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Ölpest im Golf von Mexiko : „Bonnie“ wirbelt Zeitplan durcheinander

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Ein Delphin im Golf von Mexiko. Im Hintergrund fangen Schiffe ausgelaufenes Öl auf. Bild: dpa

Ein aufziehender Tropensturm zwingt die Helfer im Golf von Mexiko, ihren Kampf gegen die Ölpest vorerst zu stoppen. Der Einsatzleiter ordnete den Abzug der meisten Schiffe und Plattformen über dem ramponierten Bohrloch des BP-Konzerns an.

          Tropensturm „Bonnie“ hat alle Arbeiten am lecken Ölbohrloch im Golf von Mexiko lahmgelegt. Der Koordinator für die Bekämpfung der Ölkatastrophe, Thad Allen, wies am Donnerstagabend alle Schiffe an, die Gegend zu verlassen, weil der Sturm Kurs auf die Region hält. Dadurch verzögern sich alle Anstrengungen, das Bohrloch zu versiegeln. Entgegen früherer Befürchtungen können die Ventile an der Verschlusskappe auf dem Bohrloch geschlossen bleiben.

          Zwar ziehe kein Hurrikan auf, doch handele es sich um einen größeren Sturm, und deshalb müssten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, sagte Allen. Neben den Schiffen, von denen aus die Verschlusskappe überwacht wird, müssen auch die Schiffe abziehen, von denen aus die Entlastungsbohrungen vorangetrieben wurden. Dadurch würden sich zwar die Arbeiten um bis zu zwölf Tage verzögern, doch gehe die Sicherheit der Menschen vor, sagte Allen.

          Genug Vertrauen in die Konstruktion

          Er habe BP außerdem angewiesen, einen sogenannte „static kill“ vorzubereiten, gab Allen bekannt. Bei dieser Methode wird eine Zement-Schlamm-Mischung direkt von oben in das Bohrloch gepumpt, um es zu verschließen. Diese zusätzliche Prozedur könnte die Chance erhöhen, die Ölquelle mit Hilfe der Entlastungsbohrungen zu versiegeln. Das letzte Wort über ihren Einsatz hat Allen.

          Während die Arbeiten um die Quelle ruhen, strömt zumindest kein neues Öl aus. Die Ventile der Verschlusskappe bleiben auch geschlossen, wenn die Beobachter weg sind. Ursprünglich hatte man befürchtet, dass in einem solchen Fall die Ventile geöffnet werden müssten, um Druck von der Kappe zu nehmen. Doch inzwischen haben die Ingenieure genug Vertrauen in die Konstruktion.

          Keine Sturmeinwirkung in 1600 Metern Tiefe

          Die Zeit, in der die Quelle unbeobachtet ist, soll trotzdem so kurz wie möglich gehalten werden. Allen sagte, er habe BP angewiesen sicherzustellen, dass die Schiffe mit den Tauchrobotern, die die Verschlusskappe beobachten, die Region als Letzte verlassen und als Erste zurückkehren. Experten sind sich sicher, dass der Sturm an der Meeresoberfläche der rund 1600 Meter darunter gelegenen Verschlusskappe nichts anhaben kann.

          „Bonnie“ hat nach Angaben des Hurrikan-Zentrums in Miami bereits zu Überschwemmungen in Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und in Haiti geführt. Am Donnerstagabend war der Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 65 Kilometern pro Stunde auf Kurs in Richtung der Florida Keys. Es wird erwartet, dass er am Samstag den Golf erreicht. Einige Experten sind besorgt, dass die schweren Stürme, die jedes Jahr in der Hurrikan-Saison über den Golf von Mexiko hinwegziehen, die Ölkatastrophe noch verschlimmern, indem sie das Öl noch weiter die Flussmündungen hinauf und in die Feuchtgebiete entlang der Küsten drücken und noch mehr Öl an die Strände schwemmen.

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