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Ölpest im Golf von Mexico : BP darf Ölquelle zementieren

  • Aktualisiert am

Auf dem Bohrschiff Q 4000 Bild: AP

Die amerikanische Regierung hat nun zugestimmt, das Ölleck im Golf von Mexico endgültig mit Zement zu versiegeln. Zuvor hatte BP das Leck erfolgreich durch Schlamm verschlossen. Die zweite Stufe des „Static Kill“ soll noch am Donnerstag beginnen.

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          Nach dem erfolgreichen Verschluss des Öllecks durch Schlamm hat die amerikanische Regierung dem Ölkonzern BP grünes Licht für die endgültige Versiegelung des Lecks mit Zement gegeben. Nach dem Abschluss des als „Static Kill“ bezeichneten Schlamm-Einsatzes, das auch „Totpumpen“ genannt wird, und erfolgreichen Tests dürfe BP das Leck in rund 1600 Metern Tiefe nun zementieren. Das erklärte am Mittwoch der Krisenmanager der amerikanischen Regierung, Thad Allen. Diese Operation soll noch am Donnerstag beginnen.

          Am Mittwoch hatte der britische Ölkonzern BP Erfolg vermelden können: Die Operation „Static Kill“ sei erfolgreich gewesen. In dem auch „Totpumpen“ genannten Verfahren hatte das Unternehmen am Dienstag acht Stunden lang Schlamm in die Steigleitung gepumpt, um zu verhindern, dass weiter Öl aus der Quelle austreten kann. Im Bemühen, die Ölquelle im Golf von Mexiko zu schließen, war das Unternehmen damit einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Dreieinhalb Monate nach der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon sei dies ein „Meilenstein“ im Kampf gegen die Ölkatastrophe (siehe BP meldet Erfolg beim „Totpumpen“).

          Fast 5 Millionen Barrel Öl strömten aus

          Am Montag hatten neue Schätzungen das riesige Ausmaß der Katastrophe noch einmal vor Augen geführt. Nach Angaben von Forschern strömten nach dem Versinken der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 22. April insgesamt 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko, - das sind etwa 666.400 Tonnen. Die ausgelaufene Ölmenge ist damit etwa 19 Mal größer als bei der Katastrophe der „Exxon Valdez“ im Jahr 1989 (siehe auch BP droht Strafzahlung bis zu 21 Milliarden Dollar). Niemals zuvor wurde eine schlimmere Ölpest registriert. Seit dem 15. Juli ist das Leck mit einer provisorischen Kappe abgedichtet.

          Erfolgreich abgedichtet? Die Kappe über dem Bohrloch im Golf von Mexiko

          Versiegelung mit „Static kill“ und „Bottom kill“

          Mit den beiden Methoden „Static kill“ und „Bottom kill“ soll die rund 4000 Meter lange Leitung durch den Meeresboden von oben und von unten nun ein für alle Mal verschlossen werden.

          „Static Kill“ : Bohrschlamm wird von oben in das Bohrrohr gepresst. Das geschieht über zwei Leitungen von einem Schiff an der Wasseroberfläche und zwar deutlich langsamer und mit geringerem Druck als bei der bereits ohne Erfolg versuchten „TOP-KILL“-Methode, bei der während des Einpumpens von Schlamm gleichzeitig Öl nach oben drückt. Sobald genügend Schlamm in der Leitung steckt, um den Ölfluss zu stoppen, wird Zement nachgefüllt. Der Zement soll in der Leitung verhärten und sie abdichten. Das Prozedere könnte mehrere Tage in Anspruch nehmen; im günstigsten Fall geht es in rund 24 Stunden.

          „Bottom Kill“ : Seit fast drei Monaten arbeiten die BP-Ingenieure an zwei Entlastungsbohrungen von der Meeresoberfläche bis hin zur Ölquelle tief unter dem Meeresboden. Sobald die „Static-kill“-Methode abgeschlossen ist, sollen in der kommenden Woche die letzten Meter der ersten Entlastungsbohrung fertig gestellt werden, um dann auch von unten Schlamm und Zement in die ursprüngliche Leitung zu schicken und so zu versiegeln. Für den Fall, dass die erste Entlastungsbohrung ihr Ziel verfehlt, gibt es mit der zweiten Bohrung in wenigen Wochen eine zweite Chance. Für den „Bottom kill“ veranschlagen die Experten einige Tage bis hin zu wenigen Wochen.

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