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Niederschlagsreicher August : Nach dem Sommermärchen

Nicht ohne meine Regenschirm: Auf dieses Accessoire konnte man im August nur schwer verzichten Bild: ddp

Erst Sonne satt im Juni, dann ein durchwachsener Juli und anschließend ein nasser August - so war es beim Sommermärchen 2006, und so war es auch in diesem Jahr - nur noch ein bisschen schlimmer.

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          Für die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst ist es ein Déjà-vu: Zur Fußball-Weltmeisterschaft kommt der Sommer und bringt Deutschland einen phantastischen Juni, die Nationalmannschaft wird Dritter, der Juli schlechter, und im August kommt der große Regen. So ist es im Sommermärchen-Jahr 2006 gewesen, und genauso ist es auch in diesem Jahr gekommen - nur dass der letzte Sommermonat diesmal noch regenreicher war als damals.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Laut vorläufiger Statistik des Wetterdienstes für den vergangenen Monat war der August 2010 mit 155,2 Liter Niederschlag je Quadratmeter der nasseste August seit dem Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen im Jahr 1881. Den August 2006, der es auf 135,8 Liter gebracht hatte, verwies er also auf den zweiten Rang. In Deutschland fiel im vergangenen Monat mehr als das Doppelte der üblichen Regenmenge von 77,2 Litern, an manchen Orten sogar das Fünffache.

          Niederschlagswerte von fast 500 Prozent

          Zum Beispiel in Greifswald, dem Ort mit der höchsten relativen Niederschlagsmenge. Die 270,2 Liter Niederschlag, die dort im äußersten Nordosten der Republik registriert wurden, nehmen sich gegen die 356,3 Liter in Oberstdorf zwar bescheiden aus – angesichts eines Normalwerts von 54,1 Liter ergibt sich aber ein Niederschlagswert von fast 500 Prozent des langjährigen Mittels. Die Oberstdorfer können sich zwar rühmen, in absoluten Zahlen das meiste Wasser abbekommen zu haben, bei einem Normalwert von 213,3 Liter ist das aber kaum rekordverdächtig. Einen Rekord konnte übrigens auch Görlitz nicht verzeichnen – obwohl die Regenmassen rund um die Stadt an der Lausitzer Neiße zu einem schweren Hochwasser führten. Mit 195,0 Liter Regen wurden in Görlitz zwar 262 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge verzeichnet, an den Spitzenwert aus dem August 1964 reichte das aber nicht heran: Damals wurden in der östlichsten Stadt Deutschlands nämlich 197,2 Liter je Quadratmeter gemessen.

          Die regenreichste Tag des vergangenen Monats war der 26. August. Er brachte vor allem Nordrhein-Westfalen geradezu monsunartige Wassermassen, die in einem Streifen von der holländischen Grenze bis zur mittleren Weser niedergingen. Spitzenreiter war die Gemeinde Ahaus im westlichen Münsterland mit 150,7 Litern Niederschlag in 24 Stunden, aber auch in Münster (140,0 Liter) und Osnabrück (128,1 Liter) regnete es wie aus Eimern.

          Bremen im August das trockenste Bundesland

          Betroffen von den ungewöhnlich üppigen Niederschlägen im August waren vor allem Sachsen (208 Liter je Quadratmeter), Nordrhein-Westfalen (183 Liter) und Bayern (181 Liter). Aber auch in Thüringen (163 Liter), Mecklenburg-Vorpommern (161 Liter) und Brandenburg (152 Liter) fiel weit mehr als das Doppelte der üblichen Regenmenge, die im August je nach Bundesland zwischen 56 und 98 Litern je Quadratmeter liegt. Am trockensten war es in Bremen – mit nur 87 Litern.

          Grund für den feuchten Monat waren die umfangreichen Tiefdruckgebiete, die in schneller Abfolge über Deutschland zogen. Die dadurch immer wieder auftretenden extremen Luftmassengegensätze zwischen warmem Süden und kühlerem Norden entluden sich vor allem im Osten und Westen in heftigen Gewittern und Starkregenfällen. Kein Wunder auch, dass es die Sonne vor diesem Hintergrund schwerer hatte als üblich: Die Meteorologen errechneten eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von 141,1 Stunden. Das sind fast 30 Prozent weniger als der langjährige Mittelwert von 197 Stunden. Seit die Sonnenscheindauer aufgezeichnet wird, also seit 1951, war der August nur einmal noch trüber: im Sommermärchen-Jahr 2006.

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