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Obduktion : Jeder zweite Mord oder Totschlag wird nicht erkannt

  • Aktualisiert am

Zuviele Morde und Totschläge bleiben in Deutschland unerkannt. Das soll sich ändern: Rechtsmediziner fordern mehr und qualifizierte Obduktionen.

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          Mindestens jeder zweite Mord oder Totschlag in Deutschland bleibt nach Auffassung von Rechtsmediziner Günter Weiler unerkannt. Der Grund hierfür sei die im internationalen Vergleich sehr niedrige Anzahl von Sektionen, die von deutschen Staatsanwälten angeordnet werden.

          Angesichts dessen bezeichnet der Mediziner die von der Polizei genannte Aufklärungsquote von 90 Prozent bei Fällen von Mord und Totschlag als Farce. Verurteilt würden nur noch die Affekttäter und die Dummen. Als Beleg hierfür nennt Weiler, dass in der Statistik der erkannten Tötungsarten der Giftmord fast gar nicht mehr vorkommt. "Es wäre ein Narr, der annimmt, dass es keinen Giftmord mehr gibt, nur weil er nicht mehr erkannt wird", sagte der Mediziner gegenüber FAZ.NET.

          Wenige Obduktionen in Deutschland

          In Deutschland werden nur maximal drei Prozent der Toten seziert. In den skandinavischen Ländern und in Österreich liegt die Zahl der Sektionen wesentlich höher. In Finnland wird jeder dritte Tote untersucht. Seit der Wiedervereinigung ist die Obduktionsquote in den neuen Bundesländern von 40 auf fünf Prozent gesunken. Für diese Entwicklung sind nach Weilers Meinung junge Staatsanwälte verantwortlich, die aus Sparsamkeit auf nötige Untersuchungen verzichten. Der Rechtsmediziner bezeichnet dieses Verhalten als fahrlässig und als Gefahr für den Rechtsstaat.

          Bessere Qualifikation und Leichenbeschauungen schon im Studium

          Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte am Donnerstag in Gießen qualifiziertere Leichenbeschauungen. Zukünftig sollen alle Medizinstudenten während des Studiums an Leichenbeschauungen teilnehmen. Nach einem anderen Vorschlag sollen Sektionen nur noch von Ärzten durchgeführt werden, die sich vorher dafür qualifiziert haben.

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