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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko : Die Suche nach der Nadel im Ozean

  • -Aktualisiert am

Bild: BP

Hoffnungszeichen im Golf von Mexiko: Mit einer neuen Absaugglocke will BP den Ölaustritt endlich stoppen - und hofft darauf, dass die Ölleitung damit vielleicht sogar ganz versiegelt werden kann. Der Druck ist groß: Scheitert der Versuch, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten im Kampf gegen die Katastrophe.

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          Entlastungsbohrung: Seit Wochen steht dieser Begriff für die Hoffnung, in nicht allzu ferner Zukunft den unkontrollierten Öl- und Gasfluss im Golf von Mexiko zu stoppen. Nach einer Explosion am 20. April, der ein Brand folgte, versank die Ölplattform Deepwater Horizon der BP plc rund 90 Kilometer von der Küste entfernt im an dieser Stelle 1600 Meter tiefen Meer. Elf der 126 Arbeiter verloren ihr Leben. Der Blow-out war Auslöser einer der größten und in ihren Ausmaßen noch lange nicht überschaubaren Umweltkatastrophen der Vereinigten Staaten. Seitdem sind Millionen Tonnen Öl und Gas unkontrolliert ins Meer geflossen und haben großflächig Flora und Fauna massiv geschädigt - und tun das weiter.

          Zwar ist es richtig, dass seit Anfang Mai in unmittelbarer Nähe zum havarierten Bohrloch MC252 im Macondo-Ölfeld an zwei Bohrungen gearbeitet wird (zwei, sollte eine scheitern). Bei ihnen handelt es sich jedoch nicht um klassische Entlastungsbohrungen, denn man will mit ihnen nicht die Öl und Gas führende Gesteinsschicht „anstechen“, um durch zusätzlich niedergebrachte Rohrstränge Öl und Gas zu „entnehmen“ und so den Druck in der Lagerstätte zu verringern. Auch ist nicht beabsichtigt, den unteren Zugang zum Unglücks-Steigrohr zu verschließen, indem man Bohrschlamm und Zement an dieser Stelle in die ölführende Schicht presst.

          Was BP vorhat, ist vielmehr mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu vergleichen. Denn das Ziel der Hilfsbohrungen ist das Unglücks-Bohrloch selbst, das die Techniker kurz oberhalb der Lagerstätte treffen und seitlich anbohren wollen. Hier, an seinem unteren Ende, hat die Bohrlocheinfassung (Casing) einen Durchmesser von nur 21,59 Zentimeter (8,5 Zoll). Höchste Präzision ist daher beim Annähern des Bohrmeißels an das Stahlrohr erforderlich, dessen Lage man mit Hilfe eines Magnetometers aufspüren will. Diese zum Beispiel in der Kampfmittelbeseitigung eingesetzte Technik hat bei der Suche nach dem Stahlrohr tief unter dem Golf von Mexiko den Nachteil, dass der Sensor nicht unmittelbar auf den Bohrkopf aufgesetzt werden kann. Vielmehr muss für jeden Messvorgang das komplette Bohrgestänge hochgezogen und das Hilfsbohrloch für das Magnetometer frei gemacht werden. Das kostet viel Zeit.

          Bild: F.A.Z.

          Durch den Hilfsstrang wird eine Fräse nach unten geschickt

          Momentan ist man mit einer der Hilfsbohrungen bereits recht nahe an das Bohrloch herangekommen. Ab einer Tiefe von rund 5200 Meter soll sie dann ein Stück parallel verlaufen. So weit, bis man das schlanke 8,5-Zoll-Casing (Bohrlochverrohrung) erreicht hat, um dann mit den für den Erfolg der Aktion wesentlichen Teil der Rettungsaktion zu beginnen: Durch den Hilfsstrang wird eine Fräse nach unten geschickt. Sie schneidet ein Loch in das Steigrohr und anschließend, so der Plan, drückt man unter hohem Druck große Mengen durch die Zugabe von Schwerspat (Bariumsulfat) oder Hämatit (Eisenoxid) extrem schwer „eingestellten“ Bohrschlamms (und Zement) in das Bohrloch. Diesen Materialcocktail reißt das nach oben strömende Öl-Gas-Gemisch zunächst mit, und zwar so lange, bis sich im Bohrloch ein mehrere hundert Meter langer Pfropfen gebildet hat, der schwer genug ist, um dem mit einem Druck von rund 900 bar aus der Lagerstätte schießenden Öl und Gas Widerstand zu leisten.

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