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Ölpest : Leck im Golf dicht - Brasilien bohrt in Tiefsee

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Der Glaube ans Öl ist ungebrochen: Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva Bild: AFP

Drei Monate nach der Explosion der „Deepwater Horizon“ strömt endlich kein Öl mehr aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko. Während der WWF ein generelles Stopp in sensiblen Gebieten fordert, beginnt Brasilien gerade erst mit Tiefsee-Bohrungen.

          Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ist der britische Energiekonzern BP einen bedeutenden Schritt vorangekommen. Experten gelang es am Donnerstag (Ortszeit), alle Ventile eines Auffangzylinders zu schließen. Erstmals seit der Katastrophe Ende April fließe kein Öl mehr ins Meer, sagte BP-Manager Kent Wells am Donnerstag. Allerdings warnte er zugleich vor überzogenen Erwartungen. Zunächst bleibe das Leck in 1500 Meter Tiefe lediglich zu Testzwecken geschlossen. Der amerikanische Präsident Barack Obama sprach von einem positiven Signal.

          In den nächsten sechs bis 48 Stunden wird nun gemessen, ob die 40 Tonnen schwere Abdichtung dem Druck des herausströmenden Öls standhält. Dazu wurden Ventile an der Anlage geschlossen. Bei den Tests soll geklärt werden, ob das Steigrohr in der Tiefe bei einer Schließung des Lecks dem Druck standhält oder ob es Lecks gibt. Die vermutlich einzig sichere Methode, die Ölquelle dauerhaft zu versiegeln, liegt wohl in Entlastungsbohrungen, an denen parallel gearbeitet wird. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

          Brasilien beginnt mit der Ausbeutung von Ölvorkommen

          Unterdessen hat Brasiliens staatlicher Ölkonzern Petrobrasam Donnerstag vor der Atlantikküste des südamerikanischen Landes mit der Ausbeutung von Ölvorkommen in großer Meerestiefe begonnen. Aus einem knapp 5000 Meter tief liegenden Ölfeld vor der Küste des Bundesstaates Espírito Santo sollen zunächst 13.000 Barrel Öl pro Tag gefördert werden, wie Petrobras mitteilte. Bis Ende 2010 würden mehrere Bohrlöcher mit einer Plattform verbunden und die Förderung dann bei bis zu 100.000 Barrel am Tag liegen. Vor der Küste Brasiliens wurden in den vergangenen Jahren riesige Ölvorkommen entdeckt, die aber in erheblicher Tiefe von einigen tausend Metern und unter einen dicken Salzschicht liegen. Die Förderung gilt als teuer. Die Regierung verspricht sich Milliarden-Einnahmen.

          Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva betonte anlässlich des Förderbeginns: „Es ist logisch, wenn das Öl Brasilien gehört, wollen wir auch, dass 190 Millionen Brasilianer vom Ölgeld profitieren.“ Er verteidigte die Investitionen in die Erforschung und Förderung der Vorkommen und kritisierte zugleich den Umgang mit der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko. „Was dort passiert ist, war kein Unfall, sondern ein Desaster.“ Es habe Geld gespart werden sollen und deswegen sei weniger Sicherheitstechnik als notwendig installiert worden. „Wir haben Technologie, und so Gott will, werden wir es nicht erlauben, dass so etwas hier passiert“, sagte Lula einige Stunden bevor der BP-Konzern meldete, dass das Ölleck im Golf von Mexiko habe abgedichtet werden können.

          WWF fordert Stopp der Offshore-Förderungen in sensiblen Gebieten

          Der Untergang der von BP betriebenen Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April, bei der elf Menschen ums Leben kamen, hat die größte Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte ausgelöst. Bisher verschmutzen Tag für Tag bis zu 8200 Tonnen Rohöl das Meer, weite Teile der amerikanischen Golfküste sind verseucht. Die Ölpest bedroht Flora und Fauna sowie wichtige Wirtschaftszweige wie Tourismus und Fischerei entlang der amerikanischen Golfküste.

          Die eigentliche Aufräumarbeit beginnt erst jetzt. „Es wird mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Natur einigermaßen von diesem Unfall erholt hat“, prognostiziert Hans Ulrich Rösner vom World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland. Er bemängelt, dass noch immer nicht die notwendigen Konsequenzen aus dem Unfall gezogen worden seien. Der WWF fordert ein globales Kontrollorgan für Ölbohrungen auf hoher See und einen Stopp in allen sensiblen Gebieten. Die Ölkatastrophe im Golf vom Mexiko beweise seit Monaten jeden Tag aus Neue, das Offshore-Förderungen selbst mit modernster Technik mit unkalkulierbarem Risiko verbunden seien. Um dieses Risiko zu minimieren, helfe letztlich nur ein möglichst zügiger Abschied vom Öl und die Förderung erneuerbarer Energien.

          Der Ölkonzern BP versucht, Geld in die Kasse zu bekommen

          BP hat wegen der Kosten für die Beseitigung der Schäden etwa die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Seit dem Untergang der Plattform hat der Konzern zahlreiche, letztlich erfolglose Versuche unternommen, das Öl einzudämmen. Wegen der kaum abschätzbaren Folgekosten ist BP mittlerweile dabei, Käufer für Unternehmensteile zu finden, um Geld in die Kasse zu bekommen.

          Wie CNBC berichtete, bemüht sich der Energiekonzern Apache unter anderem um größere Aktivitäten von BP in Alaska. Das Geschäft könnte BP zehn Milliarden Dollar bringen. BP weckte mit der Nachricht des abgedichteten Lecks auch an der Wall Street erstmals Hoffnungen auf ein Ende des Ölkatastrophe. Die in New York notierte Aktie des britischen Konzerns sprang nach dem Bericht um 7,6 Prozent in die Höhe.

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