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Ölkatastrophe : BP immer weiter isoliert

Auch der Amerika-Chef von BP, Lamar McKay, stellte sich dem Ausschuss Bild: AP

Der britische Ölkonzern gerät vor dem amerikanischen Kongress weiter unter Druck und auch seine Wettbewerber gehen auf Distanz. Angesichts der massiven finanziellen Verluste lässt sich das Unternehmen unterdessen von Investmentbanken beraten.

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          British Petroleum (BP) ist wegen der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko zunehmend isoliert. Auf einer Anhörung vor einem Kongressausschuss in Washington gingen Vorstandsvorsitzende von amerikanischen Wettbewerbern wie Exxon Mobil deutlich auf Distanz. Die Vorsitzenden des Ausschusses hatten zuvor in einem Brief an den BP-Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward schwere Vorwürfe gegen den britischen Ölkonzern erhoben, der nach ihrer Auffassung bei der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ Sicherheitsrisiken eingegangen sei, um Geld zu sparen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          An den Finanzmärkten gerät BP unterdessen weiter unter Druck. Das Unternehmen hat Medienberichten zufolge angesichts der sich abzeichnenden gigantischen finanziellen Konsequenzen der Katastrophe Investmentbanken engagiert. In der Branche wird zunehmend darüber spekuliert, BP könnte die Ölpest nicht überstehen oder zum Übernahmeobjekt werden.

          ExxonMobil: Ein solcher Unfall „sollte nicht passieren“

          Nach dem Untergang der Bohrplattform im April hatte die Ölindustrie zunächst noch eine weitgehend geschlossene Front gebildet. Im Zuge des wachsenden öffentlichen Drucks grenzt sich die Konkurrenz nun aber ab. Rex Tillerson, der Vorstandsvorsitzende des größten amerikanischen Ölkonzerns ExxonMobil, weckte bei einer Anhörung vor dem Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses den Verdacht, dass BP nicht den nötigen Wert auf die Sicherheit der Bohrplattform gelegt habe. „Wir müssen wissen, ob das in Kauf genommene Risiko jenseits der Industrienorm gegangen ist“, hieß es in seiner Stellungnahme vor dem Ausschuss. Ein Unfall wie im Golf von Mexiko „sollte nicht passieren“, wenn ein Unternehmen Bohrpojekte in der Tiefsee ordnungsgemäß konstruiere und Aufmerksamkeit auf die Sicherheit gelegt werde.

          Neben Tillerson traten vor dem Ausschuss auch die Vorstandsvorsitzenden der amerikanischen Ölkonzerne Chevron und Conoco Phillips sowie ein Vertreter des britisch-niederländischen Wettbewerbers Royal Dutch Shell auf. Auch Lamar McKay, der Amerika-Chef von BP, stellte sich dem Gremium und wiederholte das Versprechen des Konzerns, den verursachten Schaden zu begleichen und alles zu tun, um den fortdauernden Ölfluss in den Golf von Mexiko zu stoppen.

          BP-Vorstandvorsitzender wird sich dem Kongress stellen

          Vor der Anhörung hatten schon zwei führende Mitglieder des Ausschusses, Henry Waxman und Bart Stupak, BP scharf attackiert. In einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward schrieben die Politiker: „Es hat den Anschein, dass BP wiederholt riskante Schritte ergriffen hat, um Kosten zu reduzieren und Zeit zu sparen, und dabei nur minimale Anstrengungen unternahm, um das zusätzliche Risiko einzudämmen.“ Zum Zeitpunkt der Explosion sei das Projekt hinter dem gewünschten Zeitplan zurückgeblieben. Dies habe BP womöglich veranlasst, „Abkürzungen zu nehmen“. Die Politiker führten fünf konkrete Entscheidungen von BP an, die Richtlinien der Industrie verletzt und das Unfallrisiko erhöht hätten. Am Donnerstag dieser Woche wird sich auch der BP-Vorstandsvorsitzende Hayward einem Kongressausschuss stellen. Einen Tag zuvor trifft sich der amerikanische Präsident Barack Obama mit Carl-Henric Svanberg, dem Verwaltungsratschef von BP.

          Die Briten haben unterdessen nach einem Bericht der „New York Times“ die Banken Goldman Sachs und Credit Suisse sowie die Beteiligungsgesellschaft Blackstone engagiert. BP erhoffe sich davon Beratung zu seinen Optionen angesichts der massiven finanziellen und politischen Konsequenzen der Katastrophe. Der Börsenwert von BP ist seit der Explosion der Bohrplattform um fast die Hälfte abgestürzt. Am Dienstag nahm die Ratingagentur Fitch die Kreditbewertung von BP um sechs Stufen zurück. Die Anleihen des Unternehmens sind damit nur noch zwei Stufen vom Ramschniveau („Junk“) entfernt. Es ist die zweite Herabstufung von BP durch Fitch in diesem Monat.

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