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Deepwater Horizon : BP ist für Amerikas Regierung in der Existenzkrise

Verschmutzter Strand in East Bay an der amerikanischen Golf-Küste Bild: REUTERS

Mindestens 28 Millionen Liter Öl sind bisher ins Meer gelaufen. Der amerikanische Innenminister Ken Salazar ist angesichts der Unfähigkeit bei BP „wütend und frustriert“. Der Aktienkurs fiel um ein Viertel.

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          Der Energiekonzern British Petroleum (BP) gerät durch die Ölpest im Golf von Mexiko immer stärker unter Druck. Der amerikanische Innenminister Ken Salazar sprach in einem Fernsehinterview von einer „existenziellen Krise“ für den zweitgrößten europäischen Ölkonzern, der zugleich der wichtigste Ölförderer im Golf von Mexiko ist.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          BP-Vorstandschef Tony Hayward hatte dagegen vergangene Woche gesagt, das Unternehmen verfüge über „hinreichende Mittel, um die Kosten aus diesem Vorfall zu bewältigen“. BP versucht seit fünf Wochen vergeblich, ein Ölleck in der Tiefsee vor der amerikanischen Küste zu schließen. Bisher sind nach Schätzungen der Behörden mindestens 28 Millionen Liter Öl ins Meer gelaufen.

          Die Talfahrt des BP-Aktienkurses hat sich derweil wieder beschleunigt. Am Montag fiel die Notierung im Handelsverlauf in London um weitere 3,3 auf 490 Pence. Seit dem schweren Betriebsunfall auf der im Auftrag von BP betriebenen Bohrplattform „Deepwater Horizon“ ist der Kurs um rund ein Viertel gesunken. Die Börse taxiert den Wert von BP inzwischen umgerechnet um mehr als 30 Milliarden Euro niedriger als vor dem Unfall. Dieser Wertverlust übertrifft die gesamte Marktkapitalisierung von Großunternehmen wie der Deutschen Bank oder RWE. Analysten halten die Einbußen allerdings für überzogen und schätzen die Gesamtkosten für BP deutlich niedriger ein.

          Innenminister „wütend und frustriert“

          Der Ölriese kündigte am Montag an, eine halbe Milliarde Dollar zu spenden. Mit dem Geld soll erforscht werden, wie die Folgen der Ölpest gemildert werden können. Darüber hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bisher rund 760 Millionen Dollar für die Katastrophenbekämpfung und Schadensersatzzahlungen ausgegeben. Vor Ort sind mehr als 22.000 Helfer und über 1.100 Boote im Einsatz.

          Der Konzern hat inzwischen eingestanden, dass mit einem ersten Absaugrohr auf dem Meeresboden weniger als halb so viel Öl aufgefangen werden kann, als in der vergangenen Woche zunächst angenommen wurde. Der ursprünglich für das Wochenende geplante Versuch, das Ölleck mit Füllmaterial zu verstopfen, musste auf Mittwoch verschoben werden, weil sich die Vorbereitungen hinziehen.

          Innenminister Salazar warf BP vor, das Unternehmen verpasse „eine Frist nach der anderen“, um das Ölleck zu schließen. Er sei darüber „wütend und frustriert“. Zugleich drohte die Regierung, die selbst immer stärker unter Druck gerät, dem Konzern die Federführung bei der Katastophenbekämpfung zu entziehen. „Wenn Sie nicht das tun, was von ihnen erwartet wird, dann werden wir sie auf angemessene Weise beiseite schieben“, sagte Salazar. Der Kommandant der Küstenwache, Thad Allan, hält dies allerdings für unrealistisch, weil die Regierung auf das technische Fachwissen von BP angewiesen sei.

          Das Unternehmen soll nach dem Willen der Regierung unter anderem nach einer Alternative zu der giftigen Chemikalie Corexit suchen, von der es mehr als eine Million Liter auf dem Meer versprüht hat, um den Ölteppich zu zersetzen. Präsident Barack Obama hat einen unabhängigen Sonderausschuss einberufen, der den Unfall untersuchen soll.

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