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Nigeria : Bundesstaat ruft zu Mord an Journalistin auf

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Die Zeitschrift „This Day” hatte sich für Daniels Artikel entschuldigt Bild: dpa

Ihr provokativer Artikel zur geplanten Miss-World Wahl in Nigeria hatte blutige Unruhen ausgelöst. Nun droht ihr die Rache der Fanatiker.

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          Die blutigen Unruhen im Norden Nigerias haben mehr als 200 Menschen das Leben gekostet. Auslöser der religiös motivierten Zusammenstöße war ein Artikel über die geplante Miss-World-Wahl, der von Muslimen als beleidigend empfunden wurde. Der Vizegouverneur des nigerianischen Staates Zamfara hat nun zur Ermordung der Autorin des umstrittenen Zeitungsartikels aufgerufen.

          Fundamentalisten sehen in dem Artikel eine Beleidigung ihres Glaubens. Darin hatte Isioma Daniel
          die Kritik der Muslime an der inzwischen nach London verlegten Miss-Wahl in flapsiger Form zurückgewiesen. Die Journalistin schrieb, der Prophet Mohammed hätte vielleicht selbst eine der Kandidatinnen zur Frau genommen. Nach wochenlangen Protesten von Muslimen, die sich durch die zunächst in Nigeria geplante Miss-Wahl in ihrem Glauben verletzt sahen, kam es Ende voriger Woche nach Erscheinen des Artikels in der Zeitung „ThisDay“ zu blutigen Unruhen zwischen Muslimen und Christen, denen mehr als 215 Menschen zum Opfer fielen.

          Journalistin floh ins Ausland

          Die Zeitung hat sich inzwischen mehrmals für den Artikel entschuldigt. Zu dem Todesaufruf gegen die Autorin wollte sie am Dienstag keine Stellung nehmen. Daniel ist mittlerweile nach Angaben von „ThisDay"-Mitarbeitern aus Nigeria in die USA geflohen, nachdem sie bereits vorige Woche von der Polizei vernommen worden war.

          Bei dem Aufruf zur Ermordung der Journalistin handle es sich um ein Urteil nach islamischem Recht, sagte der Informationsminister des Bundeslandes Zamfara, Umar Dangaladima Magaji. „Sie basiert auf dem Wunsch des Volkes.“ Die Regierung halte die "Fatwa" für angemessen, weil sie zur Entschärfung der Lage und zum Vermeiden von weiterem Blutvergießen beitragen könne.

          Widerspruch von Muslimen

          Ein Sprecher des nigerianischen Informationsministeriums erklärte am Dienstag, die Regierung werde nicht zulassen, dass irgend eine islamische Gruppe oder Einzelperson den Mordaufruf in die Tat umsetzt. Der Aufruf der Regionalregierung stieß bei einflussreichen moslemischen Gremien in Nigeria auf Vorbehalte. Der Generalsekretär des Obersten Rates für Islamische Angelegenheiten, Lateef Adegbite, verwies darauf, dass die Journalistin eine Christin sei, dass sie nicht in Zamfara lebe und arbeite und dass sich die Zeitung mehrfach entschuldigt habe. Der Rat werde die „Fatwa“ zunächst prüfen.

          Eine „Fatwa“ ist ein juristisches Gutachten eines moslemischen Gelehrten auf Grundlage der Scharia, des islamischen Rechts. Sein Inhalt ist nicht bindend, Vertreter anderer Rechtsschulen können bei gleichen Sachverhalten zu anderen Ergebnissen kommen. Die nigerianische Zentralregierung erkennt die Einführung der Scharia in Zamfara und zehn weiteren nordnigerianischen Bundesstaaten nicht an.1989 hatte der iranische Revolutionsführer in einer Aufsehen erregenden „Fatwa“ zur Ermordung des Schriftstellers Salman Rushdie aufgerufen. Auch er soll Mohammed beleidigt haben.

          Da 2001 mit Agbani Darego eine Nigerianerin zur Miss World gewählt worden war, hätte der Wettbewerb in diesem Jahr in ihrem Heimatland ausgetragen werden sollen. Wegen der Unruhen wurde die Miss-World-Wahl jedoch nach Großbritannien verlegt.

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