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Ölpest im Golf von Mexiko : Der Albtraum aus der Tiefsee

Für Konzernchef Hayward waren die vergangenen Wochen wie ein Albtraum. Bis zur Explosion auf der Deepwater Horizon hatte ihn die Börse hofiert. Der 53 Jahre alte Engländer galt als einer der erfolgreichsten britischen Manager. Jetzt ist er ein Gejagter, rastlos unterwegs gibt er serienweise Interviews im amerikanischen Fernsehen. Hayward kämpft an der PR-Front gegen die Ölflut und um seinen Posten. Den richtigen Ton trifft er nicht immer. „Geringfügig“ seien die zu erwartenden Umweltschäden, prophezeite Hayward kürzlich und löste einen Sturm der Entrüstung aus. Diese Woche stärkte ihm sein Verwaltungsratsvorsitzender Carl-Henric Svanberg den Rücken. „Ausgezeichnete Arbeit“ leiste der Krisenmanager, lobte der Schwede. Es war das erste Mal seit dem Unglück, dass Svanberg an die Öffentlichkeit ging – ein Zeichen dafür, dass der BP-Chef den Rückhalt immer nötiger hat.

Dass Hayward im Amt bleibt, ist schwer vorstellbar. Solange das Öl weiter fließt, wird er gebraucht, als Krisenmanager und als Prügelknabe. Danach wird bei BP jemand persönlich die Verantwortung für das Desaster übernehmen müssen, auch, um einen Neubeginn im wichtigen Ölförderland Vereinigten Staaten gegenüber Politik und Öffentlichkeit glaubhaft zu signalisieren. Der erste Kandidat dafür ist der allgegenwärtige Konzernchef, das Gesicht dieser Umweltkatastrophe.

Kämpft BP wirklich ums Überleben?

Welche Fehler zu der Explosion auf Deepwater Horizon führten, ist endgültig noch nicht geklärt. Warnzeichen wurden übersehen und vielleicht unter Zeitdruck Tests nicht durchgeführt. Vor dem Kongress schoben BP und die beteiligten Dienstleister Transocean und Halliburton sich gegenseitig die Schuld zu. Das hat das Vertrauen in die Ölwirtschaft nicht gestärkt. Der Druck des Finanzmarkts auf BP wächst. Seit der Explosion vor fast sechs Wochen fiel der Aktienkurs um gut ein Viertel. Rund 30 Milliarden Pfund Börsenwert wurden ausradiert. Analysten sprechen von einem panikartigen Ausverkauf. Sie schätzen die zu erwartenden Kosten für BP erheblich niedriger ein. Ist die Ölflut erst einmal gestoppt, wird der Kurs sich zumindest teilweise erholen. Dennoch erzittert der Ölriese in seinen Fundamenten. BP stecke in einer „existentiellen Krise“, sagte Salazar vor einer Woche und beschleunigte so den Kursrutsch. Kämpft BP wirklich ums Überleben? Die Zahlen sprechen nicht dafür. Trotz Weltwirtschaftskrise und zeitweise rapide gefallenen Energiepreisen wies BP für 2009 einen Nettogewinn von 14 Milliarden Dollar aus. In den ersten drei Monaten dieses Jahres verdiente das Unternehmen 6 Milliarden Dollar. Bisher kostete das Unglück den Konzern aber nur einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag.

Und der Imageschaden? Werden die Autofahrer die Zapfsäulen von BP, Aral und Castrol, den Tankstellen des Konzerns, boykottieren? Wird das Unternehmen bei der Vergabe neuer Förderlizenzen öfter leer ausgehen? Wie viel Geld wird die Marketing- und Lobby-Streitmacht von BP ausgeben müssen, um das Desaster vergessen zu machen? Verwaltungsratschef Svanberg hat eine so zynisch klingende wie schonungslose Antwort: „Die Öffentlichkeit hat ein kurzes Gedächtnis – vor allem in den Vereinigten Staaten.“

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