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Olympia in Peking : Sein Name ist Rogge, er weiß von nix

  • -Aktualisiert am

IOC-Präsident Jacques Rogge Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Politikern und IOC-Funktionären fällt zu Tibet wenig ein. Sie schieben das Schicksal der Sportler vor, um ihre eigene Ratlosigkeit zu bemänteln. Sponsoren wollen an ihren Plänen nichts ändern. Warum sollen dann die Sportler protestieren?

          Wer hätte schon damit gerechnet, dass der Reiteraufstand im 21. Jahrhundert eine Renaissance erleben würde? Doch wenn den Bildern zu trauen ist, die der Reporter Steve Chao aus der chinesischen Provinz Gansu vor wenigen Tagen über den kanadischen Kanal CTV sendete, dann ist genau das geschehen: Hunderte ethnische Tibeter fielen zu Pferde in eine Stadt in der Nähe der Grenze zum tibetischen Gebiet ein. Sie zerrissen eine chinesische Flagge und hissten eine tibetische. Sie belagerten ein Regierungsgebäude, bis sie von Polizeitruppen mit Tränengas zurückgeschlagen wurden.

          China will nicht, dass die Welt solche Bilder sieht; am Freitag wurden die letzten Korrespondenten aus Tibet ausgewiesen. Überhaupt würde die chinesische Regierung am liebsten nur Bilder zeigen wie jene vom Hochglanz-Terminal III des Pekinger Flughafens, das der Architekt Norman Foster für das Regime entworfen hat. Anfang des Monats wurde es eröffnet, damit die 500.000 erwarteten Olympiatouristen schon bei der Ankunft erkennen mögen, wie modern und proper das neue China ist.

          Sportliche Propaganda-Party

          Während westliche Architekturstars in Peking mithelfen, die Hightech-Kulissen zu bauen, vor denen das Märchen von der fröhlich boomenden Supermacht aufgeführt werden kann, kämpfen im schwer zugänglichen Westen des Landes die Tibeter mit archaischen Mitteln einen verzweifelten Kampf um Freiheit und das Überleben ihrer Kultur. Es hat nur ein paar Tage des Aufbäumens gebraucht, um der Welt vor Augen zu führen, wie leichtfertig die Behauptung vieler Olympiafunktionäre und Politiker war, allein die Vergabe der Olympischen Spiele nach China bewirke eine „Öffnung“, könne mithin Wesentliches an der Menschenrechtssituation in dem Land ändern.

          Berittene Tibeter, die in eine chinesische Grenzstadt einfielen

          Nun ist die moralische Not ebenso groß wie die politische Ratlosigkeit. Kann man einem Regime, das wieder einmal seine Bürger niederknüppelt, erlauben, im Sommer die Jugend der Welt für eine sportliche Propaganda-Party zu missbrauchen? Die Antworten auf diese Frage fallen mau aus: Man dürfe die Spiele nicht „unnötig politisieren“, meinte allen Ernstes der deutsche Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach - als ob es noch die Möglichkeit gäbe, diese Spiele nicht als politisch zu begreifen.

          Einfallslosigkeit der Politiker

          Das politische Personal in Deutschland einigte sich derweil vorläufig auf die Ansage „Boykott bringt nichts“. Das Publikum wartete allerdings vergeblich auf Vorschläge, die etwas bringen könnten. Zur Begründung hieß es meist, man dürfe das Problem nicht „auf dem Rücken der Sportler“ austragen, die sich jahrelang auf die Spiele vorbereitet hätten. Den Einwand, das Schicksal eines Volkes könnte schwerer wiegen als die geplatzten Medaillenhoffnungen einiger Turner, hörte man dagegen selten.

          Das Verquere an der Diskussion der vergangenen Tage besteht darin, dass Politiker das Schicksal der Sportler vorschieben, um ihre eigene Einfallslosigkeit zu bemänteln. Während man aber die Ratlosigkeit des Fachpersonals hinnimmt, werden ausgerechnet die Sportler ständig gefragt, ob sie beabsichtigen, während der Spiele in Peking politisch zu demonstrieren. Die Stabhochspringerin Anna Battke, die während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Valencia auffiel, weil sie sich die Worte „Stop Doping“ auf den nackten Bauch gemalt hatte, unterbreitete daraufhin den rührenden Vorschlag, man könne vielleicht als „Weltteam“ bei der Eröffnungsfeier einlaufen, ein Teil der Sportler als tibetische Mönche verkleidet, der andere Teil als chinesische Funktionäre. Dann sollten sich alle die Hände reichen.

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