https://www.faz.net/-gum-16upw

Golf von Mexiko : 20 Milliarden Dollar für Ölpest-Opfer

Ölverschmierter Pelikan an der Küste von Louisiana Bild: REUTERS

Auf Druck der amerikanischen Regierung hat sich der britische Ölkonzern BP bereit erklärt, 20 Milliarden Dollar in einen Treuhandfonds für Geschädigte der Ölpest einzuzahlen. Obama betonte, dass es sich bei der Summe nicht um eine Obergrenze handele.

          2 Min.

          British Petroleum (BP) wird einen Treuhandfonds mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar einrichten, um für den Schaden der Ölpest am Golf von Mexiko aufzukommen. Die Konzernspitze von BP um den Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward und Verwaltungsratschef Carl-Henric Svanberg stimmte dem Fonds bei einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama im Weißen Haus zu.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Obama betonte nach dem Treffen, dass es sich bei den 20 Milliarden Dollar nicht um eine Obergrenze handele, zumal der durch die Ölkatastrophe entstandene Schaden aus heutiger Sicht kaum abschätzbar sei. Bei der Einrichtung des Fonds gehe es zunächst einmal darum, „einen finanziellen und rechtlichen Rahmen“ zu schaffen. Er werde dafür sorgen, dass BP all seinen Verpflichtungen auch nachkomme.

          BP setzt Dividendenzahlung aus

          Svanberg kündigte nach dem Treffen an, dass BP in diesem Jahr keine Dividende zahlen werde. Zugleich bat er die Amerikaner um Entschuldigung für die angerichtete Umweltkatastrophe.Für Anleger und Investoren ist der Ausfall der Ausschüttung ein harter Schlag. Der britische Konzern zahlte im vergangenen Geschäftsjahr eine Dividende von 8,9 Milliarden Euro. Das entspricht 14 Prozent der Dividendensumme der 100 größten Börsenwerte in Großbritannien.

          Der Fonds soll von einer von BP und der Regierung unabhängigen Instanz verwaltet werden, für deren Spitze Kenneth Feinberg vorgesehen ist. Feinberg ist bislang als Sonderbeauftragter des amerikanischen Finanzministeriums für Managergehälter bei staatlich gestützten Unternehmen zuständig. Wie Obama weiter sagte, will BP zusätzliche 100 Millionen Dollar bereitstellen, die an Mitarbeiter gehen sollen, die durch die Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ ihre Beschäftigung verloren haben.

          Obama: „Wir werden dafür sorgen, dass BP für den Schaden bezahlt“

          Im Vorfeld des Treffens hatte Obama den Druck auf BP erhöht. In einer Fernsehansprache an die Nation am Dienstag warf er BP Rücksichtslosigkeit vor und versprach den Amerikanern, das Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen: „Wir werden dafür sorgen, dass BP für den Schaden bezahlt, den das Unternehmen verursacht hat“, hatte er gesagt. Schon in dieser Rede hatte Obama angekündigt, dass ein Fonds von einer dritten Partei kontrolliert werden solle, um sicherzustellen, dass „alle legitimen Ansprüche“ in fairer und zeitgerechter Weise ausbezahlt werden. „Gehälterzar“ Feinberg ist als Jurist auf Schlichtung und Konfliktlösungen spezialisiert und war schon oft ein gefragter Mann für sensible Angelegenheiten. Er verwaltete den Hilfsfonds für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001.

          Die Summe von 20 Milliarden Dollar brachte vor wenigen Tagen Harry Reid ins Spiel, der Führer der Mehrheitsfraktion im amerikanischen Senat. Mit dem Geld sollten nach seiner Aussage vor allem die Fischer und Einwohner in den von der Öl-Katastrophe betroffenen Regionen entschädigt werden. Amerikanische Politiker hatten auch gefordert, Personal jener Branchenkonkurrenten zu entschädigen, die durch den von Obama verhängten Produktionsstopp am Golf von Mexiko betroffen sind und wohl vor der Entlassung stehen. Diese Forderung stieß in der Chefetage von BP aber auf Ablehnung. Auch der britische Premier David Cameron warnte am Mittwoch in London davor, BP mit überzogenen Forderungen zu überfrachten.

          Was die Not des Ölproduzenten allerdings erhöht: Trotz etlicher Versuche von BP, das Ölleck einzudämmen, hat sich der täglich Ausstoß abermals auf 60 000 Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) erhöht. Bislang lag dieses Volumen bei rund 40 000 Barrel. Der Wert des BP-Konzerns ist an der Londoner Börse seit der Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April um 48 Prozent auf nunmehr 64 Milliarden Pfund geschrumpft.

          Weitere Themen

          Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen Video-Seite öffnen

          Mexiko : Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen

          Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte eine demütigende Niederlage erlitten. Im Zuge eines „schlecht vorbereiteten Einsatzes“ sei ein Sohn des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán zunächst gefasst, dann aber wieder freigelassen worden, sagte die Regierung.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.