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Ökumenischer Kirchentag : Schröder läßt sich von Jugendlichen bejubeln

  • Aktualisiert am

Der Heilsbringer in Berlin: Gerhard Schröder Bild: AP

Die Agenda 2010 und der Streit ums gemeinsame Abendmahl haben zum Auftakt des ersten Ökumenischen Kirchentages für Zündstoff gesorgt. Außenminister Fischer erntete mit einer Rede Kritik, in der er um Verständnis für die amerikanische Politik warb.

          Die umstrittene Agenda 2010 und der Streit ums gemeinsame Abendmahl haben zum Auftakt des ersten Ökumenischen Kirchentages für Zündstoff gesorgt. Beifall, aber auch Unmutsbekundungen bekam Bundesaußenminister Joschka Fischer am Donnerstag zu hören, als er die Rolle der Vereinigten Staaten bei der globalen Friedenssicherung verteidigte. Dagegen spendeten 4000 überwiegend junge Leute Bundeskanzler Gerhard Schröder am Abend stehend Applaus. Der Kanzler bezeichnete den europäischen Prozeß als Modell zur Bekämpfung der Fremdenfeindlichkeit. Durch die Annäherung der Völker seien alte Vorurteile überwunden worden.

          Zu dem vom Papst verbotenen gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten kamen am Rande des Kirchentages etwa 2000 Christen. Den Gottesdienst mit katholischer Eucharistie in der evangelischen Gethsemane-Kirche leitete der katholische Priester Gotthold Hasenhüttl; er ist Theologieprofessor an der Universität Saarland. Ihm drohen disziplinarische Strafen der katholischen Kirche.

          Ratzinger verurteilte Abendmahl

          Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, verurteilte die Veranstaltung. Das Sakrament werde für eine höchst unangemessene kirchenpolitische Aktion mißbraucht. Die Veranstalter des Kirchentages haben dazu aufgerufen, die Regeln der jeweiligen Konfession zu respektieren.

          Fischer sorgte für Unmut

          Für Unmut sorgte Außenminister Fischer bei einem Europa-Forum mit seinem Bekenntnis: „Die Macht der Vereinigten Staaten ist für Frieden und Stabilität unverzichtbar.“ Allerdings müsse sich Europa das Recht vorbehalten, bei Fragen von Krieg und Frieden eine abweichende Meinung zu haben. Es sei aber ein Fehler gewesen, daß Europa nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus nicht ausreichend wahrgenommen habe. Dies habe sich dann beim Streit mit den Vereinigten Staaten um eine Kriegsbeteiligung im Irak gezeigt.

          Auf dem zentralen Himmelfahrts-Gottesdienst hatte zuvor der Berliner Landesbischof Wolfgang Huber appelliert, die geplanten Sozialreformen gerechter zu gestalten. Wer wirkliche Besitzstände habe, müsse mehr beitragen als andere. Die Älteren könnten es nicht mehr der jüngeren Generation überlassen, die Zeche zu bezahlen. Allerdings wandte sich Huber gegen Pläne, das Arbeitslosengeld auch für ältere Arbeitnehmer zu kürzen.

          Diskussion um Beitrag der Religionen

          Vor dem Hintergrund der langwierigen Gesetzgebungsverfahren bei den Sozialreformen sprach sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) für eine Veränderung des politischen Systems in Deutschland aus. Die Wahlperiode sollte verlängert werden. Darüber könnten die Bürger in einem Plebiszit entscheiden. Bund und Länder sollten sich über eine Neuverteilung der Befugnisse von Bundesrat und Bundestag verständigen. Gleichzeitig sprach sich Thierse dafür aus, Kindern das Wahlrecht zu geben, das dann von ihren Eltern ausgeübt werden solle.

          Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte einen eigenen Weltsicherheitsrat zur Überwindung ökonomischer und sozialer Ungerechtigkeit: „Wir können die Gestaltung der Welt nicht allein den multinationalen Konzernen und Industriestaaten überlassen.“ In Foren ging es außerdem um den Beitrag der Religionen für den Nahost-Friedensprozess und die Folgen der Globalisierung.

          Bis Sonntag volles Programm

          Etwa 140 000 Katholiken und Protestanten hatten am Mittwochabend am Brandenburger Tor mit einem Gottesdienst ihren ersten gemeinsamen Kirchentag in ökumenischer Aufbruchstimmung eröffnet. Beim anschließenden „Abend der Begegnung“ kamen in der Innenstadt rund 400 000 Menschen zusammen.

          Unter dem Motto „Ihr sollt ein Segen sein“ erwartet die knapp 200 000 Kirchentagsbesucher noch bis Sonntag ein volles Programm mit Gottesdiensten, Diskussionen und Konzerten.

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