          Draußen vor der Bühne warten 250 Menschen, und Peter Freudenthaler denkt über Erfolg nach. Gerade ist eine junge Band von der Bühne gekommen, noch ganz berauscht vom vielen Applaus, den sie bekam. Für sie sind 250 Konzertbesucher, die für ihre Karte 23 Euro gezahlt haben, eine ganz Menge. Für Freudenthaler eher nicht.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Und trotzdem: Er ist gut drauf. Seine Haare sind lang und fast ein wenig wild, das Hemd spannt ein bisschen über dem Bauch, die Jeans hat ein paar Löcher. Vermutlich hat Freudenthaler sie so schon gekauft und sie nicht erst durch wilde Musikernächte verschlissen. Die 50 hat er schon letztes Jahr hinter sich gelassen. Er hat gerade zwei schöne und entspannte Tage in Hamburg verbracht, hat einen Freund besucht, und jetzt als Abschluss, fast so nebenbei, wird er mit seiner Band noch dieses Konzert spielen.

          Fools Garden, so heißt die Band, hatte hier in Hamburg ihren ersten Auftritt vor ausverkauftem Haus mit ein paar tausend Leuten. Fast zwanzig Jahre ist das her. Jetzt sind es eben 250, der Raum ist halb voll. Man könnte auch sagen: ziemlich leer. Freudenthaler nennt es „kuschelig“.

          Auf der Bühne spricht der Moderator seinen Text, den Freudenthaler und die anderen drei Bandmitglieder von Fools Garden so oder in leicht abgewandelter Form auswendig können. Er geht etwa so: „Sie hatten einen Welthit, den noch heute fast jeder mitsingen kann. In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um sie geworden, aber sie haben nie aufgehört, Musik zu machen.“

          Es ist wie ein Zauberspruch, mit dem der Veranstalter erklären kann, warum man eine Band als Höhepunkt des Abends anpreist, die heute nicht mehr viele Platten verkauft und deren aktuelle Lieder kaum einer kennt. Und es ist das Stichwort für die Konzertbesucher, um sich zu erinnern und zu denken: Mensch, dieses Lied! Dieses Lied. „Lemon Tree“.

          Auftritt im Stadion: Sänger Freudenthaler (1997).
          Auftritt im Stadion: Sänger Freudenthaler (1997). : Bild: IMAGO

          Es dauert elf Minuten, bis Freudenthaler, der Leadsänger von Fools Garden, bei der ersten Begegnung das Wort One-Hit-Wonder ausspricht. Dabei geht es gerade um das neue Album der Band. Aber Freudenthaler unterstellt womöglich, dass jedes Gespräch über die Musik von Fools Garden zu diesem Punkt strebt. Was ja auch nicht falsch ist. Also beantwortet er gleich alle Fragen, die man noch gar nicht gestellt hat: Es war schon unglaublich, wie groß der Erfolg von „Lemon Tree“ 1995 und ein Jahr später war; diese Zeit war wunderschön und anstrengend; es ist nicht einfach, nach so einem großen Hit wieder in Ruhe Musik zu machen; nein, es kotzt uns nicht an, heute noch „Lemon Tree“ auf Konzerten zu spielen.

          So weit, so erwartbar. Aber dann sagt Freudenthaler etwas, das überrascht: „Dass uns so etwas wie ,Lemon Tree‘ nie wieder gelingen wird, war uns von Anfang an klar.“

          Man kann Fools Garden als eine recht durchschnittliche Band beschreiben und sie dafür kritisieren, nie so recht über die gefälligen Melodien herausgekommen zu sein. Nur, ihnen das vorzuwerfen bringt nichts, denn sie wissen es vermutlich selbst. Freudenthaler nannte sein Lied „Lemon Tree“, weil er fand, dass die beiden Worte sich schön anhören. Mehr nicht. Umso schöner, dass das auch viele andere Menschen so empfanden und die Platte kauften. Und wenn die anderen Lieder sie nicht so begeistern – schade, aber so ist es eben. So denkt Peter Freudenthaler über Erfolg.

          Kleiner erster Erfolg mit „Wild Days“

          Aber trotzdem: Ist es nicht total nervend, sich jeden Tag zu motivieren, ans Klavier zu setzen und zu komponieren, wenn man weiß, dass sich das Ergebnis, an dem man hängt, wahrscheinlich nur mäßig verkaufen wird? Vor allem wenn man weiß, wie sich Erfolg anfühlt? Richtig großer Erfolg. Wenn man den Backstreet Boys hinter der Bühne begegnet ist? Wenn einem 50.000 Mädchen bei einem Konzert in Asien entgegenschrien vor Begeisterung? „Nee, das geht trotzdem mit der Motivation“, sagt Freudenthaler, und es klingt sogar ehrlich. Vielleicht, weil die so unglaublich erfolgreichen Backstreet Boys schon damals hinter der Bühne nicht so richtig glücklich aussahen.

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