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Golf von Mexiko : Ölkommando statt Fischfang

  • -Aktualisiert am

Essbar: Shrimps aus Louisiana Bild: AFP

Die Ölpest hat Fischern am Golf von Mexiko den Lebensunterhalt entzogen. Der Ölkonzern BP hat viele von ihnen angeheuert und zahlt gut. Das verführt zum Bleiben.

          „Momma Bear" hat bewegte Zeiten hinter sich. Das Fischerboot von Dwayne Baham aus dem Hafenort Buras am Golf von Mexiko ist vor fünf Jahren vom Hurrikan Katrina übel zugerichtet worden. Als der Sturm vorbei war, stand das Boot auf dem Kopf. Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko war "Momma Bear" zwischenzeitlich im Auftrag des Ölkonzerns BP im Einsatz. Baham half mit dem Boot beim Eindämmen der Ölpest. Seit zwei Wochen erfüllt die "Momma Bear" endlich wieder ihren eigentlichen Zweck: Nach der Freigabe eines großen Teils des Golfs ist das Boot nun wieder zum Shrimpfang unterwegs. Ein Anlass zur Entwarnung ist das für den 50 Jahre alten Baham aber noch immer nicht: Die Shrimppreise sind rapide gefallen, und ihn bewegt die Frage, welche langfristigen Folgen die Ölpest für den Fischfang in der Region haben wird.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Baham und viele Fischer an der Golfküste haben dramatische Monate hinter sich. Die Ölpest hat ihnen schlagartig den Lebensunterhalt entzogen: Die ölverschmutzten Gewässer wurden weitgehend für den Fischfang gesperrt, den Menschen verging der Appetit auf Shrimps und andere Spezialitäten vom Golf. Das war verheerend für die Region, denn sosehr sich hier auch die Ölindustrie ausgebreitet hat, die Fischerei ist noch immer ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Fast 70 Prozent der gesamten amerikanischen Shrimpproduktion kommen aus dem am Golf gelegenen Bundesstaat Louisiana.

          Die „Spillionaires“

          BP hat in den vergangenen Monaten viele zur Untätigkeit verdammte Fischer angeheuert, um mit ihren eigenen Booten bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Es hatte eine gewisse Ironie, dass BP auf einmal zum Arbeitgeber der Menschen wurde, die wegen der Ölpest ihrer Beschäftigung nicht mehr nachgehen konnten. Erst recht, weil die Rekrutierten mit der Arbeit für BP oft mehr Geld verdienen als vorher mit dem Fischfang. Manche in der Region sprechen schon von den "Spillionaires" und meinen damit, dass manche von der Ölpest oder dem "Oil Spill" vermeintlich Geschädigte unter dem Strich sogar klar profitieren, jedenfalls für den Moment.

          Der Spitzname mag übertrieben sein, aber die Arbeit für BP ist offenbar verlockend genug, dass längst nicht alle Fischer nach der erteilten Genehmigung sofort wieder auf Fischfang gegangen sind, sondern weiter in Diensten des Ölkonzerns stehen. Im Hafen von Buras sind an einem frühen Morgen beide Lager zu beobachten: An einer Stelle versammeln sich Dutzende von BP-Helfern, darunter viele, die im eigentlichen Beruf Fischer sind. Hundert Meter entfernt davon ist das Dock, an dem die Fischerboote ankommen und die gefangenen Shrimps abladen.

          Jonathan Dardar gehört zur BP-Fraktion. Der 29 Jahre alte Shrimpfischer arbeitet seit sechs Wochen für den Ölkonzern. Seine Aufgabe ist es, die von BP auf der Wasseroberfläche ausgebreiteten Ölsperren instand zu halten oder auch einzusammeln, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Er bringt sein eigenes Boot für den Job mit und bekommt 1200 Dollar am Tag. Andere Fischer mit größeren Booten können einige hundert Dollar mehr verdienen, erzählt er. Die Hilfskräfte auf den Booten erhalten 300 Dollar.

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