https://www.faz.net/-gum-169l3

Golf von Mexiko : Verzweifelter Kampf gegen die Ölpest

  • Aktualisiert am

Küstenschutz: Aufblasbare Ölbarrieren sollen das Schlimmste verhindern Bild: AP

Amerika bereitet sich auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen auch Alabama und Mississippi den Notstand aus. Ausgerechnet der Ölteppich droht den größten Ölkonsument der Welt von dem Rohstoff abzuschneiden.

          3 Min.

          Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wird immer bedrohlicher. Nach dem amerikanischen Bundesstaat Louisiana wurde auch für Alabama, Mississippi und Teile Floridas der Notstand erklärt. Louisianas Gouverneur Bobby Jindal mobilisierte bis zu 6000 Mann der Nationalgarde, die bei Säuberungsarbeiten helfen sollen. Derweil berichteten Augenzeugen, dass starke Winde verschmutztes Wasser über die ausgebrachten Barrieren drücken. Die Ölpest bedroht hochsensible Ökosysteme an der Küste. Und die Aussichten sind nicht gut: Meteorologen zufolge werden über das Wochenende hohe Wellen erwartet, die das Öl tief ins Marschland im Südosten Louisianas drücken könnten.

          Gouverneur Jindal bezweifelte öffentlich, dass die Maßnahmen des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die Ölpest ausreichten. Er und von Präsident Barack Obama in die Katastrophenregion entsandte Minister verstärkten den Druck auf das Unternehmen, das nach Auffassung der US-Regierung alle Kosten zu tragen hat. BP müsse „härter, schneller, schlauer“ arbeiten, sagte Innenminister Ken Salazar. Man werde nicht ruhen, bis die sprudelnde Ölquelle geschlossen und „jeder Tropfen Öl“ beseitigt sei. Das Weiße Haus schloss einen Besuch von Präsident Obama in der Region nicht aus. In den nächsten Tage sei damit aber nicht zu rechnen.

          BP-Chef Doug Suttles bezifferte die Kosten für den Konzern auf täglich sechs bis sieben Millionen Dollar (Ölkatastrophe verschreckt BP-Aktionäre). Je näher das Öl an die Küste komme, desto teurer werde der Einsatz, sagte er. Der Energiekonzern erklärte am Freitag aber, man wolle die „volle Verantwortung“ für den Ölteppich übernehmen.

          Die Fischer in Venice warten auf einen Vertrag mit BP. Sie sollen mit ihren Booten helfen, die Ölpest einzudämmen

          Schiffsrouten an der Ostküste bedroht

          Die Investmentbank Goldman Sachs warnte ihre Kunden, dass der Ölteppich mit Beginn des Wochenendes den Öltransport behindern könne. Der weltgrößte Ölkonsument Amerika droht damit von Importen des dringend benötigten Rohstoffes abgeschnitten zu werden. Über den Golf von Mexico und die Golfküste verlaufen die wichtigsten Schiffsrouten zur Beförderung von Rohöl, Raffinerieprodukten wie Benzin und Diesel sowie Getreide. Rund ein Viertel der ameirkanischen Ölproduktion und 15 Prozent der Erdgasproduktion des Landes stammen aus Bohrinseln im Golf von Mexiko. Bislang hat die Ölkatastrophe den Schiffsverkehr kaum beeinträchtigt. Der Ölteppich sei eine „ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft“, sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley.

          Der Küste droht aus Sicht von Umweltschützern die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes. „Das ist ein Desaster, jenseits jeden Ausmaßes, das ich je erlebt habe“, sagte der Experte der Ozean-Gesellschaft in San Francisco, Stan Minasian. Die befürchtete Ölpest könne laut Naturschützern verheerender werden als das Tankerunglück der „Exxon Valdez“ 1989 in Alaska. Die Katastrophe gilt als die bisher schlimmste Ölpest der Vereinigten Staaten. Hunderttausende Vögel und Fische sowie tausende Säugetiere verendeten.

          „Es wird schlimmer werden, bevor sich eine Besserung einstellt“

          Bis zum Freitag wurden nach Behördenangaben mehr als 60 Kilometer schwimmende Barrieren ausgebracht, mehr als 90 Kilometer stünden bereit. Augenzeugen berichteten allerdings, dass der starke Seegang sie mancherorts nutzlos mache oder die Wellen sie wegdrücken. „Sie halten das Öl nicht draußen“, sagte der Chef des südöstlichen Landkreises Plaquemines Parish, Billy Nungesser, der Zeitung „Times-Picayune“ nach einem Flug über die Gegend. „Es wird schlimmer werden, bevor sich eine Besserung einstellt.“

          Der Ölfilm war am Freitag bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. 1900 Helfer sind im Einsatz, 300 Schiffe und Flugzeuge stehen zur Verfügung. Hohe Wellen trieben das Öl auf das von Menschen unbewohnte Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta zu. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen. Am Montag könnte das Öl dann auch an die Küste West- Floridas schwappen.
          Auslöser der Ölpest ist der Untergang der BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ vor gut einer Woche. Seitdem tritt das Rohöl in 1500 Metern Meerestiefe aus mehreren Lecks aus. Nach Schätzungen der Behörde für Ozeanographie laufen täglich etwa 700 Tonnen aus. Wenn es weiter in diesen Mengen sprudelt, dauert es keine zwei Monate, bis das Ausmaß der „Exxon-Valdez“-Katastrophe erreicht ist.

          Damals flossen 40.000 Tonnen Rohöl aus. Es verschmutzte eine einmalige, weitgehend unberührte Landschaft. Rund 2000 Kilometer Küste waren betroffen. Auch heute - 21 Jahre nach der Katastrophe - sind in der Region noch die Folgen zu spüren, Tiere werden schleichend vom Gift noch immer vorhandener Ölreste getötet.

          Weitere Themen

          Kamera filmt Zugunglück Video-Seite öffnen

          Indien : Kamera filmt Zugunglück

          Bei dem Unfall wurden zahlreiche Menschen verletzt. Ein Lokführer konnte erst nach acht Stunden aus einem der Züge befreit und ins Krankenhaus gebracht werden, teilte die die Bahngesellschaft South Central mit.

          Russe schmuggelt dicken Kater ins Flugzeug

          Zehn Kilo Haustier : Russe schmuggelt dicken Kater ins Flugzeug

          Dass sein Kater Victor zu dick für die Passagierkabine des Flugzeugs ist, wollte ein russischer Katzenbesitzer nicht hinnehmen: Heimlich checkte er eine dünnere Katze ein – und nahm Victor trotzdem mit. Nun folgen Konsequenzen.

          Topmeldungen

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.