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Ölpest im Golf von Mexiko : Der Albtraum aus der Tiefsee

Ein fataler Irrtum

Sechs Wochen nach der Explosion realisiert Amerika, dass es mutig in der Tiefsee Öl förderte, ohne auf die Risiken vorbereitet zu sein. Das gilt für Staat und Ölunternehmen gleichermaßen. Der BP-Vorstandsvorsitzende Tony Hayward hatte seinen Posten 2007 angetreten, kurz nachdem zwei schwere Betriebsunfälle in den Vereinigten Staaten das Unternehmen erschüttert hatten. Hayward gelobte Besserung und erklärte die Sicherheit zur obersten Priorität. Heute flüchtet er sich in den Konjunktiv: „Unsere Industrie ging davon aus, dass wir über die Jahre gelernt hätten, diese Risiken zu beherrschen.“ Ein fataler Irrtum. Zwar hatte BP den leichtgläubigen Aufsehern versichert, für den Ernstfall in den Tiefen des Golfs gerüstet zu ein. Doch die Schließung des Bohrlochs verzögert sich, weil die üblichen Methoden gut 1,5 Kilometer unter dem Wasserspiegel noch nie erprobt wurden.

Ins Zwielicht geraten ist die Rohstoffaufsicht Minerals Management Service (MMS), die Ölbohrungen genehmigt und überwacht. Fast täglich werden Einzelheiten über das in Obamas Worten „kuschelige Verhältnis“ der Behörde zur Ölwirtschaft aufgedeckt. Nach einer Untersuchung des Innenministeriums für die Jahre 2005 bis 2007 haben manche Aufseher den Ölunternehmen erlaubt, Prüfungsformulare selbst mit Bleistift auszufüllen, bevor der Kontrolleur dann mit Kugelschreiber die Wörter nachschrieb. Inspektoren akzeptierten Mahlzeiten, Geschenke und Einladungen von mindestens einem Ölunternehmen. Umweltprüfungen wurden lasch gehandhabt, weil in der Behörde das Interesse, neue Bohrungen zu genehmigen und Einnahmen zu generieren, ökologische Bedenken überwog. Die Regierung will mit einer Dreiteilung der Agentur die Interessenkonflikte beseitigen.

Scharfe Vorwürfe der Regierung

Als sichtbares Zeichen der Unzufriedenheit mit der Agentur trat am Donnerstag die Chefin, Liz Birnbaum, zurück. Obama, der wie viele Politiker als Senator Spenden der Ölwirtschaft erhalten hatte, gab zu, dass seine noch junge Regierung in der Behörde nicht schnell genug aufgeräumt habe. Politisch ist Obama damit noch nicht aus dem Schneider. Bedrohlich sind die Nachrichten, dass auch nach dem schon vor Wochen verhängten Genehmigungsstopp vor der Küste Bohrgenehmigungen erteilt wurden.

Die scharfen Vorwürfe der Regierung an BP dienen auch dazu, vom politischen Versagen abzulenken. Schon direkt nach dem Unglück und zigfach danach hat das Unternehmen erklärt, es werde alle Kosten des Ölunglücks tragen. Trotzdem forderten Innenminister Salazar und die Heimatschutzministerin Janet Napolitano den Konzern öffentlich auf, sich endlich klar zur Übernahme aller Kosten zu bekennen. Im Stakkato wiederholen Obama und seine Minister die Drohung, man werde BP nicht aus der Verantwortung entlassen. Zu manchen Entscheidungen hat die Regierung BP drängen müssen, etwa zur Live-Übertragung des vorerst gestoppten „Top Kill“-Versuchs, das Bohrloch zu stopfen.

„Ausgezeichnete Arbeit“

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