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Notfallsystem : BP-Rivalen rüsten sich für nächste Ölpest

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Die Ölkonzerne Exxon-Mobil, Chevron, Conoco und Shell investieren einen Milliardenbetrag in ein neues System zum Schließen von Lecks. Das soll Wohlwollen in der Politik schaffen.

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          Die größten Wettbewerber von British Petroleum (BP) haben ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, dessen Ziel eine schnellere Schließung von Öllecks als bei der jüngsten Katastrophe im Golf von Mexiko ist. Die drei amerikanischen Ölkonzerne Exxon-Mobil, Chevron und Conoco-Phillips sowie der britisch-niederländische Wettbewerber Royal Dutch Shell kündigten an, zusammen zunächst eine Milliarde Dollar in ein System zu investieren, mit dem austretendes Öl nach Unfällen bei Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko aufgefangen werden soll.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das System hat Ähnlichkeiten mit den Auffangtechniken, die BP verwendet hat. Es soll aber jederzeit für Notfälle einsetzbar sein, was ein mehrmonatiges Experimentieren mit unterschiedlichen Techniken wie bei der gegenwärtigen Ölkatastrophe verhindern soll.

          BP ist zunächst nicht dabei

          Nach der Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April hat BP immer wieder neue Anläufe unternommen, auf verschiedene Art das Leck zu verschließen. Erst in der vergangenen Woche konnte das Bohrloch mit einem Auffangzylinder vorläufig abgedichtet werden. Für eine dauerhafte Schließung sollen jedoch zwei Entlastungs-Bohrungen sorgen, die voraussichtlich Anfang August beendet sind. Die vier Ölkonzerne teilten mit, dass auch andere Unternehmen sich dem Projekt anschließen könnten, wobei BP zunächst nicht dabei ist.

          Mit der Aktion begegnen die Ölkonzerne dem öffentlichen Druck, dem sich nach dem BP-Unfall die gesamte Branche gegenüber sieht. Exxon-Vorstandsvorsitzender Rex Tillerson sprach gegenüber der „New York Times“ von einer „Lücke im Risiko-Management, die wir füllen müssen, so dass die Regierung und die Öffentlichkeit Vertrauen haben, um uns zur Arbeit zurückkehren zu lassen.“ Die amerikanische Regierung hat nach dem Unglück ein Moratorium für bestimmte Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko erlassen, auf dessen Aufhebung die Industrie hofft. Daneben versucht die Branche, eine Reihe von Reglementierungen abzuwenden, die in der Politik erwogen werden. So gibt es einen Vorschlag für ein Gesetz, wonach bei jedem Bohr-Projekt eine weitere Entlastungs-Bohrung zur Pflicht gemacht werden soll.

          System notfalls innerhalb von 24 Stunden einsatzfähig sein

          Das nun angekündigte System soll aus einer Reihe verschiedener Komponenten bestehen, die austretendes Öl unter Wasser auffangen und zu Schiffen an die Oberfläche leiten. Das System soll mehr als 100.000 Barrel Öl am Tag einsammeln und in mehr als 3000 Meter Tiefe arbeiten können (ein Barrel sind 159 Liter). Das BP-Leck ist mehr als 1500 Meter unter der Wasseroberfläche, und es sind Schätzungen zufolge bis zu 60000 Barrel am Tag ausgeströmt. Das System soll im Falle eines Unfalls innerhalb von 24 Stunden einsatzfähig sein.

          Das amerikanische Innenministerium nannte die Aktion „einen Schritt in die richtige Richtung.“ Kongressabgeordneter Ed Markey von den Demokraten stellte indes die Aktion als unzureichend dar und beschrieb das angekündigte System als „den gegenwärtigen Apparat von BP, der mit frischer Farbe übertüncht ist.“

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