https://www.faz.net/-gum-7qxwu

Tierplage in Kolumbien : Die Nilpferd-Horde des Drogenbarons

  • -Aktualisiert am

Sehen friedliebend aus, können aber sehr ungemütlich werden: Nilpferde. Bild: Cornelia Sick

Als der kolumbianische Drogenboss Pablo Escobar vor 20 Jahren erschossen wurde, sein Privatzoo aufgelöst und alle Tiere verteilt wurden, blieben die Nilpferde zurück. Bis heute. Mittlerweile sind sie zum Problem geworden.

          2 Min.

          Der Drogenbaron Pablo Escobar war schon 14 Jahre tot, als sich 2007 die Anrufe aus Antioquia bei Bogota im kolumbianischen Umweltministerium mehrten. Ein seltsames Tier mit kleinen Ohren und einem riesigen Maul sei in einem Fluss gesichtet worden. Das Tier stammte aus dem Privatzoo von Escobar. Und es war bei weitem nicht das einzige Nilpferd in der Gegend.

          Der Zoo von Pablo Escobar befand sich zwischen den Städten Bogota und Medellin auf Hacienda Nápoles, der ersten Ranch des Drogenbosses. Als Escobar in den 1980er Jahren mit kriminellen Machenschaften zu Reichtum kam, lebte er seine Passion für Wildtiere hemmunglos aus, und ließ sich dabei nicht lumpen: Alle möglichen Tiere ließ Escobar einfliegen, Elefanten, Giraffen, Nilpferde. Später öffnete er den Zoo auch für die Öffentlichkeit.

          Jungtiere als Geschenk

          Pablo Emilio Escobar Gaviria, der auch Don Patron genannt wurde, war zeitlebens durch Drogenhandel in großem Stil zu einem der reichsten Menschen der Welt geworden. Er gilt noch heute als einer der mächtigsten und grausamsten Drogenhändler aller Zeiten. Bis 1989 soll er ein Privatvermögen von 2,7 Milliarden Dollar akkumuliert haben. Als eine amerikanisch-kolumbianische Elite-Einheit der Polizei ihn 1993 bei einer Razzia in Medellin erschoss, war es auch mit der Hacienda Nápoles vorüber.

          Die Tiere des Drogen-Zoos wurden auf verschiedene Anlagen verteilt – nur die Nilpferde nicht. Seit etwa 20 Jahren verbringen sie jetzt Tag und Jahr in den Seen und Flüssen des rund 20 Quadratkilometer umfassenden leerstehenden Parkgeländes. Und dort haben sie sich eifrig vermehrt. Es ist nicht sicher, wie viele es hier gibt, vielleicht 50 bis 60, aber ihre Zahl wächst beständig, und das wird zu einem zunehmenden Problem. Das Gebiet ist überbevölkert von Nilpferden. Allein im Fluss Magdalena, durch seine Größe und die seichte Strömung ideal für die Tiere, leben allein zwölf Exemplare.

          Mächtig: Der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar und seine Frau Viktoria Eugenia Henau, die 1999 gefasst wurde, in Bogotá.

          Carlos Valderrama von der Organisation Webconserva beobachtet die Tiere, und hat sogar schon 250 Kilometer von der ehemaligen Ranch entfernt neue Nilpferde entdeckt. Die etwa drei Tonnen schweren Tiere vermehren sich in der ganzen Region. Valderrama sieht darin eine Gefahr, die noch durch die Tatsache bestärkt wird, dass die meisten Kolumbianer gar keine Angst vor den Nilpferden haben, die sehr aggressiv auf Eindringlinge in ihrem Territorium reagieren können. Manche Eltern hätten ihren Kindern gar schon Jungtiere eingefangen, weil sie so possierlich aussehen. Valderrama betont, dass Nilpferde keine Spielzeuge sind. „Wir haben hier Tiere gesehen, die ihr Revier verteidigt haben und dabei sehr aggressiv vorgegangen sind“, sagte er der BBC.

          Die beste Lösung wäre wohl eine Umsiedlung der Tiere. Das ist aber schon bei einem Nilpferd, wegen seiner Größe, seinem Gewicht und seiner Kraft, nicht leicht zu bewerkstelligen. Nach Afrika will die Regierung sie nicht transportieren, weil sie sich dort leicht Krankheiten einfangen könnten. Ein paar Nilpferdweibchen wurden mittlerweile in kolumbianische Zoos überführt. Eine weitere Möglichkeit ist die Kastration der Tiere, die aber ebenfalls sehr kostspielig ist. Viele Nilpferde sterben während der Behandlung. Ein Reservat will die Regierung nicht einrichten, weil das mit einer halben Million Dollar zu Buche schlagen würde, aber einen Vorschlag gibt es da noch: er kommt vom kolumbianischen Biologen Patricio von Hildebrand. „Ich denke, man sollte sie zu Barbecue verarbeiten und essen“, sagte er. Die Bevölkerung lehnte das in Vorausahnung schlechter internationaler Presse mehrheitlich ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.