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Ölpest im Golf von Mexiko : Obama: „Ich habe mich geirrt“

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Der Beschuss des Lecks mit Schlamm ist auf diesem Videobild zu sehen Bild: REUTERS

Trotz zunächst gegenteiliger Behauptungen der Küstenwache sprudelt zur Stunde wohl immer noch Öl aus dem Leck im Golf von Mexiko. Erst am Wochenende wird sich herausstellen, ob die Operation „Top Kill“ erfolgreich war. Präsident Obama gestand unterdessen ein, zu gutgläubig gewesen zu sein.

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          Angesichts der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko hat der amerikanische Präsident Barack Obama eingestanden, zu gutgläubig gegenüber der Ölindustrie gewesen zu sein. „Es war ein Fehler von mir zu glauben, die Ölkonzerne wüssten, was im Fall der Fälle zu tun sei“, sagte der Präsident am Donnerstag im Weißen Haus. „Ich habe mich geirrt.“ An diesem Freitag reist er abermals in die Krisenregion.

          Dort besteht nach gut fünf Wochen endlich Hoffnung: Das Verstopfen der sprudelnden Quelle im Golf on Mexiko verlief am Donnerstag nach Plan. Der massive Beschuss des Bohrlochs mit riesigen Schlamm-Mengen konnte das Öl nach Angaben der amerikanischen Küstenwache schon zeitweise stoppen. Eine Erfolgsmeldung sei das aber noch nicht, sagte der Einsatzleiter der Regierung, Admiral Thad Allen. Der Einsatz dauere wie vorgesehen an.

          Mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt

          Zunächst hatte Allen bekanntgegeben, das Leck sei bereits dauerhaft verschlossen. Das erwies sich inzwischen als voreilig. Man benötige bis zu zwei Tage, um zu wissen, ob die Operation erfolgreich gewesen sei, sagte ein BP-Sprecher am Donnerstagabend.

          Ein Aal in der Nähe des Bohrlochs

          Bei dem „Top Kill“ genannten Verfahren werden pro Minute tausende Liter Schlamm durch das Sicherheitsventil („Blowout Preventer“), das auf dem Bohrloch sitzt, dem Ölstrom entgegen gepumpt. Der Austritt von Öl und Gas war dadurch am Donnerstag lediglich für kurze Zeit unterbrochen worden. Ist die Aktion dauerhaft erfolgreich, soll die Quelle noch mit Zement versiegelt werden.

          Fachleute der Regierung sprechen derweil von der schlimmsten Ölpest, die es je in den Vereinigten Staaten gegeben hat. Sie korrigierten die Schätzungen über die Menge des sprudelnden Öls im Golf von Mexiko dramatisch nach oben: Seit Beginn es Öl-Dramas am 20. April seien insgesamt mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Damit hätte die Ölpest - gemessen an der Menge - die von 1989 übertroffen. Damals war der Tanker Exxon Valdez vor der Küste Alaskas verunglückt und es waren schätzungsweise rund 35.000 Tonnen Öl ausgetreten.

          Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass täglich zwischen etwa 1600 und 3400 Tonnen Rohöl ins Meer strömen, sagte die Direktorin der Geologiebehörde USGS, Marcia McNutt. Bislang war offiziell eine Menge von rund 700 Tonnen genannt worden. Zahlreiche Fachleute hatten diese Angabe jedoch angezweifelt. McNutt betonte, auch die jüngsten Schätzungen seien nur vorläufig. Man betrachte „eine höchst dynamische, komplexe Lage“.

          Eine härtere Gangart gegen die Ölindustrie

          Als Konsequenz aus der Ölkatastrophe kündigte Obama eine härtere Gangart gegen die Ölindustrie an. „Diese Ölpest hat gezeigt, wie sehr Reformen nötig sind“, sagte er am Donnerstag in Washington. Es werde für die Firmen künftig wesentlich schwerer sein, Genehmigungen für Bohrungen in tiefen Küstengewässern zu erhalten. Außerdem würden die Sicherheitsanforderungen verschärft. Der Präsident sagte, er wolle die „behagliche und manchmal korrupte Beziehung“ zwischen den Behörden und der Ölindustrie beenden.

          Als Sofortmaßnahme verlängerte die Regierung das Moratorium über neue Bohrungen im Meer, das nach dem Unglück verhängt wurde, um sechs Monate. Zudem setzte sie zwei geplante Probebohrungen vor Alaska aus und stoppte Verpachtungen im Golf vom Mexiko und vor der Küste des Bundesstaates Virginia. Mehr als 30 laufende Bohrungen im Golf werden auf Eis gelegt.

          Nach den Worten von Konteradmiral Mary Landry von der amerikanischen Küstenwache sind mittlerweile 160 Kilometer Küste verdreckt - es seien Strände wie auch Marschland. In einigen Fällen handele es sich um schweres Öl, in anderen lediglich um einen Film.

          Erfolgsaussichten von 60 bis 70 Prozent

          Der Konzern BP hatte am Mittwochabend begonnen, große Schlammmassen in das Bohrloch zu pumpen. Das Ölunternehmen hatte die Erfolgsaussicht bei 60 bis 70 Prozent gesehen.

          Kurzfristig könnte BP auch einen 1,50 Meter hohen Zylinder aus Stahl über das Leck stülpen, der das Öl auffangen soll, sagte Vizepräsident Kent Wells. Über ein Rohr an der Vorrichtung könnte ein Öl-Wasser-Gemisch nach oben in ein Schiff gepumpt werden. Vor drei Wochen aber war das Ölunternehmen mit einem ähnlichen Versuch gescheitert, weil Kristalle die Leitung verstopften. Allerdings kam damals eine wesentlich größere, 13 Meter hohe Kuppel zum Einsatz.

          Der Einsatz gegen die Ölpest kostete BP nach offiziellen Angaben bislang 750 Millionen Dollar (etwa 615 Millionen Euro). Die Regierung habe bisher 100 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) ausgeben müssen, die sie allerdings von dem Ölkonzern zurückerhalte.

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