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Golf von Mexiko : Warum es so schwer ist, das Ölleck zu verkorken

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Immer mehr Öl strömt am Golf von Mexiko ins Meer. Warum stoppt es niemand? Es scheint doch so simpel: den Schalter umlegen und auf „Close“ stellen. Wenn das mal so einfach wäre ...

          2 Min.

          Nach dem Explosionsunglück auf einer Bohrinsel im Golf von Mexiko hat sich ein 4700 Quadratkilometer großer Ölteppich gebildet, der die Meeresfauna im Süden der Vereinigten Staaten bedroht. Die Verschmutzung erstreckt sich auf einer 77 mal 63 Kilometer großen Fläche, wie die Behörden mitteilten. Aus den Lecks der Ölbohrplattform treten täglich 160.000 Liter Rohöl aus.

          Bislang gelang es noch nicht, die beiden Lecks mit Tauchrobotern abzudichten. Dabei scheint dies so simpel: den Schalter umlegen und auf „Close“ stellen. Das Leck wäre gestopft, und das Öl könnte nicht mehr ungehindert ins Meer strömen. „Wenn das mal so einfach wäre“, sagt Ulrich Winkler, Leiter der Presseabteilung des Ölkonzerns British Petroleum (BP) Deutschland. „Aber so ist das leider nicht.“ Denn bisher gelang es nicht, das Ventilsystem des Blow-Out Preventers zu aktivieren: Das Sicherungssystem des BOP reagiert nicht.

          Eine Art Hightech-Korken

          Seit Tagen sind vier Unterwasserroboter im Golf von Mexiko im Einsatz - an der Stelle, wo vergangene Woche noch die Bohrplattform „Deepwater Horizon“ stand, die Transocean im Auftrag von BP betrieben hatte. Die Roboter arbeiten in einer Tiefe von 1600 Metern unter der Wasseroberfläche. Ihre metallenen Greifarme setzen am „Blow-Out Preventer“ (BOP) an und versuchen, diesen zu schließen.

          Leck stopfen: Ein Roboter versucht, den Ölfluss zu stopfen

          Der BOP, eine Art Hightech-Korken, ist ein tonnenschweres Sicherheitsventil, das standardmäßig zur Sicherheitsausrüstung eines jeden Bohrlochs gehört. Normalerweise verschließt der BOP das Bohrloch am Meeresgrund und verhindert so, dass unkontrolliert Erdöl oder Erdgas austreten können. „Das wäre ein sogenannter Blow-Out, der schlimmste Unfall, der auf einer Plattform passieren kann“, sagt Winkler. Dann schießt ein Gemisch aus Bohrschlamm, Gas und Öl mit hoher Geschwindigkeit unkontrolliert aus der angebohrten Lagerstätte nach oben und entzündet sich.

          Ein Erfolg der Tauchroboter ist nicht garantiert

          Immer wieder kommt es zu so schweren Unfällen. Auf der Seite oilrigdisasters.co.uk sind allein für die Zeit seit 1957 insgesamt 61 solcher Katastrophen aufgeführt. Der schlimmste Blow-Out ereignete sich im Juni 1979 - ebenfalls im Golf von Mexiko. Es dauerte neun Monate, bis Bohrloch XTOC-1 geschlossen werden konnte. Mehr als eine halbe Milliarde Liter Rohöl (3,5 Millionen Barrel) flossen ins Meer.

          Ob es sich beim „Deepwater Horizon“-Unglück ebenfalls um einen solchen Blow-Out handelt, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass das Rohöl im Moment ungehindert ins Meer fließt. Da ein Erfolg der Tauchroboter nicht garantiert ist, hat BP eine weitere Ölbohrinsel in Richtung Explosionsort geschickt. Sie könnte notfalls eine Entlastungsbohrung vornehmen, also einen Nebenzugang zum Bohrloch schaffen, um es über diesen Umweg zu schließen. Ein solcher Rettungsversuch würde allerdings zwei bis drei Monate dauern. Und: Eine solche Aktion so tief im Meer ist bisher noch nie ausprobiert worden.

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