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Ölpest : „Können endlich verkünden, dass die Quelle tot ist“

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Fast fünf Monate lang strömte Öl aus dem Bohrloch Bild: dpa

Fünf Monate nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko hat BP das lecke Bohrloch endgültig versiegelt. Nach einem letzten Drucktest erklärte der Koordinator der amerikanischen Regierung das Bohrloch offiziell für „tot“.

          Großes Aufatmen am Golf von Mexiko: Fünf Monate nach Beginn der wohl schwersten Ölpest der Geschichte ist die Ölquelle vor der amerikanischen Küste endgültig versiegelt. Experten des britischen BP-Konzerns gelang es, die Quelle mehrere Tausend Meter unter dem Meeresboden mit Zement abzudichten. „Wir können endlich verkünden, dass die Quelle Macondo 252 tatsächlich tot ist“, teilte der Sonderbeauftragte der amerikanischen Regierung, Admiral Thad Allen, am Sonntag mit.

          Sie „stellt für den Golf von Mexiko keine weitere Gefahr mehr dar“, meinte Allen. Allerdings mahnte er, die Säuberungsarbeiten seien noch lange nicht vorbei. Rund 900 Kilometer Küste gelten nach wie vor als verschmutzt. Insgesamt waren 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer geflossen - mehr als jemals zuvor bei einer Ölkatastrophe.

          Die Katastrophe begann mit der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April, bei der elf Arbeiter starben. Seit Mitte Juli trat allerdings kein weiteres Öl mehr aus, nachdem Experten das defekte Bohrloch am Meeresboden, rund 1500 Meter unter dem Meeresspiegel, abgedichtet hatten.

          Am 21. April war die Bohrinsel „Deepwater Horizon” explodiert

          Weite Teile der Golfküste wurden verseucht, zeitweise war in rund einem Drittel der amerikanischen Küstenregion der Fischfang verboten. Die Katastrophe brachte auch den verantwortlichen BP- Konzern teilweise an den Rand des Abgrundes.

          Die Operation „Bottom Kill“ rund 4000 Meter unter dem Meeresboden, die am Freitag gestartet war, galt als das „große Finale“, um die defekte Ölquelle rund 70 Kilometer vor der Küste Louisianas für immer zum Versiegen zu bringen. Zunächst mussten die Ingenieure warten, bis der Zement gehärtet war. Dann wurden diverse Drucktests durchgeführt. Für die Operation waren über Monate zwei Entlastungsbohrungen in die Tiefe des Meeresgrundes getrieben worden.

          Das Ausmaß der Katastrophe hatte an der Küste Schockwellen ausgelöst. Auch das ökologisch hochsensible Sumpf- und Marschland am Mississippi-Delta war vom Ölteppich betroffen. Auch den beliebten Stränden Floridas näherten sich Teerklumpen und ein Ölfilm.

          Zwei Tage nach der Explosion versank die Plattform am 22. April im Meer und die die Ölleitung am Meeresgrund riss ab. Mehrmals versuchten BP-Ingenieure vergeblich, mit Robotern Stahlkuppeln über dem Leck zu platzieren, um das Öl auf Schiffe abzupumpen. Vor allem wegen der großen Tiefe erwiesen sich die Arbeiten als überaus kompliziert. Erst Mitte Juli konnte der Ölfluss gestoppt werden: Ingenieure dichteten das Leck an der Steigleitung am Meeresboden ab.

          Die Ölpest dürfte als die weltweit schlimmste in die Geschichte eingehen: Beim bislang größten Bohrinsel-Unfall der „Ixtoc“ 1979 vor Lateinamerika gelangten etwa eine halbe Million Tonnen Rohöl ins Meer. Nach der Havarie des Tankers „Exxon Valdez“ 1989 vor der Küste Alaskas waren es 40 000 Tonnen, bei dem Unglück jetzt geschätzte 660 000 Tonnen.

          Säuberungen an der Küste gehen weiter

          Auch mit der Versiegelung sei der Fall noch lange nicht abgeschlossen, betonte Allen, bereits am Samstag. Über 25 000 Menschen, darunter viele freiwillige Helfer, seien mit Säuberungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt. Diese Arbeiten dürften noch weit in den Herbst andauern.

          Nach wie vor ist die genaue Ursache des Unglücks nicht bekannt. Die ermittelnden Behörden haben vor allem die Frage zu klären, warum ein Sicherheitsventil versagte, das ein Austreten des Öls hätte verhindern sollen. In Medien gab es immer Berichte über Schlamperei und schwere Versäumnisse auf der Bohrinsel.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte von Beginn an klargestellt, dass BP die Verantwortung trägt. BP versprach, für Schäden aufzukommen und will dafür 20 Milliarden Dollar (15,3 Milliarden Euro) zur Verfügung stellen. Allerdings wurde auch Obama zeitweise in der Strudel der Krise gerissen: Kritiker bemängelten, er sei hilflos und handele nicht entschlossen genug. Außerdem gab es Berichte über Behördenfilz, die Aufsicht über die Bohrgenehmigungen hätten viel zu enge Beziehungen zur mächtigen Ölindustrie gepflegt.

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