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Kevin Costner : Der Öl vom Wasser trennt

Der Schauspieler Kevin Costner verkauft dem Ölkonzern BP Maschinen zur Eindämmung der Ölpest. Bei den Maschinen handelt es sich um Zentrifugen, die Öl von Wasser trennen. Sie werden von Costners Unternehmen Ocean Therapy Solutions hergestellt.

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          In Hollywood-Filmen hat Kevin Costner schon oft den Helden gespielt. Er war als Robin Hood zu sehen, und in seinem größten Kinoerfolg „Der mit dem Wolf tanzt“ verkörperte er die Hauptrolle als Lieutenant John Dunbar. Nun traut sich der Schauspieler auch im wirklichen Leben die Heldenrolle zu: Eine von seinem Unternehmen Ocean Therapy Solutions hergestellte Maschine soll dabei helfen, der Ölpest im Golf von Mexiko Herr zu werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es ist keine kleine Aufgabe. Präsident Barack Obama nannte das Unglück in seiner Fernsehansprache in dieser Woche „das schlimmste Umweltdesaster, das Amerika je gesehen hat“. Costner weiß auch selbst, dass er nicht gerade ein offensichtlicher Retter ist: „Es mag als unwahrscheinliches Szenario erscheinen, dass ich derjenige bin, der in diesem Moment die Technologie liefert“, sagte er in der vergangenen Woche in einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongress.

          Nach anfänglichem Zögern will BP Costner nun eine Chance geben. Der für die Katastrophe verantwortliche britische Ölkonzern hat angekündigt, 32 Maschinen bei dem Unternehmen des Schauspielers zu bestellen. BP sei "begeistert" von Tests der Technologie und wolle die Maschinen nun rasch zum Einsatz kommen lassen. Der Auftrag ist ein Vertrauensbeweis für Costner, schließlich sind bei BP seit dem Untergang der Plattform "Deepwater Horizon" 80 000 Vorschläge eingegangen, wie man die Ölpest in den Griff bekommen könnte.

          Kevin Costner vor einem Kongress-Ausschuss

          Feuerlöscher für die Ölindustrie

          Bei den Maschinen handelt es sich um Zentrifugen, die Öl von Wasser trennen. Wie ein Staubsauger nehmen sie das mit Öl versetzte Meerwasser auf und verwirbeln das Gemisch mit hohem Tempo. Auf der einen Seite kommt pures Öl heraus, auf der anderen Seite Wasser, das nach Angaben von Costner zu mehr als 99 Prozent vom Öl befreit ist. Die größte von Costners Maschinen kann mehr als 750 Liter je Minute verarbeiten, oder mehr als eine Million Liter am Tag. Die Maschinen seien „wie ein Feuerlöscher für die Ölindustrie“, verspricht der Schaupieler. Costner hat nach eigenen Angaben 24 Millionen Dollar seines eigenen Geldes in die Technologie investiert. Das Gerät kostet rund 500.000 Dollar - „ein Kartoffelchip für einen gigantischen Konzern wie BP“, wie der Schauspieler sagt.

          Die Initialzündung für das unternehmerische Engagement von Costner in der Ölpestbekämpfung war eine andere Katastrophe: Der Unfall des Öltankers Exxon-Valdez vor der Küste von Alaska im Jahr 1989. Costner sagt heute, er sei fassungslos gewesen, mit welch einfachen Mitteln damals versucht worden sei, das Öl zu beseitigen. Ihn hätten die Bilder von Menschen mit Gummistiefeln erschüttert, die mit Mistgabeln und Suppenkellen Öl einsammelten. Es sei eine „zutiefst demoralisierende Demonstration von Inkompetenz“ gewesen, sagte der Hollywood-Star bei der Anhörung in der vergangenen Woche.

          Costner fing an, sich für modernere Methoden zur Ölbeseitigung zu interessieren. Er stieß auf eine ursprünglich in staatlichen Laboren entwickelte Technologie und kaufte die Rechte. Es war zunächst noch eine sehr primitive Form der heutigen Maschine, die Flüssigkeiten nur sehr langsam verarbeiten konnte. Costner heuerte Wissenschaftler und Ingenieure an, um die Technik für große Mengen weiterzuentwickeln.

          Sieben Bohrplattformen vor dem Haus

          Sein Unternehmen machte zwar technische Fortschritte, tat sich aber schwer mit der Vermarktung der Maschine. Er versuchte, sowohl Regierungsbehörden verschiedener Länder als auch Ölunternehmen für seine Maschine zu begeistern, stieß aber auf wenig Interesse. Frustriert fuhr Costner seine Ambitionen zwischenzeitlich zurück, wie er bei der Kongressanhörung sagte: Er verabschiedete sich von dem Plan, die Geräte zur Trennung von Öl und Wasser zu vermarkten, positionierte sein Unternehmen neu und legte den Schwerpunkt auf den Einsatz der Zentrifugen in anderen Bereichen wie Pharma und Chemie. Erst vor neun Monaten habe er einen neuen Anlauf gewagt und wieder den Einsatz der Maschinen zur Öltrennung in den Vordergrund gerückt.

          Im Kongress machte Costner seinem Ärger darüber Luft, dass man ihm nicht früher zuhören wollte. „Ich komme hierher als ein entmutigter amerikanischer Bürger“, sagte er. Die Technologie seines Unternehmens sei „das effizienteste Instrument zur Beseitigung von Öl, von dem Sie noch nie etwas gehört haben“. Der 55 Jahre alte Costner wird auch in seinem eigenen Zuhause jeden Tag an die beunruhigende Präsenz der Ölindustrie erinnert. Von seinem Haus im kalifornischen Carpinteria aus blickt er auf sieben Bohrplattformen.

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