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Ölpest im Golf von Mexiko : Regierung ermittelt gegen BP

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Bisher sind alle Versuche, die Ölkatastrophe einzudämmen, erfolglos geblieben Bild: Reuters

Die amerikanischen Bundesbehörden haben strafrechtliche Ermittlungen wegen der Ölpest im Golf von Mexiko eingeleitet. Geprüft wird nicht nur das Vorgehen des Ölkonzerns BP, sondern aller beteiligten Unternehmen. Unterdessen startet BP einen neuen Versuch zur Eindämmung der Umweltkatastrophe.

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          Die amerikanische Regierung leitet zivil- und strafrechtliche Ermittlungen gegen den Energiekonzern BP wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ein. Die Regierung habe mit entsprechenden Ermittlungen begonnen, zu denen sie per Gesetz verpflichtet sei, sagte amerikanische Justizminister Eric Holder am Dienstag nach einem Treffen mit den zuständigen Staatsanwälten. „Unsere Umweltgesetze sind sehr eindeutig“, Bundesbehörden wie das FBI nähmen an der Untersuchung teil. Die Staatsanwälte hätten eine „ausreichende Basis“, um eine strafrechtliche Ermittlung einzuleiten.

          Die Vereinigten Staaten wollten dabei äußerst akribisch vorgehen. „Wir werde nicht eher ruhen, bis wir Gerechtigkeit haben“, sagte Holder. Die Handlungen aller Beteiligten würden genau geprüft, und bei Hinweisen auf vorschriftswidriges Verhalten werde eine sehr energische Antwort folgen, sagte der Justizminister weiter. Experten zufolge waren die strafrechtlichen Ermittlungen gegen BP nur noch eine Frage der Zeit. Dabei könnte es nicht nur BP an den Kragen gehen. So betrieb Transocean die Bohrplattform „Deepwater Horizon“, deren Explosion die Katastrophe vor einigen Wochen ausgelöst hatte. Halliburton war für Zementarbeiten an dem Bohrloch verantwortlich. Cameron International lieferte die Vorrichtung, die ein unkontrolliertes Austreten von Öl und Gas eigentlich hätte verhindern sollen.

          U-Boote sollen Rohr mit Ventil abdichten

          Der Ölkonzern BP startet an diesem Mittwoch einen neuen Versuch zur Eindämmung der Umweltkatastrophe. Angesichts der am Dienstag begonnenen Hurrikan-Saison schätzen Experten die Erfolgsaussichten allerdings als gering ein. Unterseebote sollen laut BP das Steigrohr absägen und ein Ventil aufsetzen, so dass das austretende Öl zum größten Teil kontrolliert an die Oberfläche gebracht werden kann.

          Ein Satellitenbild zeigt den Ölteppich im Golf von Mexiko

          Nach Angaben der amerikanischen Regierung hat BP verschwiegen, mit welchen Risiken der neue Versuch verbunden ist. Ein Berater des Weißen Hauses hatte am Wochenende erklärt, durch das Absägen des beschädigten Steigrohrs könnten zunächst rund 20 Prozent mehr Öl austreten als zuvor. BP erklärte, man rechne nicht mit einer signifikanten Zunahme. Bei der Äußerung des Konzerns sei ihm nicht wohl, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs am Dienstag. Auf die Frage, ob das Weiße Haus BP misstraue, antwortete Gibbs nicht direkt.

          Ölteppich erreicht Mississippi

          Unterdessen erreichten Ausläufer des Ölteppichs erstmals auch den Staat Mississippi. Wie Gouverneur Haley Barbour am Dienstag mitteilte, wurde auf der vorgelagerten Insel Petit Bois ein 3,2 Kilometer langer und ein Meter breiter Ölstreifen entdeckt. Zuvor waren bereits die Staaten Louisiana und Alabama von der Ölpest erfasst worden.

          Auf BP kommt möglicherweise Schadenersatz in Milliardenhöhe wegen der Ölpest zu. Schon aktuell summieren sich die Kosten für den Konzern nach Angaben vom Dienstag auf knapp eine Milliarde Dollar. Vor rund sechs Wochen war die Bohrplattform im Golf von Mexiko gesunken. Seitdem strömen aus einem defekten Bohrloch jeden Tag hunderttausende Liter Öl ins Meer. BP ist es bislang nicht gelungen, das Leck abzudichten. Die Vereinigten Staaten stehen nach Einschätzung von Fachleuten vor der größten Umweltkatastrophe ihrer Geschichte. Alle Versuche, das offene Bohrloch unter Wasser zu schließen, blieben bislang erfolglos.

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