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North Dakota : Sioux unterliegen vor Gericht wegen Pipeline-Bau

  • Aktualisiert am

Protest in der Nähe des Sioux-Reservates Bild: Reuters

Zerstörte Grabstätten und plattgewalzte heilige Orte warfen amerikanische Ureinwohner einem Bauunternehmen vor und forderten einen Stopp beim Pipeline-Bau. Doch auch der Protest von 100 Stämmen mit 5000 Mitgliedern half ihnen nicht.

          Im Rechtsstreit um eine Öl-Pipeline nahe eines Indianerreservats im amerikanischen Bundesstaat North Dakota ist ein Stamm der Sioux vor Gericht unterlegen. Ein Bundesrichter in Washington gab einem Antrag der Ureinwohner auf einen vorübergehenden Baustopp am Freitag nicht statt. Am Tag vor der Gerichtsentscheidung hatte North Dakotas Gouverneur Jack Dalrymple nach der Besetzung eines Pipeline-Bauplatzes durch Indianer die Nationalgarde angefordert, um weiteren Protesten entgegenzuwirken.

          Im April hatten Mitglieder des Stamms Standing Rock Sioux die ersten Zelte aufgebaut, um gegen den Bau der knapp 2000 Kilometer langen Öl-Pipeline Dakota Access zu protestieren. Inzwischen schickten mehr als 100 Stämme etwa 5000 Mitglieder, um die Verlegung der Rohre unter dem Missouri-Fluss zu verhindern. Die Sioux, deren Reservat knapp einen Kilometer entfernt beginnt, fürchten, dass die Wasserqualität unter dem Pipeline-Bau leidet. Zudem warfen die Indianer dem Unternehmen Energy Transfer Partners vor, bei den Bauarbeiten Grabstätten verschiedener Stämme zerstört zu haben. Auch am vergangenen Wochenende hatte das Unternehmen angeblich mehrere heilige Stätten platt gewalzt. Als die Indianer versuchten, die Planierraupen aufzuhalten, soll die Polizei Pfefferspray und Hunde eingesetzt haben.

          Dakota Access zählt zu den umstrittensten Pipeline-Projekten in den Vereinigten Staaten, da die Rohre auf dem Weg von North Dakota nach Illinois täglich bis zu 570.000 Barrel Öl unter Flüssen wie dem Missouri und dem Mississippi transportieren sollen. Im vergangenen November war ein ähnliches Projekt, die Pipeline Keystone XL, an Präsident Barack Obamas Veto gescheitert. Während die Proteste gegen die Keystone-Pipeline Amerika jahrelang beschäftigt hatten, blieben Berichte über den indianischen Widerstand gegen das Projekt Dakota Access lange aus. Sprecher der Stämme warfen den Medien vor, nicht über die Besetzung des Baugebiets zu berichten, da vor allem „Native Americans“ betroffen seien. Erst durch Beiträge von Hollywood-Stars in sozialen Netzwerken sei die Öffentlichkeit auf den Widerstand der Indianer aufmerksam geworden.

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