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Wegen Ölpest : BP-Chef Tony Hayward vor dem Rücktritt

Ende Mai zeigte sich BP-Chef Tony Hayward im Golf von Mexiko nahe der Unglücksstelle Bild: REUTERS

Nach Medienberichten will der umstrittene Vorstandschef von BP, Tony Hayward, am Montag seinen Rücktritt erklären. Angeblich laufen bereits Verhandlungen über seine Abfindung. Sein Nachfolger scheint schon auserkoren.

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          Tony Hayward, der Vorstandschef des britischen Energiekonzerns BP, steht wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kurz vor dem Rücktritt. Britische Medien berichteten am Sonntag, das Unternehmen führe mit Hayward Gespräche über dessen Ausscheiden. BP wollte am Sonntag den bevorstehenden Führungswechsel nicht bestätigen. Anders als noch vor wenigen Tagen dementierte der Konzern die Medienberichte über den Rücktritt Haywards aber nicht mehr. „Wir kommentieren diese Spekulationen nicht“, sagte ein BP-Sprecher lediglich.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Verwaltungsrat von BP soll an diesem Montag über die Ablösung Haywards beraten. Sensibel ist dabei nicht zuletzt die Frage, ob das Unternehmen Hayward mit einem „goldenen Handschlag“ verabschiedet. Medienberichten zufolge kann der Manager, der seit 28 Jahren für BP arbeitet und den Konzern seit 3 Jahren führt, mit einer millionenschweren Abfindung rechnen. Dies dürfte jedoch in der Öffentlichkeit zu empörten Reaktionen führen. Verwaltungsratschef ist seit Januar der Schwede Carl-Henric Svanberg, der selbst in der Kritik steht. Großaktionäre werfen ihm vor, sich selbst zu wenig in das Krisenmanagement nach der Explosion einer Bohrplattform vor drei Monaten eingeschaltet zu haben. Der Unfall hat die größte Ölkatastrophe der Geschichte der Vereinigten Staaten verursacht.

          Hayward vor allem in Amerika Zielscheibe der Kritik

          Als Favorit für die Nachfolge des BP-Chefs gilt der Amerikaner Bob Dudley, der bisher das Geschäft von BP in den Vereinigten Staaten leitet. Auch Iain Conn, der für das Raffinerie- und Tankstellengeschäft verantwortlich ist, werden Chancen eingeräumt. Der neue BP-Chef muss das größte britische Unternehmen aus seiner schwersten Krise führen. Am Dienstag wird BP seine Quartalszahlen veröffentlichen und dabei erstmals selbst Kostenschätzungen für die Ölpest nennen. Analysten erwarten, dass BP mit rund 13 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsverlust in der Unternehmensgeschichte erlitten hat. Für das erste Quartal hatte der Konzern noch einen Nettogewinn von 6,1 Milliarden Dollar ausgewiesen

          Bob Dudley, derzeit Krisenmanager bei BP, könnte Haywards Nachfolger werden

          Hayward ist in den vergangenen drei Monaten vor allem in Amerika immer stärker zur Zielscheibe der Kritik geworden. Präsident Barack Obama hatte BP schon im Mai öffentlich nahegelegt, den Spitzenmanager zu entlassen. In Interviews hatte der BP-Chef zuvor mehrfach versucht, die Umweltkatastrophe herunterzuspielen. Der Ölmanager hatte unter anderem darauf hingewiesen, dass der Golf von Mexiko „ein sehr großer Ozean“ sei und das ausgetretene Öl deshalb stark verdünnt werde. In anderen Interviews hatte er prognostiziert, die ökologischen Auswirkungen der Ölpest seien wahrscheinlich „sehr, sehr beschränkt“. Zudem hatte er über seine große Arbeitsbelastung geklagt. In einer Anhörung im amerikanischen Kongress im Juni erweckte Hayward den Eindruck, er versuche Fragen nach den Unfallursachen abzublocken. Weiter in die Negativschlagzeilen geriet das Unternehmen in den letzten Tagen, als bekanntwurde, dass Fotos aus dem BP-Krisenzentrum im texanischen Houston manipuliert worden sind, um mehr Geschäftigkeit vorzugaukeln.

          Alarmsystem soll abgeschaltet gewesen sein

          Inzwischen gibt es immer mehr Hinweise auf Schlampereien und Versäumnisse vor dem Unfall, der im April die Ölkatastrophe auslöste. Ende vergangener Woche hatte ein Arbeiter vor einem Untersuchungsausschuss in New Orleans ausgesagt, auf der Bohrplattform „Deepwater Horizon“, auf der sich das Unglück ereignet hat, sei das Alarmsystem ausgeschaltet gewesen. Dies sei geschehen, um die Besatzung nicht mit nächtlichen Fehlalarmen im Schlaf zu stören. BP war als Hauptgesellschafter federführend bei dem Bohrprojekt in der Tiefsee. Betreiber der „Deepwater Horizon“ war im Auftrag von BP der Industriedienstleister Transocean.

          Trotz der vielfältigen Kritik kündigte BP am Wochenende an, in den nächsten Wochen vor der libyschen Küste im Mittelmeer mit einer neuen Tiefsee-Bohrung zu beginnen. Amerikanische Politiker kritisieren die Briten seit Wochen heftig wegen des Projekts. Sie werfen BP vor, das Unternehmen habe Lobbyarbeit für die Freilassung eines in Schottland einsitzenden libyschen „Lockerbie“-Terroristen aus Libyen betrieben, um den Zuschlag für das Milliardengeschäft in dem nordafrikanischen Land zu bekommen. Die britische Regierung und BP weisen diese Darstellung zurück.

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