https://www.faz.net/-gum-6kbhs

Golf von Mexiko : Und wo ist es jetzt, das viele Öl?

Bild: reuters

Das Bohrleck im Golf von Mexiko ist dicht. Die amerikanische Regierung präsentiert sich optimistisch und glaubt an eine Wende. Dies entsetzt Naturschützer und Wissenschaftler - sie zweifeln an der Glaubwürdigkeit Washingtons.

          4 Min.

          Auf den „Bohrschlamm“ folgte der Zement. Nach dem erfolgreichen Manöver des „static kill“ durch das Einpumpen einer extrem schweren Lösung vom Mittwoch, mit dem vom Bohrloch her genügend Druck auf das nach oben strömende Öl und Gas ausgeübt werden konnte, wurde am Donnerstag damit begonnen, einen „Stöpsel“ aus Beton auf die am 20. April leckgeschlagene Ölquelle in gut 1500 Metern Meerestiefe zu setzen. Wenn dann noch in den kommenden Tagen eine der beiden seitlichen Entlastungsbohrungen glückt, mittels derer am unteren Ende der Bohrleitung Schlamm und Zement eingefüllt werden, dann kommt die größte Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte bald zu einem Ende.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wenn man der Regierung in Washington glauben darf, wird es ein glimpfliches, ja geradezu glückliches sein. Und das, obwohl bis zur sechzehnfachen Menge Öl im Vergleich zur bisher größten Katastrophe bei der Havarie des Supertankers „Exxon Valdez“ im Prinz-William-Sund in Alaska von 1989 ausgetreten ist. Abermals im Vergleich zur Havarie der „Exxon Valdez“ wurde nach der Explosion und dem Untergang der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko kaum ein Viertel der vor gut zwei Jahrzehnten betroffenen Küstenlinie von Öl verschmutzt.

          Die amerikanische Regierung zeigt sich optimistisch

          Wo also ist das viele Öl geblieben, das bald 100 Tage lang aus dem Bohrloch vor der Küste Louisianas sprudelte? Präsident Barack Obama begrüßte die Nachricht, wonach das Bohrloch vorerst stabil verschlossen ist und zudem der Druck aus der Tiefe neutralisiert werden konnte. Seine Energie- und Umweltberaterin Carol Browner zeigte sich noch optimistischer: „Unsere Wissenschaftler und externe Forscher glauben, dass die allergrößte Menge des Öls nun im Griff ist. Es wurde abgeschöpft. Auch Mutter Natur hat ihren Teil geleistet. Ich glaube, wir haben die Wende geschafft.“ So und ähnlich äußerte sie sich in zahlreichen Fernsehsendern am Mittwoch und Donnerstag. Präsidentensprecher Robert Gibbs fügte hinzu, hätte die Regierung nicht so entschieden Druck auf den britischen Energiekonzern BP ausgeübt, wären die Säuberung an der Golfküste und die Bemühungen um das Verschließen des Bohrlochs langsamer vorangekommen. Auch die Chefin der Nationalen Behörde für Ozeanographie (NOAA), Jane Lubchenco, hob die „sehr robuste Antwort der Bundesbehörden“ hervor.

          Eine Luftaufnahme zeigt den Ölteppich nach der Katastrophe im Golf von Mexiko

          Nach den von NOAA und dem Washingtoner Innenministerium veröffentlichten Zahlen konnten 17 Prozent des austretenden Öls direkt über dem leckgeschlagenen Bohrloch aufgefangen werden, fünf Prozent wurden an der Oberfläche verbrannt und drei Prozent dort abgeschöpft. Ein Viertel des Öls soll sich nach den offiziellen Angaben mittels natürlichen Abbaus durch Bakterien und dank Verdunstung in der warmen Luft über dem Golf von Mexiko verflüchtigt haben. 16 Prozent sei auf natürliche Weise in kleine Tropfen aufgelöst worden, acht Prozent des Öls sei durch den massiven Einsatz chemischer Lösungsmittel wie „Corexit“ in der Nähe des Bohrlochs zersetzt worden. Nur 26 Prozent des Öls befänden sich als Rückstand auf dem Wasser oder direkt unter der Wasseroberfläche, seien zu Teer verklumpt, an Land geschwemmt, in Sand und Sedimenten begraben oder hingen schließlich in den Marschgräsern der Mississippi-Mündung fest.

          Weitere Themen

          Deutsche aus China dürfen Kaserne verlassen Video-Seite öffnen

          Quarantäne beendet : Deutsche aus China dürfen Kaserne verlassen

          Am Wochenende waren außerdem deutsche Passagiere der „Westerdam“ zurück nach Deutschland gereist. Sie hatten das Schiff in Kambodscha verlassen dürfen. Bei einer Mitreisenden aus Amerika wurde danach jedoch eine Infektion mit dem Virus festgestellt.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.