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Neuntöter : Knapp am Tod vorbei

  • -Aktualisiert am

Zarte Würger: vier junge Neuntöter im Nest Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

In diesem Jahr waren viele Kleinvögel spät dran. Die erste Brut ging wegen des schlechten Wetters im Frühling oft verloren. Besonders als Neuntöter muss man Glück haben um zu überleben.

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          Die vier jungen Neuntöter haben Glück gehabt. Die Motorschere hat nur wenige Zentimeter vor ihrem Nest aufgehört, die schützenden Zweige des Dornbuschs zu kürzen. Dann hat der Heckenstutzer gemerkt, dass sich in dem grün belaubten Dickicht etwas rührt. Einer der fast flüggen Jungvögel hat sich emporgereckt, während sich die drei Geschwister flach in das napfartige Nest gedrückt haben. Da konnten die beiden Altvögel in der Nähe noch so laut zetern und hin und her fliegen: Das laute Summen und Rattern der Schere hat alle Warnlaute übertönt.

          Und eine vorherige Überprüfung der Hecke unterließ der Gärtner fahrlässig. Immerhin hat der Heckenschneider einige Zweige vor das freigelegte Nest gesteckt und so für eine weitere Tarnung des Brutplatzes gesorgt. Da die jungen Neuntöter wenige Tage später flügge waren, überwanden die Eltern die Störung und setzten die Fütterung fort. Besonders in diesem Jahr waren viele Kleinvögel spät dran. Die erste Brut ging wegen des schlechten Wetters im Frühling oft verloren. Daher haben es mehr Singvögel als sonst erst in fortgeschrittenem Frühling zum zweiten Mal versucht.

          Auch auch als Rotrückiger Würger oder Dorndreher bekannt

          Nicht wenige Arten brüten ohnehin zweimal, auch wenn sie ihre erste Brut erfolgreich aufgezogen haben. Denn vom Legen des ersten Eis bis zum Ausfliegen der Jungen vergehen in der Regel nur etwa fünf Wochen. Danach wird der Nachwuchs zwar noch etwas länger betreut, doch die Weibchen beginnen schon mit dem zweiten Gelege in einem neuen Nest. Daher tun alle Gartenbesitzer gut daran, ihre Hecken und Büsche erst von Anfang August an zurückzuschneiden, zumindest aber vor einem früheren Beginn mit der entsprechenden Arbeit genau nachzuschauen.

          Die in fast ganz Europa bis nach Ostasien verbreiteten Neuntöter, auch als Rotrückige Würger oder Dorndreher sowie unter knapp 150 weiteren Namen bekannt (die Walter Wüst in seinem 1970 erschienenen Buch „Die Brutvögel Mitteleuropas“ zusammengetragen hat), gehören zu den Singvögeln, die aus ihren afrikanischen Winterquartieren in diesem Frühjahr bis zu drei Wochen verspätet zurückgekehrt sind. Zumindest in Norddeutschland und Skandinavien kamen viele erst im Juni statt wie üblich im Mai an.

          Und nach der Ankunft hatten sie es wegen Kälte und Regen schwer, genügend Insekten als Nahrung zu finden. So schoben sie den Beginn der Brut oft bis in die zweite Junihälfte oder gar zum Juli-Beginn hinaus. Die Männchen, mit rostbraunem Rücken, leicht rosafarbenem Brust- und Flankengefieder, schwarzweißem Schwanz und einem markanten schwarzen Augenstreif weit auffälliger gefärbt als die Weibchen, kommen einige Tage vor diesen in ihrem Brutrevier an.

          Die Ortstreue lässt manches Paar über Jahre zusammenhalten

          Dank der Wiederfunde vieler beringter Vögel weiß man, dass Neuntöter sowohl ihren einmal gewählten Brutgebieten als auch ihren Winterquartieren recht treu sind - vorausgesetzt, dass diese während ihrer Abwesenheit durch den Menschen nicht stark verändert werden. Das geschieht immer wieder durch Eingriffe in naturnahe Landschaftselemente. Dornhecken und -büsche mit Brach- oder Grünland in der Umgebung und Streuobstwiesen, die ein gutes Insektenangebot garantieren, sind bei „Lanius collurio“ besonders beliebt. Wo noch das Vieh auf die Sommerweide getrieben wird, siedelt sich ein Neuntöter-Paar gerne an.

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