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Odenwaldschule : Über die Niederungen aus dem Tal

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Von der Macht großer Begriffe wegkommen

Alle glaubten an die Potentiale dieser Schule, wollten am Familiensystem mit leichten Veränderungen festhalten, aber auch an den Werkstätten für die Berufsausbildung, die schon während oder nach der Schulzeit im OSO-Dorf stattfindet. Nur eines sei in den Aufarbeitungsgesprächen nicht vorgekommen: der Unterricht, der ausweislich aller Bildungsforschung die Qualität einer Schule ausmache. Frau Höhmann will deshalb das pädagogische Handeln professionalisieren, damit die Lehrer mit Schülern, die unklare Prognosen für ihre Bildungsbiographie oder außergewöhnliche Lernbegabungen haben, noch besser umgehen können. Möglicherweise werden auch ein bis zwei Sonderschulpädagogen sowie weitere Sozialarbeiter zum Kollegium stoßen. Dass die Lehrer gerade in der Zeit der Schulleitervakanz – Frau Kaufmann war ein halbes Jahr krankgeschrieben – viel geleistet haben, indem sie neben aller Aufarbeitung den Schulbetrieb verlässlich aufrechterhielten und dafür sorgten, dass die Schüler ihre Abschlüsse ablegen konnten und das Abitur gut über die Bühne ging, wurde auch vom staatlichen Schulamt gewürdigt. „Die OSO muss von der erdrückenden Macht großer Begriffe und Bilder wegkommen und wird sich mit den ganz alltäglichen Niederungen des Schulalltags intensiver befassen“, sagte Frau Höhmann.

Das Kollegium werde dafür sorgen, dass Förderung und Diagnostik im Mittelpunkt stehen und sich die Lehrer an den Stärken der Kinder orientieren. Für die Unterstufe und die Oberstufe gebe es ein stimmiges Unterrichtskonzept mit flexiblen Doppeljahrgangsstufen, so dass Schüler eine Stufe in zwei oder drei Jahren durchlaufen könnten. Ausgerechnet in der Mittelstufe, in der schwierigen Zeit der Identitätsfindung, seien keine schlüssigen Konzepte vorhanden, auch hätten die Mittelstufenschüler keinen gemeinsamen Ort auf dem Gelände, obwohl der Altersunterschied von bis zu drei Jahren dies besonders nötig erscheinen lasse. Schulmüde Jugendliche sollten in dieser Entwicklungsphase auch einmal eine Woche im Garten oder in einer der Werkstätten arbeiten können, um Zutrauen zu ihren Stärken zu finden.

Aus dem Defizit kein Programm machen

Die Ausbildung zu Chemisch-Technischen Assistenten ist an der Odenwaldschule von solchem Niveau, dass überlegt wird, ob Ausbildungsleistungen auf ein späteres Chemiestudium angerechnet werden können. Die flexibilisierten Bildungswege und Doppelqualifikationen sollen ausgebaut werden, die kulturelle Bildung, das Werkstattkonzept auch für den Unterricht. Frau Höhmann wünscht sich Lehrer mit Mut, etwas auszuprobieren. Als eine der wenigen Gesamtschulen, die vollständig integriert, also ohne leistungsbezogene Kursdifferenzierung arbeiten, sei die Odenwaldschule dazu in besonderer Weise geeignet.

Unklar ist noch, wie die Schule mit ihrer medialen Abgeschiedenheit umgehen wird. Sie befindet sich in einem Funkloch, es gibt also so gut wie keine Internetzugänge. Hier müsse die Schule darauf achten, dass sie nicht unter dem Niveau der Staatsschulen arbeite, meint die neue Schulleiterin. Aus dem Defizit ein Programm zu machen und damit die klösterliche Abgeschiedenheit und Weltabgewandtheit früherer Landerziehungsheime fortzuschreiben, wollen weder die Lehrer noch Frau Höhmann. Es gibt schon ein Medienkonzept, das in der kommenden Trägervereinssitzung beschlossen werden soll. Vor allem aber gelte es, Vertrauen, Respekt und Wertschätzung wiederzugewinnen.

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