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Kenneth Feinberg : Der Mann für heikle Fälle

Kenneth Feinberg Bild:

20 Milliarden Dollar zahlt BP in einen Fonds zur Entschädigung der Ölpestopfer. Geleitet wird der Fonds von Kenneth Feinberg. Er soll für eine gerechte Verteilung sorgen. Feinberg hat zuvor schon den Hilfsfonds für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September verwaltet.

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          Kenneth Feinberg träumte in seiner Jugend einmal davon, Schauspieler zu werden. Als er Student war, spielte er oft in Theaterstücken mit. Sein Vater meinte, das Gespür des Sohnes für dramatische Auftritte ließe sich vielleicht auch in einem solideren Beruf einsetzen. Der Gerichtssaal schien Vater Feinberg eine lukrativere Bühne als das Theater, und er legte seinem Sohn nahe, Anwalt zu werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Heute ist der 64 Jahre alte Feinberg einer der bekanntesten Anwälte in den Vereinigten Staaten. Prominent geworden ist er aber nicht als aggressiver Bluthund im Gerichtssaal, sondern als Versöhner. Seine Kanzlei Feinberg Rozen ist auf Schlichtung und alternative Konfliktlösung spezialisiert. Daneben ist er zur ersten Anlaufstelle der amerikanischen Regierung geworden, wenn es um die Aufarbeitung öffentlichkeitswirksamer und emotional aufgeladener Fälle geht. Präsident Barack Obama hat ihn jetzt zum Verwalter des Treuhandfonds von 20 Milliarden Dollar bestimmt, den der britische BP-Konzern zur Entschädigung der Betroffenen der Ölpest am Golf von Mexiko einrichten will. Feinberg soll in dieser Funktion für eine gerechte Verteilung der Mittel sorgen. Es wird keine leichte Aufgabe sein, denn der Schaden, der zum Beispiel einem Fischer in der Region entsteht, ist aus heutiger Sicht schwer einzuschätzen, zumal das Öl noch immer ins Meer fließt. Feinberg wird bei vielen Betroffenen harte Überzeugungsarbeit zu leisten haben, einer Summe zuzustimmen.

          Es scheint, Kenneth Feinberg ist heute nie weit, wenn es in Amerika um besonders heikle Fälle von nationalem Interesse geht. Auch während der Finanzkrise spielte der Anwalt eine zentrale Rolle. Vor etwa einem Jahr wurde er von Finanzminister Timothy Geithner zum Sonderbeauftragten für Managergehälter bei staatlich gestützten Unternehmen bestimmt. Auch das war ein Job mit viel Zündstoff, schließlich wurden hochbezahlte Manager in der Krise zu einem Feindbild in der Öffentlichkeit. Feinberg ordnete bei einer Reihe von Unternehmen Gehaltskürzungen im Management an. Er hatte in dieser Funktion den Spitznamen „Gehälterzar“ - eine Bezeichnung, die ihm nie besonders gefiel. „Das klingt, als würde ich ein kaiserliches Dekret herausgeben“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC.

          Feinbergs prominentester Fall war die Verwaltung des Hilfsfonds für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Er überwachte damals die Verteilung von 7 Milliarden Dollar an 5000 Überlebende und Familien von Opfern. Feinberg musste sich hier zunächst viel Kritik von Betroffenen anhören, die ihm Arroganz und mangelndes Einfühlungsvermögen vorwarfen. Er gab später selbst zu, dass er in diesem Fall erst im Laufe der Zeit und im Zuge etlicher Treffen mit Angehörigen lernte, sensibler zu werden und den einzelnen Betroffenen Aufmerksamkeit für ihre persönlichen Geschichten zu schenken. Am Ende brachte er die Angehörigen auf seine Seite, fast alle ließen sich auf die von ihm vereinbarten Konditionen für die Verteilung des Fonds ein. Feinberg veröffentlichte seine Erfahrungen mit diesem Fall im Jahr 2005 in einem Buch mit dem Titel „Was ist ein Leben wert?“ An die Rolle als öffentlicher Schlichter kam Feinberg in Jahr 1984. Er arbeitete damals in einer privaten Kanzlei und wurde von einem Bundesrichter in Brooklyn gefragt, bei Produktklagen von Opfern des Entlaubungsmittels Agent Orange zu vermitteln, das während des Vietnam-Krieges eingesetzt wurde. Feinberg handelte einen Vergleich im Volumen von 180 Millionen Dollar aus und fand Gefallen an der Schlichtungsaufgabe. „Dieser eine Fall mit Agent Orange hat meine gesamte berufliche Karriere verändert“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der „Washington Post“.

          Seinen Hang zum Theater hat Feinberg indessen bis heute nicht verloren. Er ist Präsident der National Opera in Washington. Nebenbei hat er kürzlich einen Opernkurs an der Levine-Musikschule in Washington gehalten.

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