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BP-Krisenmanager Dudley : Ein Mann für heikle Missionen

BPs Gesicht beim Umgang mit der Ölkatastrophe: Robert Dudley Bild: AP

Bob Dudley kämpft für BP vor Ort gegen die Ölpest - er gilt als Nachfolger von Konzernchef Hayward. Wenn er bei seiner neuen Aufgabe als Krisenmanager eine gute Figur macht, könnte er sich für noch Größeres empfehlen.

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          Eigentlich schien Robert „Bob“ Dudley bei British Petroleum (BP) schon auf dem Abstellgleis. Als es im Jahr 2007 um die Nachfolge des damaligen Vorstandsvorsitzenden John Browne ging, galt er als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Auf einmal ist Dudley wieder zum großen Hoffnungsträger geworden: Er soll das völlig zerrüttete Verhältnis von BP zu der Regierung und der Öffentlichkeit in Amerika kitten, soweit das überhaupt möglich ist. Am Mittwoch hat er offiziell die Rolle als Krisenmanager bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko übernommen. Er wird Vorstandschef der neuen „Gulf Coast Restoration Organization“ und in dieser Funktion für die Aufräumarbeiten in der Region und die Entschädigung der von der Ölpest betroffenen Menschen und Unternehmen zuständig sein.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der 54 Jahre alte Dudley wird damit in Amerika zum Gesicht von BP beim Umgang mit der Ölkatastrophe. Diese Rolle übernimmt er vom Konzernchef Tony Hayward. Es kommt wohl keine Sekunde zu früh, denn Hayward ist nach einer Serie von unbedachten Äußerungen und Peinlichkeiten in der amerikanischen Öffentlichkeit zu einer Hassfigur geworden. Hayward fehlt es nach Meinung der Amerikaner an jeglicher Sensibilität für die Nöte der Menschen in der Golfregion. Dieses Bild hat sich verfestigt, als er in der vergangenen Woche bei einer Kongressanhörung den meisten Fragen der Abgeordneten auswich und dann wenige Tage später bei einem Segeltrip an der Südküste Englands gesehen wurde. Auch der von vielen Amerikanern als hochnäsig empfundene britische Akzent war ein Minuspunkt für Hayward.

          Heikle Missionen sind nichts Neues

          Genau aus diesen Gründen sieht BP Dudley als den besseren Mann vor Ort, der den Eindruck vermitteln kann, das nötige Einfühlungsvermögen zu haben. Bei der Ernennung Dudleys zum Krisenmanager hob BP an erster Stelle dessen lokale Wurzeln hervor. Dudley ist in der Kleinstadt Hattiesburg im Bundesstaat Mississippi aufgewachsen, nicht weit weg vom Golf von Mexiko: „Bob hat eine tiefe Wertschätzung und Zuneigung für die Golfküste, und er glaubt an das Bekenntnis von BP, die Region wiederherzustellen“, ließ sich Hayward zitieren.

          Ablösung? Dudley (hinten) mit Konzernchef Tony Hayward

          Heikle Missionen sind für Dudley nichts Neues. Er war zwischen den Jahren 2003 und 2008 Vorstandsvorsitzender von TNK-BP, ein Gemeinschaftsunternehmen der Briten mit einer Gruppe russischer Milliardäre. Hier war er die zentrale Figur in einem erbitterten Machtkampf mit den russischen Anteilseignern, die ihm vorwarfen, nur im Interesse von BP zu handeln. Auch die russische Regierung übte Druck aus und drängte darauf, das Unternehmen unter einheimische Führung zu stellen.

          Dudleys Arbeit in Russland glich zeitweise einem Spionagethriller. In einem Interview erzählte er später, wie er bei Besprechungen wichtige Dinge oft nur auf Papier aufschrieb, weil er befürchtete, abgehört zu werden. Am Ende musste er Russland verlassen, nachdem die russischen Behörden ihm kein Visum mehr ausstellten. Er führte das Gemeinschaftsunternehmen zunächst noch von einem geheimen Ort aus, aber im Jahr 2008 überließ BP den russischen Partnern schließlich die Führung, behält aber weiter seine Anteile. Dudley bekam in Russland gute Noten dafür, die Produktionsmengen des Gemeinschaftsunternehmens deutlich ausgeweitet zu haben.

          Allerdings tat er sich bisweilen schwer damit, britische und russische Unternehmenskulturen zusammenzufügen. Nach dem Ende seines Russland-Abenteuers hatte Dudley als Managing Director im Vorstand und im Verwaltungsrat des britischen Konzerns zuletzt die Aufsicht über die Aktivitäten in Nord- und Südamerika sowie in Asien. Wenn er bei seiner neuen Aufgabe als Krisenmanager in der Golfregion eine gute Figur macht, könnte er sich vielleicht doch noch für die Rolle als Vorstandschef von BP empfehlen, sollte sein schwer angeschlagener Amtsvorgänger Hayward einmal abgelöst werden.

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