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Ölleck im Münsterland : Havarie auf der Kuhweide

Havarie ist ein Rätsel

Die Havarie bei den Sundermanns stellt auch Dörne vor ein Rätsel. Ein ähnliches Ereignis hat es in der Geschichte der Kavernenspeicherung noch nicht gegeben. Zwar ereignete sich erst im vergangenen Herbst im ostfriesischen Etzel ein Unfall auf einem Kavernengelände. Dort war das Öl allerdings oberirdisch ausgelaufen, zudem gibt es Hinweise auf Sabotage – ein Ventil an einer Ölleitung war offensichtlich mutwillig geöffnet worden. Dörnes Kollege Andreas Nörthen steht an der Gabelung von Dachsweg und Wacholderweg gut 300 Meter entfernt vom Hof der Sundermanns vor Absperrgittern.

Der Weg zur ersten Fundstelle ist mit Stahlplatten abgedeckt, damit die schweren Laster nicht im feuchten Boden der Weide versinken. Die Bäume rund um die zweite Fundstelle sind auf einer etwa fußballfeldgroßen Fläche abgeholzt. Über der dritten Fundstelle vor dem Hof der Sundermanns stehen Bohrmaschinen. „Die Experten sind sich nach wie vor sicher, dass das Öl nicht aus der Kaverne selbst ausgetreten ist“, sagt Nörthen, der Sprecher der Arnsberger Bezirksregierung. Vermutlich sei das rund einen Kilometer lange einbetonierte Rohr, das von der Erdoberfläche in den Salzstock hinabführt, an irgendeiner Stelle undicht.

Hunderte Sondierungen haben Arbeiter unter Anleitung Hans-Peter Jackelen schon vorgenommen. Der unabhängige Gutachter zeigt auf jeweils etwas mehr als einen Meter lange Bohrkerne, die seine Mitarbeiter in einer Garage in zwei langen Reihen nebeneinander gelegt haben. An den Bohrkernen einer Sondierung sind bei 17, 31 und 53 Metern Ölspuren zu erkennen, am Bohrkern einer anderen Sondierung bei 25 Metern. Jackelen und seine Leute wissen mittlerweile ziemlich genau, wo sich Öl befindet. Aber wie es dorthin durch das Erdreich gelangte, haben sie noch nicht herausfinden können. „Wir arbeiten uns systematisch voran, wir kreisen das Problem ein“, sagt Jackelen. Dabei rückt Kaverne S5, die tief im Erdreich unmittelbar hinter dem Hof der Sundermanns liegt, immer mehr in den Fokus.

Sind die Speicher sicher?

Umweltschützer nehmen den Fall Gronau-Epe zum Anlass, die Sicherheit der unterirdischen Energiespeicher in Frage zu stellen. „Der Vorfall zeigt, dass eine Langzeitsicherheit der Speicher nicht gewährleistet werden kann“, sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sollten sich als Ursachen des Ölaustritts schadhafte Bohrloch-Verrohrungen oder Undichtigkeiten der Kaverne selbst herausstellen, müssten alle unterirdischen Speicher für Öl und Gas überprüft werden.

Es sei unverantwortlich, dass die Betreibergesellschaft des Ölspeichers behaupte, die Kavernen seien nach der Aussolung von kompaktem Steinsalz umgeben und daher absolut dicht. Damit werde eine Sicherheit suggeriert, die nicht existiere. Garrelt Duin (SPD) steht vor der zweiten Fundstelle. Unablässig tragen Bagger verseuchtes Erdreich ab. „Es ist sehr schmerzhaft, diesen Eingriff in die Natur zu sehen“, sagt der nordrhein-westfälische Energieminister. Duin ist allerdings nicht nur über das Ausmaß des Vorfalls entsetzt, sondern auch über Kritiker der Kavernenspeicherung.

„Das sind große Schlaumeier, die versuchen, aus dem Unglück politischen Gewinn zu ziehen, während andere rund um die Uhr arbeiten.“ Wenn das Leck in der Zuleitung gefunden werde, dann zeige das, dass die Kritik unhaltbar und absurd war. „Wenn es aber doch an der Salzlagerung liegt, bin ich der erste, der bereit ist zu diskutieren.“ Die Diskussion würde dann weit über die Kuhweide der Sundermanns hinausgehen. Denn auch bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll spielen Salzstöcke eine wichtige Rolle – wegen der bisher guten Erfahrungen der Kavernennutzung für Öl und Gas.

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