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Großer Schaden für BP : Havarierte Plattform hinterlässt riesigen Ölteppich

Mit speziellen Booten versucht die Küstenwache eine Ölpest noch zu verhindern Bild: AP

Es ist das schwerste Unglück im Golf von Mexiko seit Jahrzehnten: Nach dem Sinken einer im Auftrag von BP betriebenen Bohrplattform steigt die Gefahr für eine Ölpest. Wie die Küstenwache mitteilte, treten aus dem Bohrloch offenbar doch erhebliche Mengen an Öl aus.

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          Im Golf von Mexiko fließen nach dem Untergang einer im Auftrag von British Petroleum (BP) betriebenen Bohrplattform große Mengen Öl ins Meer. Die amerikanischen Behörden teilten am Wochenende mit, an zwei Stellen im Meeresboden träten täglich bis zu 160000 Liter Rohöl aus. Es werde versucht, den Ölfluss so schnell wie möglich zu stoppen. Am Samstagmorgen (Ortszeit) hätten Beobachtungsflugzeuge festgestellt, dass der Ölteppich eine Fläche von rund 1000 Quadratkilometern bedecke. Die gesunkene Plattform „Deepwater Horizon“ befand sich rund 80 Kilometer vor der Küste des amerikanischen Bundesstaates Louisiana. Bisher habe das Öl das Festland aber nicht erreicht. Das Unglück gilt als das schwerste im Golf von Mexiko seit mehreren Jahrzehnten.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Das ist ein sehr ernster Ölunfall“, sagte Konteradmiral Mary Landry von der amerikanischen Küstenwache. Wie berichtet, war es auf der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am Dienstagabend zu einer schweren Explosion gekommen. Die Plattform geriet dadurch in Brand und versank zwei Tage später im Meer. Zunächst war ungewiss gewesen, wie stark dadurch die Bohrinstallationen beschädigt worden sind und ob von unten nachströmendes Öl ins Wasser gelangt. Nun haben sich diese Befürchtungen bestätigt. Unklar ist derweil auch, was mit rund 2,5 Millionen Liter Diesel passiere, die sich noch in der untergegangenen Plattform befinden.

          Suche nach elf Arbeitern aufgegeben

          Die Rettungskräfte haben unterdessen die Suche nach elf Arbeitern der Ölplattform aufgegeben, die seit Dienstag vermisst wurden. 17 weitere sind bei dem Unglück verletzt worden. BP-Vorstandschef Tony Hayward sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und kündigte an, der Energiekonzern werde gemeinsam mit dem Plattformbetreiber Transocean und den Behörden alles tun, um die Unfallursache zu finden und sicherzustellen, dass sich ein solches Unglück nie mehr wiederhole. BP und Transocean stehen voraussichtlich jahrelange Ermittlungen bevor.

          Für BP ist das fatale Unglück ein schwerer Rückschlag. Das Unternehmen, etwa gleichauf mit Shell der größte europäische Ölkonzern, ist bereits vor fünf Jahren ins Visier der amerikanischen Behörden geraten: Im März 2005 waren bei einer Explosion in einer BP-Raffinerie in Texas 15 Arbeiter ums Leben gekommen. Der Konzern musste wegen zahlreicher Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften eine Rekordgeldbuße in dreistelliger Millionenhöhe bezahlen. Ein Jahr später verursachte eine durchgerostete BP-Pipeline in Alaska große Umweltschäden.

          BP muss für nicht abschätzbare Kosten aufkommen

          Um den Ölaustritt im Golf von Mexiko zu stoppen, sind nach Angaben von BP und den Behörden ferngesteuerte Geräte im Einsatz, die versuchen, unter Wasser Ventile zu schließen. Parallel werden Vorbereitungen getroffen, um von der Wasseroberfläche aus eine „Entlastungsbohrung“ vorzunehmen. Diese soll ebenfalls dazu dienen, den Ölfluss in den Griff zu bekommen. Ein BP-Sprecher sagte am Sonntagnachmittag auf Anfrage, es sei unklar, wie viel Zeit für die Bohrung benötigt werde. Über Wasser ist derweil eine Flotte von Ölbekämpfungsschiffen im Einsatz, um den Ölteppich einzudämmen. Dies wird jedoch durch schlechtes Wetter in der Unfallregion erschwert.

          Der BP-Sprecher bestätigte, dass der Konzern als Inhaber der Bohrlizenz für die bislang nicht abschätzbaren Kosten der Ölbekämpfung aufkommen müsse. Zugleich wies er darauf hin, dass nicht BP, sondern der Dienstleister Transocean Eigentümer und Betreiber der „Deepwater Horizon“ gewesen sei. Der Anbieter mit Hauptsitz in der Schweiz ist das größte Hochsee-Ölbohrunternehmen der Welt. BP habe keine Zweifel an der Kompetenz von Transocean: „Das sind die Allerbesten in der Branche“, sagte der Sprecher. In der Ölindustrie ist es üblich, dass große Konzerne wie BP, Shell und Exxon-Mobil große Teile ihres Explorations- und Fördergeschäfts von Dienstleistern wie Transocean erledigen lassen.

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