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Ölleck im Münsterland : Havarie auf der Kuhweide

Das Öl vom Wasser fernhalten: Ein Bagger hebt Erde für eine Schlitzwand aus Bild: dpa

Ein Großteil der deutschen Rohöl-Reserven liegt in Kavernen, die durch Salzabbau entstanden sind. Nun tritt auf einer Wiese bei Münster Öl aus – und die Fragen, die das aufwirft, gehen weit über die Kuhweide hinaus.

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          Es ist nun schon drei Wochen her, dass die Welt der Sundermanns aus den Fugen geriet. Der Hof der Nebenerwerbs-Landwirte liegt im westlichen Münsterland, in Gronau-Epe, romantisch zwischen Wäldern am Rand des Naturschutzgebiets Amtsvenn. Aber nur oberflächlich betrachtet führt man hier ein Leben weitab der Industrie. Tief unter Feld, Wald und Wiese wird Salz gewonnen, das durch das Solefernleitungssystem zu Chemieunternehmen nach Marl, Rheinberg und ins belgische Jemeppe transportiert wird.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seit genau 40 Jahren darf die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) die entstandenen Hohlräume zur Öl- und Gasspeicherung benutzen. Das Kavernenfeld Gronau-Epe ist der größte Öl- und Gaskavernenspeicher der Welt. In ihm liegt ein Teil der nationalen Energiereserve der Bundesrepublik Deutschland. Die Sundermanns wussten das. Und bis Mitte April glaubten sie der SGW und den Behörden, dass es sich um eine sichere Speichermethode handle. In all den Jahrzehnten ist auch nie etwas passiert.

          Bis zum 12. April. Da war Willi Sundermann mit seinem Pächter auf einer der Weiden unterwegs, als er mit seinen Stiefeln in einem dickflüssigen Wasser-Öl-Gemisch steckenblieb. Seitdem geht es Schlag auf Schlag. Sechs der Kühe des Pächters mussten gekeult werden, weil sie von dem Gemisch getrunken hatten. Die Bezirksregierung Arnsberg als oberste nordrhein-westfälische Bergaufsichts-Behörde ließ das Gebiet absperren. Eine erste Analyse ergab, dass das Öl tatsächlich aus der Kaverne stammt und nicht aus einer alten Leitung. Bei einem Kontrollgang stießen Fachleute dann auf eine weitere Öllache in einem nahen Waldstück.

          2500 Tonnen verseuchte Erde

          Kurz darauf entdeckte Sundermanns Sohn eine dritte Austrittstelle am Hof. Seitdem ist das Gelände rund um den Hof eine Großbaustelle. Beinahe 2500 Tonnen verseuchtes Erdreich mussten schon ausgehoben, 183 Kubikmeter Öl-Wasser-Erd-Gemisch abgesaugt werden. Im Schichtdienst fahnden 100 Spezialisten nach dem Leck. Doch ihre Suche blieb bisher ohne Erfolg. Für die Sundermanns ist die Havarie eine Katastrophe: Klaus Sundermann musste mit seiner Frau Claudia und den beiden Kindern in eine Ferienwohnung ziehen. Ob ihr Hof wie bisher bewirtschaftet werden kann, steht in den Sternen.

          Die rund 1,4 Millionen Kubikmeter Öl, die im Kavernenfeld Epe lagern, gehören zur Energiereserve, die Deutschland seit 1966 vorhält. Mit den Vorräten soll eine zuverlässige Versorgung nicht nur bei Krisen in Förder- und Transitländern, sondern auch bei Verbrauchsspitzen im Winter sichergestellt werden. Zuständig ist der Erdölbevorratungsverbund (EBV), 1978 durch ein Bundesgesetz errichtet. Er muss eine Reserve an Rohöl und Erdöl-Erzeugnissen wie Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl und Flugbenzin im Umfang von mindestens 90 Tagen vorhalten. Alle Unternehmen, die Erdöl-Produkte herstellen oder nach Deutschland importieren, sind Pflichtmitglieder des EBV und müssen Beiträge zu dessen Finanzierung leisten.

          Während die Erdöl-Erzeugnisse meist in oberirdischen Tanks gelagert werden, liegen das Rohöl und Teile der Erdgasvorräte in vielen Kavernen, die durch den unterirdischen Salzabbau entstanden sind – in Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und eben im Münsterland. „Die Kavernenspeicherung ist eine sehr sichere Methode“, sagt Bergdirektor Peter Dörne, bei der Bezirksregierung Arnsberg für die Genehmigung und Überwachung der Untergrundspeicherung zuständig. Salz ist gasdicht und gilt als „selbstheilend“. Dörne weist zudem darauf hin, dass es gar nicht möglich wäre, oberirdisch so große Lagerflächen zu bauen, wie für die enormen Mengen an Öl und Gas der nationalen Energiereserve nötig wären.

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