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Ölpest im Golf von Mexiko : Der Albtraum aus der Tiefsee

Endlich vor Ort: Präsident Obama am Strand von Fourchon in Louisiana, wo bereits Öl angeschwemmt wird Bild: REUTERS

Amerika und BP waren auf die Ölpest nicht vorbereitet. Die Katastrophe bringt Barack Obama unter Druck und erschüttert eines der größten Unternehmen der Welt in seinen Grundfesten.

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          Wochenlang war das Ölunglück im Golf von Mexiko fast virtueller Natur. Der ausfransende Ölteppich breitete sich aus und lieferte schrecklich-schön anzusehende Luftbilder rostigfarbigen Öls in stahlblauem Wasser. Richtig zu begreifen war die Katastrophe nicht. Erst jetzt, nachdem das Öl an die Strände und in die Marschen von Louisiana gespült wird, nachdem Menschen in Schutzanzügen öligen Sand wegschaufeln und ölverschmierte Vögel die gewohnten Schreckensbilder liefern, gewinnt die öffentliche Erregung spürbar an Wucht. Mit jedem Liter Öl, der aus dem Bohrloch strömt, steigt die Wut. „Verstopft das verdammte Loch!“, zürnte Präsident Barack Obama. Doch das könnte noch dauern. Nach den Angaben von BP lässt sich erst am Wochenende einschätzen, ob der gegenwärtige Versuch Erfolg hat, das Loch mit Schlamm zuzuspritzen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach der jüngsten Regierungsschätzung sind im Golf von Mexiko womöglich schon 85 Millionen Liter Öl ausgelaufen, das ist mehr als das Doppelte als beim Exxon-Valdez-Unglück 1989 vor Alaska. Nach anderen Szenarien sind es sogar schon mehr als 300 Millionen Liter. Genaues weiß niemand. Viele Fischer in Louisiana und Mississippi stehen vor jahrelangen Verdienstausfällen, mehr als 20 Prozent der föderalen Hoheitsgewässer im Golf sind für den Fischfang gesperrt. Die Hoteliers an den Stränden in Alabama und Florida ringen, dass die Kunden nicht absagen. Die Folgen für die Umwelt sind nicht absehbar. Nur für einen kurzen Moment kehrte in die öffentliche Aufregung jetzt Stille ein. In einer Trauerfeier in Jackson, Mississippi, wurde der 11 Arbeiter gedacht, die am 20. April bei der Explosion auf der von British Petroleum (BP) geleasten Ölplattform Deepwater Horizon ums Leben kamen.

          Obama fürchtet als Versager dazustehen

          Mit aller Macht versucht die Regierung, als Herr des Geschehens zu erscheinen. Obama kommandiert seine Minister an den Golf ab; am Freitag reiste er selbst zum zweiten Mal an die Südküste. Im Kongress jagt eine Anhörung die nächste. Obama fürchtet, wie sein Vorgänger George W. Bush nach dem Hurrikan „Katrina“ als Versager dazustehen. Bush war 2005 vorgeworfen worden, zu spät reagiert zu haben. Im November steht eine Kongresswahl an. Nicht nur deshalb kommt dem Präsidenten das Ölunglück sehr ungelegen. Erst wenige Wochen vor der Explosion auf der Deepwater Horizon hatte er ein Moratorium für neue Ölbohrungen vor der Küste teilweise aufgehoben. Jetzt hat Obama neue Ölbohrungen in der Tiefsee und Erforschungsbohrungen vorerst gestoppt.

          In der Nähe der gesunkenen Plattform Deepwater Horizon werden kleinere Ölteppiche kontrolliert abgefackelt

          Trotz aller medienwirksamen Aktivität aber ist die Regierung machtlos. Innenminister Ken Salazar drückt zwar in seinen Worten BP „den Stiefel in den Nacken“. Doch als er drohte, man werde das Unternehmen notfalls „beiseite schieben“, damit die Regierung das Bohrloch schließen könne, musste er klein beigeben. Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der Chef der Rettungsmission, widersprach Salazar im Weißen Haus: „BP aus dem Weg schieben würde die Frage aufwerfen: Wer soll sie ersetzen?“ Frustriert erkennt die Regierung, dass sie weder die Kapazitäten noch die Fähigkeiten hat, ein Ölloch tief am Meeresgrund zu schließen. Dazu bedarf es der Expertise und Möglichkeiten von BP und anderer Unternehmen. Für den „Yes, we can“-Präsidenten Obama gilt in Sachen Öl: „No, we can’t“.

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