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Öl-Katastrophe : Kongress nimmt BP-Chef in die Zange

  • Aktualisiert am

In Erklärungsnot: Tony Hayward Bild: AP

Die amerikanische Regierung setzt British Petroleum (BP) weiter unter Druck. Politiker werfen dem Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward vor, Gefahren in Kauf genommen zu haben, um Kosten zu sparen. Versöhnlichere Töne schlug hingegen der britische Premierminister an.

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          Die amerikanische Regierung setzt British Petroleum (BP) weiter unter Druck, auch nachdem BP einen Milliarden-Hilfsfonds für die Betroffenen der Ölpest im Golf von Mexiko zugesagt hat. Kongressabgeordnete nahm den Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward am Donnerstag bei einer Anhörung in die Zange. Henry Waxman von der Demokratischen Partei warf ihm vor, die Risiken ignoriert zu haben, die zur Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ im April führten. BP habe Gefahren in Kauf genommen, um Kosten zu sparen. Andere Abgeordnete nannten das Verhalten des Ölkonzerns „beschämend“ und legten Hayward den Rücktritt nahe.

          Tony Hayward sprach vor dem Kongress eine offizielle Entschuldigung aus und sagte, der Unfall „hätte nie passieren dürfen“. Abermals blieb er konkrete Erklärungen schuldig, was die Ursache des Unfalls betrifft, und sprach lediglich allgemein von einem „offensichtlichen Versagen von Prozessen, Systemen und Ausrüstung“. Hayward ließ viele Fragen der Politiker zu technischen Details bei dem Bohrprojekt unbeantwortet und sagte, er sei in Entscheidungen nicht eingebunden gewesen. Mehrere Abgeordnete zeigten sich von Haywards Antworten frustriert und warfen ihm vor, sich herauszureden.

          David Cameron warnt

          Der BP-Chef gab aber zu, dass die Industrie heute nur unzureichend auf ein Unglück in der Tiefseeförderung von Öl vorbereitet sei und dass die bisherigen Sicherheitstechnologien nicht gut genug seien. Unterdessen hat der britische Premierminister David Cameron gewarnt, es müsse auch eine gewisse Sicherheit mit Blick auf die Schadensersatzforderungen gegenüber BP geben. „BP ist eine wichtige Gesellschaft, die Tausende von Menschen beschäftigt und Betriebsrenten zu zahlen hat. Es ist wichtig, dass Klarheit herrscht, damit die Gesellschaft weiter operieren kann und stabil bleibt.“ Es gehe nicht, dass BP Schadensersatzforderungen begleichen müsse, die mit der Ursache der Ölkatastrophe kaum noch etwas zu tun hätten, sagte Cameron in einem Gespräch mit der BBC. Bei der Anhörung im amerikanischen Kongress bekam BP von einigen Politikern auch Unterstützung: Der Republikaner Joe Barton aus dem stark von der Ölindustrie abhängigen Texas äußerte Verärgerung darüber, dass BP von der Regierung zu dem Hilfsfonds gedrängt wurde.

          Wie berichtet, hat die Geschäftsführung von BP nach intensiven Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung eingewilligt, über die kommenden vier Jahre 20 Milliarden Dollar in einen Fonds für die Entschädigung von Einzelpersonen und Privatunternehmen zu zahlen, die aufgrund der Ölpest wirtschaftliche Belastungen zu tragen haben. Präsident Barack Obama betonte, dass es sich bei den 20 Milliarden Dollar nicht um eine Obergrenze handelt, zumal der Schaden aus heutiger Sicht schwer abschätzbar sei. Nicht von dem Fonds gedeckt sind zudem etwaige Strafzahlungen, auch die Kosten für die Aufräumarbeiten sind separat. BP muss die ersten 5 Milliarden Dollar für den Fonds schon in diesem Jahr aufbringen. Der Konzern wird sich zur Aufbringung der Mittel von Randgeschäften in Höhe von 10 Milliarden Dollar trennen, gab BP bekannt. Auch fällt die Restdividende für dieses Geschäftsjahr aus.

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