https://www.faz.net/-gum-6u879

„F.A.Z.-Leser helfen“ : Not lindern in Addis Abeba und Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Vor allen Dingen Frauen brauchen Hilfe. Bild: Jung, Hannes

Mit Spenden soll misshandelten Kindern und Krebspatienten geholfen werden.

          Auch in diesem Jahr bittet die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung in der Vorweihnachtszeit um Spenden für dringend notwendige Investitionen in soziale Einrichtungen. Das Geld soll je zur Hälfte der Hilfe für misshandelte Kinder in der Frankfurter Universitätsklinik und einem Projekt der Frankfurter Stiftung „Leben mit Krebs“ in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zugutekommen. Im vergangenen Jahr hatten unsere Leser für zwei andere Projekte 560.000 Euro gegeben. Wie stets fließen die Geldbeträge ohne jeden Abzug für Verwaltungskosten an die Einrichtungen, denen geholfen werden soll.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Meldungen über verhungerte oder zu Tode geprügelte Kinder schrecken immer wieder die Öffentlichkeit auf. Dem Frankfurter Jugendamt werden im Jahr rund 1200 Fälle von möglicher „Kindswohlgefährdung“ gemeldet. 2010 mussten etwa 450 Kinder vor ihren Familien in Sicherheit gebracht und in eine Pflegefamilie gegeben werden. Doch viele Fälle werden gar nicht bekannt, weil sich Hebammen, Kinderärzte oder Erzieherinnen unsicher waren und Jugendamt oder Polizei nicht einschalten wollten.

          Ärzte klären das weitere Vorgehen

          Um die Hemmschwelle für Meldungen zu senken und vor allem Ärzte, die einen Missbrauchsverdacht hegen, zu unterstützen, ist vor gut einem Jahr an der Uniklinik die medizinische Kinderschutzambulanz gegründet worden. In Verdachtsfällen untersuchen dort qualifizierte Ärzte die betroffenen Kinder auf Verletzungen. Aufgrund ihrer Erfahrung können sie einschätzen, wie diese entstanden sein könnten. Das dokumentieren sie in standardisierten Berichten und mit Fotos, die im Fall eines Sorgerechts- oder Strafprozesses den Gerichten vorgelegt werden. Darüber hinaus klären die Ärzte das weitere Vorgehen, ob Jugendamt oder Polizei eingeschaltet werden müssen.

          Die Initiative ging von Matthias Kieslich aus, Leiter der Abteilung für Neuropädiatrie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin. Schon vorher kümmerte sich seine Abteilung um misshandelte Kinder. Mehr oder weniger ehrenamtlich, denn der Mehraufwand für ausgiebige Untersuchungen und Beratungen wird laut Kieslich nicht von den Krankenkassen vergütet. Um den Kinderschutz trotzdem zu professionalisieren, suchte er nach Unterstützern - und fand diese in der Kinderhilfestiftung. Der Verein unterstützt den Aufbau in den ersten beiden Jahren mit insgesamt 100.000 Euro. Danach sei allerdings die öffentliche Hand gefordert, meint der Erste Vorsitzende Bruno Seibert. Das Land Hessen nehme sich des Themas an und gehöre zu den Vorreitern in Deutschland, berichtet Kieslich. Doch wann die Finanzierung geklärt werde, das sei noch nicht abzuschätzen.

          Geld für ein gebrauchtes Gerät

          Insgesamt vier Ärzte gehören zur Kinderschutzambulanz. Unter der Telefonnummer 069/63015249 sind sie rund um die Uhr zu erreichen. Ihr Angebot wird angenommen, nicht nur innerhalb der Uniklinik, sondern auch von anderen Krankenhäusern, Kinderärzten und Jugendämtern. In den ersten neun Monaten wurden den Ambulanzärzten 112 Fälle vorgetragen. 33 Mal genügte eine telefonische Beratung. Bei fast 80 Kindern habe sich der Verdacht einer Misshandlung bestätigt, berichtet Kieslich. Doch das sei nur ein Anfang. „Wenn wir vor jeder Inobhutnahme in Frankfurt gefragt würden, könnten wir den Ansturm nicht mehr bewältigen“, ist er sich sicher. Deshalb brauche die Kinderschutzambulanz noch mehr finanzielle Unterstützung. Mit Hilfe der Spenden soll darüber hinaus die medizinische Versorgung von Krebskranken in Äthiopien verbessert werden, die wenig oder kein Geld für eine Behandlung haben. Ermöglicht werden sollen der Kauf eines Therapiegeräts für die Universitätsklinik in Addis Abeba, mit dem Gebärmutterhalskrebs besser behandelt werden kann als bisher, die Renovierung der Kinderkrebsstation und der Ausbau eines Patientenwohnheims.

          Die Klinik braucht ein solches Gerät dringend, denn Gebärmutterhalskrebs ist mit großem Abstand die Erkrankung, an der Frauen in Äthiopien am meisten leiden, wie Bogale Solomon, Chefarzt der Krebsstation an der Uniklinik, sagt. Gekauft werden soll ein gebrauchtes Gerät, das vergleichsweise leicht zu reparieren ist, wenn es einmal ausfallen sollte. Außer einer Station für erwachsene Tumorpatienten hat die Uniklinik eine Station für krebskranke Kinder. Sie soll mit Hilfe der Spenden renoviert werden, was zugunsten der kleinen Patienten dringend nötig ist.

          „Der Erfolg einer Behandlung hängt eng mit der Unterbringung der Patienten zusammen“,

          Die Spenden sollen aber auch dem Ausbau eines Patientenwohnheims in Addis Abeba für Erwachsene und Kinder zugutekommen. Das ist nicht minder wichtig, denn die Patienten kommen aus dem ganzen, riesigen Land in die Hauptstadt, weil nur dort Krebskranken überhaupt geholfen wird. Sie brauchen dringend eine Unterkunft, sofern sie nicht bei Verwandten unterkommen können. Geld, um ein Zimmer zu mieten, haben die wenigsten.

          „Der Erfolg einer Behandlung hängt eng mit der Unterbringung der Patienten zusammen“, sagt Elke Jäge, Chefärztin der Klinik für Onkologie und Hämatologie im Frankfurter Nordwestkrankenhaus. Sie hat die Stiftung „Leben mit Krebs“ mit errichtet und kennt die Situation in Addis Abeba. Ihre dortige Partnerstiftung „Cancer Care Ethiopia“ unterhält ein Wohnheim mit 15 Plätzen, das um einige Plätze erweitert werden soll. Jägers Stiftung hat für das Heim bereits einen Kleinbus angeschafft, mit dem die Patienten zur Behandlung ins Krankenhaus und wieder zurück gebracht werden - auch in Notfällen. 

          Weitere Themen

          Der Bierpreis bricht mal wieder Rekorde Video-Seite öffnen

          186. Oktoberfest : Der Bierpreis bricht mal wieder Rekorde

          Der Wiesnbesucher muss in diesem Jahr für eine Maß tief in die Tasche greifen. Bis zu 11,80 Euro wird für ein Liter Bier verlangt. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter verteidigt den Preis und Blickt dem Volksfest gut gestimmt entgegen.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Die Stadt Sassnitz auf der Insel Rügen hat etwa 9000 Einwohner.

          SPD kooperiert mit AfD : „Ich habe da kein schlechtes Gewissen“

          Immer wieder hat die SPD in Bund und Ländern bekräftigt, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. In Sassnitz auf Rügen reichen die beiden Parteien aber jetzt gleich sieben Anträge gemeinsam ein.

          Prozess um Steuerskandal : Streit über Rolle der Depotbank im Cum-Ex-Wirrwarr

          Der aktuelle Cum-Ex-Prozess am Landgericht Bonn wirft Fragen auf: Wer hätte wann Steuern einziehen sollen? Und wer hätte das wissen müssen? M.M.Warburg und die Deutsche Bank liegen in ihrer Einschätzung sehr weit auseinander.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.