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Ölpest im Golf von Mexiko : BP verschiebt Belastungstests

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Der britische Ölkonzern BP hat einen weiteren Versuch verschoben, die lecke Ölquelle im Golf von Mexiko zu schließen. Unterdessen hat die amerikanische Regierung abermals ein Verbot für Ölbohrungen vor der Küste erlassen.

          Der britische Ölkonzern BP hat die mit Spannung erwarteten Belastungstests der neu installierten Absaugkappe über dem lecken Bohrloch im Golf von Mexiko um einen Tag verschoben. Zunächst seien weitere Analysen notwendig, sagte der vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama eingesetzte Krisenkoordinator Thad Allen am Dienstag (Ortszeit). Die drei Ventile des 75 Tonnen schweren Absaugstutzens sollen im Laufe des Mittwochs nacheinander geschlossen werden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Durch das Verschließen verschiedener Ventile versuchen Wissenschaftler herauszufinden, wie viel Druck durch das ausströmende Rohöl auf das Bohrloch ausgeübt wird. Sollte es zu einen Druckverlust kommen, müsste der neue Saugglocke wieder entfernt werden, um nicht Gefahr zu laufen, dass das Öl an anderer Stelle austritt. „Wir müssen sicherstellen, dass das Öl nicht neben dem Bohrloch ausströmen kann“, sagte BP-Manager Doug Suttles. Die neue Vorrichtung passt genauer als die vorherige Absaugglocke, die am Samstag entfernt worden war. Sollte der Versuch mit der neuen Absaugkappe scheitern, setzt BP auf zwei Entlastungsbohrungen, die bis Anfang August fertiggestellt sein sollen.

          Seit dem Sinken der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ sind in den vergangenen drei Monaten mehrere Versuche, das Leck in etwa 1500 Meter Tiefe zu verschließen, an dem immensen Druck gescheitert. Die sechs Meter hohe Absaugkappe soll den Ölfluss bis zur Fertigstellung der Entlastungsbohrungen stoppen oder zumindest verringern.

          Ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug wird an Bord der Transocean Discoverer Inspiration gehoben

          Fachleute warnen davor, dass die neue etwa 80.000 Kilogramm schwere Kappe das Gehäuse des ohnehin defekten Bohrlochs weiter beschädigen könnte. Falls weiterhin Rohöl austreten sollte, schickt BP kurzfristig weitere Schiffe in den Golf, um die Tanker „Helix Producer“ und „Q 4000“ beim Absaugen des Öls zu unterstützen. Weil die neue Absaugglocke das Andocken von mehr Schiffen erlaubt, wird das ausgetretene Rohöl schneller entfernt. N

          ach Angaben von BP könnten die Tanker in den kommenden zwei bis drei Wochen täglich bis zu 13 Millionen Liter Öl abschöpfen. Nach offiziellen Schätzungen fließen täglich bis zu 9,5 Millionen Liter aus dem Bohrloch. Die neue Konstruktion erlaubt zudem, dass die Tanker sich im Fall eines Hurrikans schnell von der Quelle lösen können.

          Washington erlässt neues Verbot für Ölbohrungen

          Unterdessen arbeitet der Konzern weiter daran, zwei Bohrlöcher in unmittelbarer Nähe des Lecks in die Tiefe zu treiben, um den Druck auf das beschädigte Bohrloch zu verringern. Diese Entlastungsbohrungen sollen bis August ermöglichen, die Quelle endgültig zu schließen.

          Mit dem neuen Anlauf für ein Verbot von Ölbohrungen vor der Küste will die Regierung „Gemeinden, Küsten und Tiere“ schützen. Das Verbot soll bis November gelten; in dieser Zeit sollen neue Sicherheitsstandards erlassen werden. Das erste im Mai erlassene Verbot von Tiefseebohrungen war von zwei Gerichten mit der Begründung aufgehoben worden, es sei willkürlich und zu unpräzise gefasst. Die neue Anordnung verbietet nicht mehr generell Ölbohrungen in mehr als 150 Meter Wassertiefe, sondern knüpft das Verbot an bestimmte technische Eigenschaften der Bohrungen. Betroffen sind aber dieselben 33 Bohrstellen wie zuvor. Das neue Verbot bezieht sich zudem auf Ölbohrungen in geringerer Wassertiefe, wenn diese neue Sicherheitsvorschriften nicht einhalten.

          Energieunternehmen sprachen von einem faktischen Bohr-Moratorium. Die amerikanische Handelskammer forderte die Regierung auf, das Verbot aufzugeben. Die Kammer plädiert dafür, aggressiv neue Sicherheitsbestimmungen einzuführen. Es sei aber im Interesse der Energiesicherheit falsch, amerikanische Energieressourcen unter Verschluss zu halten. Allein in Louisiana soll das Moratorium bis zu 20 000 Arbeitsplätze bedrohen. Aus Unsicherheit über die Zukunft der Ölbohrungen haben Unternehmen schon begonnen, Ölbohrinseln aus dem Golf von Mexiko abzuziehen.

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