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Gesunkene Öl-Plattform : Schwerer Betriebsunfall erschüttert BP

  • -Aktualisiert am

Vor dem Untergang: Die Öl-Plattform „Deepwater Horizon” hatte BP für rund 500.000 Dollar am Tag gemietet Bild: Reuters

Der Untergang der „Deepwater Horizon“ könnte teuer für den Ölkonzern BP werden. Den Aktienkurs des Plattformbetreibers Transocean hat das Unglück allerdings kaum belastet.

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          Der Energiekonzern British Petroleum (BP) kämpft fünf Jahre nach einem katastrophalen Raffinerie-Brand in den Vereinigten Staaten abermals mit einem schweren Betriebsunfall. Im Golf von Mexiko ist eine Ölplattform des von BP beauftragten Dienstleisters Transocean nach einem Brand gesunken. Bei dem Feuer, das durch eine Explosion am Dienstagabend ausgelöst wurde, sind 17 Mitarbeiter verletzt worden; elf weitere wurden am Freitag immer noch vermisst. Insgesamt befanden sich nach Angaben von Transocean zum Zeitpunkt des Unglücks 126 Menschen auf der Öl-Plattform „Deepwater Horizon“ rund 60 Kilometer vor der Küste des amerikanischen Bundesstaats Louisiana.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fachleute befürchten, dass der Unfall, der als der schlimmste in der Region seit 20 Jahren gilt, eine Ölpest auslösen wird. Ein Ölteppich hat sich bereits über mehrere Kilometer hinweg ausgebreitet. Die Frage ist, ob durch das vermutlich geborstene Bohrrohr weiterhin Öl nach oben drückt, das ins Wasser fließt.

          „Wir sind entschlossen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um den Ölaustritt einzudämmen“, sagte Tony Hayward, der Vorstandsvorsitzende von BP. Der britische Konzern hat nach eigenen Angaben mittlerweile eine Flotte von 32 Spezialschiffen zur Bekämpfung von Ölkatastrophen in Gang gesetzt. Hubschrauber und Löschschiffe der amerikanischen Küstenwache sind bereits seit mehr als drei Tagen am Unglücksort im Einsatz.

          BP erneut in der Kritik

          Der schwere Unfall rückt abermals die Sicherheitsstandards von BP in den Blickpunkt. Die gesunkene „Deepwater Horizon“-Plattform gehörte zwar Transocean, dem führenden Hochsee-Bohrunternehmen der Welt. Doch Transocean war im Auftrag von BP aktiv. Der etwa gleichauf mit Shell größte europäische Ölkonzern ist nach einem Großbrand in einer seiner Raffinerien in Texas im März 2005 schon einmal schwer in die Kritik geraten. Bei dem damaligen Unglück waren 15 Arbeiter ums Leben gekommen und 170 Personen verletzt worden. In den jahrelangen Ermittlungen hatten die amerikanischen Behörden BP Hunderte von Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften zur Last gelegt. Das Unternehmen musste wegen der Versäumnisse Rekordbußen in dreistelliger Millionenhöhe zahlen.

          Solche dramatischen Unfälle auf Ölbohrinseln kommen eher selten vor. Steffen Bukold, Ölexperte des unabhängigen Analysehauses Energycomment, sagt: „Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Bohrinsel Feuer fängt und im Meer versinkt.“ Zur Unglücksursache könne derzeit nur spekuliert werden. Wahrscheinlich sei aber, dass es zu einem „Blowout“ gekommen ist. „Ein Blowout ist auf einer Bohrinsel der Super-GAU“, sagt Bukold. Dabei stoßen große Mengen Gas unkontrolliert vom Meeresboden durch das Bohrrohr nach oben zur Plattform und entzünden sich. Es kommt zur Explosion.

          Der Aktienkurs von Transocean stieg leicht

          Die Blowout-Theorie sorgt unter Branchenkennern allerdings auch für Verwunderung. Denn Bohrinseln verfügen über komplexe Sicherungstechniken. „Bohrinseln sind technisch ausgereift, erfordern aber bei Bohrungen in großer Tiefe aufwendige Kontrollmethoden und ein erfahrenes Management“, sagt Bukold. So sollen eigentlich mehrere Vorrichtungen - sowohl am Meeresboden als auch auf der Insel selbst - dafür sorgen, dass das unkontrollierte Durchstoßen von Gas und Öl in dem Bohrrohr verhindert wird. Bei der Ölförderung wird stets gemeinsam mit dem Rohöl auch Gas an die Oberfläche gefördert. „In der Regel drückt das Erdgas, das in großer Tiefe noch flüssig ist, das Erdöl kontrolliert Richtung Bohrloch“, sagt Bukold.

          Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ bohrte im Golf von Mexiko in Tiefen von rund 1500 Metern, als das Unglück geschah. Die Plattform wurde 2001 gebaut. Sie war „für 502.000 Dollar pro Tag von BP für mehrere Jahre angemietet worden“, sagt Bukold. Mit der „Deepwater Horizon“ wurde im vergangenen Jahr auch das Tiber-Ölfeld, das ebenfalls im Golf von Mexiko liegt, entdeckt. Das Tiber-Feld wurde im September 2009 von dem britischen Ölkonzern BP gefunden und zählt mit einem geschätzten Vorkommen von etwa drei Milliarden Barrel (159 Liter) Öl zu einer der größten Ölquellen, die zuletzt entdeckt worden sind.

          Transocean war erst in der vergangenen Woche an die Schweizer Börse gegangen. Der Aktienkurs von Transocean stieg am Freitag leicht. Der Untergang der Ölplattform beeinflusste den Kurs nicht besonders, weil mit den Einnahmen dieser Plattform lediglich drei bis vier Prozent des Gesamtgewinns des Unternehmens generiert werden. Betroffen sind auch die beiden Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück, die beide die Plattform mitversichert haben.

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