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Ölpest im Golf von Mexiko : Alarm auf Bohrinsel war angeblich ausgestellt

  • Aktualisiert am

Im Golf von Mexiko wird Öl kontrolliert abgebrannt, hier eine Aufnahme vom 5. Mai. Derzeit unterbricht ein Sturm die Arbeiten Bild: dpa

BP muss sich derzeit um mehrere Brandherde kümmern: Die Ölpest im Golf von Mexiko ist noch nicht unter Kontrolle, ein Wissenschaftler wirft dem Ölkonzern vor, Forscher zum Schweigen bringen zu wollen. Und die Sicherheitsstandards auf der gesunkenen Ölplattform wurden offenbar nicht eingehalten. Ungeachtet dessen will BP in Kürze wieder in der Tiefsee bohren - diesmal im Mittelmeer.

          Gegen den Ölkonzern British Petroleum (BP) gibt es neue Vorwürfe: Ein führender amerikanischer Wissenschaftler behauptet, der Ölkonzern wolle angesehene Forscher zum Schweigen bringen. Und ein leitender Techniker berichtete vor einem staatlichen Ermittlungsausschuss in den Vereinigten Staaten, dass das Alarmsystem auf der gesunkenen Ölbohrplattform abgeschaltet war.

          Der Techniker Mike Williams, der sich bei der Explosion auf der „Deepwater Horizon“ nur durch einen Sprung ins Wasser retten konnte, sagte, der Sirenen-Signal sei in der Unglücksnacht nicht aktiviert gewesen: „Sie wollten nicht, dass die Leute um drei Uhr nachts durch Fehlalarme geweckt werden“. Elf Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben. 115 der 126 Menschen auf der Bohrinsel wurden damals gerettet.

          Der Alarm sei schon ein Jahr vor der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April abgeschaltet worden. Damals begann die bis heute andauernde Ölpest, die größte Naturkatastrophe vor der amerikanischen Küste. Da das Alarmsystem nicht vollständig funktionierte, sei die Evakuierung der
          Plattform behindert worden. Unklar sei allerdings, ob man mit voll funktionierenden Alarm die elf Todesfälle hätte verhindern können, schreibt die „New York
          Times“.

          Jede Manipulation wird kritisch beäugt: BP hat Fotos auf der eigenen Homepage verändert. Hier ist oben das Original, unten die Veränderung zu sehen...

          Er habe seine Vorgesetzen über den abgeschalteten Alarm informiert, sagte Williams weiter - doch die hätten ihm klargemacht, dass dies Absicht sei. Die Computer hätten zwar gefährliches Methangas noch gemessen, aber keinen akustischen oder optischen Alarm ausgelöst.

          Neue Bohrungen in wenigen Wochen

          Ungeachtet dessen will BP die nächste Tiefseebohrung im Mittelmeer vor der Küste Libyens starten. „Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen“, sagte BP-Sprecher David Nicholas am Samstag. Die Quelle soll spätestens in einem halben Jahr erschlossen sein. In dem Feld soll es große Mengen Erdöl und bis zu 850 Millionen Kubikmeter Erdgas geben. Der Energiekonzern wies Sicherheitsbedenken über die neue Tiefseebohrung zurück.

          Die Bohrung erfolgt in der Mittelmeerbucht Große Syrte. Etwa 200 Kilometer westlich der Hafenstadt Bengasi liegt die Quelle in rund 1750 Metern Tiefe. Damit wird dort 250 Meter tiefer nach den beiden Energierohstoffen gebohrt als bei der Tiefseebohrung im Golf von Mexiko. Zwischen den beiden Bohrfeldern gebe es allerdings keine Parallelen, betonte BP-Sprecher Nicholas. Hohe Sicherheitsstandards seien vor Libyen gewährleistet.

          Die Rechte für die Erschließung der Ölquelle hatte BP vor drei Jahren von Libyen für 900 Millionen Dollar (675 Mio Euro) gekauft. BP-Chef Tony Hayward bezeichnete den Deal als bis dahin größte Einzelinvestition. Der Konzern bestätigte, der britischen Regierung unter Premierminister Tony Blair damals zu einer schnellen Einigung über einen Gefangenenaustausch geraten zu haben. Die Vereinigten Staaten werfen BP vor, die vorzeitige Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi vor einem Jahr vorangetrieben zu haben, um das Millionengeschäft zu starten.

          Al-Megrahi wurde wegen einer Krebserkrankung im Endstadium von den Schotten begnadigt. Zur Begründung hieß es damals, seine Tage seien gezählt. Er lebt heute in seiner Heimat. Bei dem Flugzeug-Attentat nahe dem schottischen Lockerbie waren 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 189 Amerikaner. BP hatte seine Ölgeschäfte in Libyen 1971 einstellen müssen, weil Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi die britischen Besitztümer verstaatlichte. BPs Partner bei der neuen Quelle ist die staatliche Libyan Investment Corporation, die 15 Prozent der Erträge bekommt.

          Vorwurf der Einflussnahme

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