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Ölpest im Golf von Mexiko : BP verschiebt Belastungstests an der Ölquelle

  • -Aktualisiert am

Täglich fließen aus dem Bohrloch bis zu 9,5 Millionen Liter Öl ins Meer Bild: dpa

Im Golf von Mexiko gibt es weiter keine Erfolgsmeldung. Bevor die neue Absaugglocke über dem Bohrloch die Arbeit aufnehmen kann, sind weitere Belastungstests nötig. Auch der Supertanker „A Whale“ konnte noch nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

          Die Hoffnungen der vergangenen Tage, das Ausströmen des Öls aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko durch eine neuartige Absaugglocke stoppen zu können, sind jäh gedämpft worden. Nach Beratungen zwischen der amerikanischen Regierung und dem Ölkonzern British Petroleum (BP) mussten die geplanten Druckkontrollen am Mittwoch verschoben werden, da die vorbereitenden Belastungstests noch nicht ausreichten. Erst am Montag hatten Roboter in 1500 Metern Tiefe die neue Absaugglocke auf das Bohrloch montiert, aus dem seit dem Sinken der Plattform „Deepwater Horizon“ vor fast drei Monaten täglich bis zu 9,5 Millionen Liter Öl austreten.

          Der Konzern BP ging davon aus, durch die Haube und die Verbindungsrohre zu vier Spezialtankern das bislang unkontrolliert ausströmende Rohöl auffangen zu können und dadurch ein Ausbreiten des etwa 210.000 Quadratkilometer großen Ölteppichs im Golf von Mexiko zu verhindern. Wissenschaftler hatten gleichzeitig davor gewarnt, dass die fast 80.000 Kilogramm schwere Kappe das Gehäuse des ohnehin defekten Bohrlochs weiter beschädigen könnte. Zudem befürchteten sie, dass nach dem Verschließen der Ventile in der neu installierten Absaugglocke weitere Lecks an anderer Stelle entstehen könnten.

          Vierte Rechnung aus Washington

          Wie der amerikanische Fernsehsender CBS berichtete, fertigten Fachleute in den Tagen vor dem unerwarteten Ende der geplante Testreihe schon eine Karte des Meeresbodens an, auf der potentielle Gefahrenquellen wie Gasvorkommen eingezeichnet wurden. Da das Gebiet in der Nähe des Bohrlochs als instabil gilt, soll die Karte eventuelle Veränderungen des Meeresbodens erkennbar machen, die unter Umständen durch die Druckkontrollen verursacht werden. Wann die Proben an der sechs Meter hohen Absaugglocke nach ihrem plötzlichen Ende fortgesetzt werden, blieb vorerst ungeklärt.

          Während BP unterdessen weiter versucht, die Umweltkatastrophe einzudämmen, ging dem Unternehmen am Dienstag die vierte Rechnung aus Washington zu. Die amerikanische Regierung verlangt von BP und den anderen Beteiligten weitere 99,7 Millionen Dollar. In den vergangenen Woche mussten der Ölkonzern und andere Verantwortliche schon insgesamt 122,3 Millionen Dollar zahlen, die für den Küstenschutz sowie für Entschädigungen der durch die Öl-Pest betroffene Personen und Gemeinden bereitgestellt wurden.

          Supertanker „A Whale“

          Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko will man unter anderem auch mit dem Tanker „A Whale“ in den Griff bekommen. Seit vergangener Woche ist der umgebaute Tank-Schüttgutfrachter im ölverseuchten Gebiet unterwegs, um seine Tauglichkeit zu beweisen. Erste Tests waren wegen schlechten Wetters und ungenügender Dickflüssigkeit des Öls fehlgeschlagen. Die amerikanische Küstenwache hat dem Schiff nun bis zu diesem Donnerstag Zeit gegeben, seine Leistungen unter Beweis zu stellen. Erst dann würde BP das Schiff mieten. 80 Millionen Liter Wasser verspricht „A Whale“ täglich aufsaugen zu können, um es von dem klebrigen Ölfilm zu befreien.

          Dabei arbeitet das Schiff, das so lang ist wie drei Fußballfelder, tatsächlich ähnlich wie ein Bartenwal, der seine Nahrung fängt, in dem er große Mengen Wasser in sein Maul aufnimmt und durch die Barten wieder ausstößt. Die Barten wirken dabei wie ein Filter, in dem kleine Meerestiere hängen bleiben. „A Whale“ saugt das verschmutzte Wasser durch zwölf Öffnungen auf beiden Seiten des Schiffs ein. Im Innern wird das Öl abgeschöpft, und in den Tanks des zehn Stockwerk hohen Schiffs gelagert, das Wasser wird wieder ins Meer zurückgelassen. In den vergangenen drei Tagen gelang es „A Whale“ 24 Millionen Liter ölverseuchtes Wasser aufzunehmen.

          Ein Sprecher der taiwanesischen Reederei TMT sagte, je näher das Schiff den stark betroffenen Zonen komme, desto effektiver könne es arbeiten. Schätzungen zufolge konnte bisher nur jeweils ein Viertel der täglich auslaufenden Ölmenge abgepumpt werden. Mit dem Einsatz von „A Whale“ verspricht man sich, den Anteil zu erhöhen. (nbel.)

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